'k: :v '* ;**M ^'^^^k'^ ^itelNto-^*^ .^^ f - ^- A s" 1^ f :. |6irl .^ ^^'." ^^'ili^ .j^.^ x^^l 1 * :m. '>ik v^"^^ s w Il irn^^.'^' * " M ^i^-3,-- - ^^ ''4-:! ^^ %\^ ^^^''^.^siSt^; /-; .-.1BT A DIE TRICHINEN, NACH YERSCHEN IM AUFTRAGE DES GROSSHERZOGTJCH RADISCHEN HANDELS- MINISTERIUMS AUSGEFHRT AM ZOOLGISCHEN INSTITUTE IN HEIDELRF^RG VON MED.-RATH PROF. CHRIST. JOS. FUCHS r.xD PROF. H. ALEX. PAGENSTECHER DARGESTELT/r VON D" H. ALEX. PAfiESiSTECHEH, PROFKSSnR DER ZOOLOOIK UND PALAEONTOLOGIE UND DIREOTOR DES ZOOLOGISCHEN INSTITUTS ZV HEinEI.BERG. MIT ZWEI KUPFERTAFELN. LEIPZIG, VERLAG VON WILHELM ENGELMANN. 1865. Das Rec/it der Uehcrsetziinc/ in die -anzsiscJie und englische Sprache hat sich der Verleger vorbehalten . Iiilialtsverzeichiiiss. Seite. Einleitung ] Die Geschichte der Keniiliiiss von den Trichinen 3 Capitel 1 4 Capitel II l Capitel III 27 l'nseie Versuche und ihre Ergebnisse 53 Allgemeine Bemerkungen 53 Tabellen 54 Die Ergebnisse der Versuche (i3 I. Normalversuche mit Kaninchen (i3 II. Versuche mit Kaninchen unter besonderen Umstnden 66 III. Versuche mit Schweinen 67 IV. Weitere Versuche mit verschiedenen Sugern 69 V. Versuche mit Vgeln 74 VI. Versuche mit Amphibien 77 VII. Versuche mit wirbellosen Thieren 77 VIII. Versuche ber das Verhalten nicht verftterten Fleisches 78 Eigenschaften und Lebensverhltnisse der Trichina spiralis 80 Die systematische Stellung 80 Die Darmtrichinen 82 Die Embryonalentwicklung 92 Die wandernden Embryonen 94 Die Muskeltrichinen 95 lieber einige von den Trichinen zu unterscheidende Vorkommnisse 100 Die Mittel gegen die Trichinen 104 Erklrung der Abbildungen 114 63474 Druckfehler Pag. 1 , Zeile 7 des Textes von unten anstatt Bl.sciroFF in Heidelberg einen Trich'inentall in Heidelbei'g lies : BlscilOFF einen Tr ichinen fa 11 in Heidelberg. ,, ") ,, 2;{ von oben anstatt an welcher lies: an welchen. ,, () ,, 2() von olien anstatt in die Gru])])e lies: in der Gruppe. ,, 21 ,, 22 von oben anstatt Modalitten, wenn lies: Modalitten, durch welche, wen n. ,, 27 ,.1- von unten anstatt konnte nur lies: konnte nun. ,, 'i\ ,, 22 von olien anstatt Begrenzung lies : Besttigung. ,, 37 ,, II von oben anstatt der des Fleiscliers lies : die des Fleischers. ,, 5G in Tabelle II. bei 2.3' mit jungtricliin. fehlt das * EINLEITUNG. JJie nachfolgende Arbeit knpft sich an eine ansgeclehnte Reihe von Versuchen ber Trichinen, Aveh-he von Herrn ^Nledicinahath Fuchs und nur an dem zootomischen Institute hiesiger Vniversitiit im Auftrage des Grossherzoglich l)adischen Handelsministeriums wiihrend der Zeit von April bis gegen Ende December 1864 ausgefhrt worden sind. Mein geehrter Mitarbeiter und ich haben uns in l'etrefF der 1 Bericht- erstattung ber die Ergebnisse unsrer \^ersuc]ie dahin verstndigt , dass der- selbe eine mehr ])opulre Ik'arbeitung des Cxegenstands fr den allgemeinen praktischen Gebraucli geben Avird, ich selbst dagegen eine ausfhrlichere wissen- schaftliche Schilderung des Verhaltens der Trichinen bernahm, bei welcher namentlich auch der historische und der zoologische Theil eine grssere Be- rcksichtigung finden knnten. Diejenigen, Avelche eiuigermassen mit den Schwierigkeiten helmintholo- gischer Versuche vertraut sind, bei denen es gilt, das Schicksal winziger Wrm- chen in dem thierischen Gewebe und in dem oft so massenhaften Darnnnhalte zu verfolgen, werden keine zu grosse Summe positiver Ergebnisse unsrer Ex- perimente beanspruchen. Sie wissen, wie manche Stunde Arbeit in einem oft zAveifelhaft bejahenden oder verneinenden Aiisspruche verborgen ist; sie kennen die beschrnkte IJedeutung negativer Resultate und die Fehlenpiellen, welche die positiven Ergebnisse von Etterungsversucheu erschttern knnen. Wir kinien in dieser JJcziehung nur wnschen, dass die in meinen Tabellen niedergelegten Daten vielfach vermehrt und so weitere Grundlagen fr den noch lange nicht erreichten iVbschluss der Tricliinenfrage gewonnen werden. Indem ich so an die Nachfolger appcllire, konnnt es mir zu, von den Vorgngern zu reden. Dem Drange der Zeit entsprechend, sind in den letzten Jahren eine sehr grosse Anzahl von Arbeiten ber Trichinen verffentlicht worden. Viele unter denselben, theils auf Untersuchung einzelner Fragen gerichtet, theils von allgemeiner Bedeutung, sind ausgezeichnet. Wir brauchen in dieser JJeziehung nur an die Arbeiten von I^ktickart , Vtrciiow^, Zenker, RuppRECHT, Friedrkicii , FiEDLER, VoGEL , l)i:s.\ARD ZU erinnern, von denen, wie von vielen andern an verschiedenen Stellen s])ter mehr die Rede sein wird. Dem gegenber drfte es vielleicht befremden, dass ich nnch idcht begngte, die Ergebnisse unserer Untersuclunigen zu registriren, sondern auch ziemlich ausfhrlich dessen gedacht habe, was vorher von Andern entdeckt wor- den ist , obwohl solches schon mehrfach gesammelt wurde , und so ein Theil dieser Mittheilungen schon an andern Stellen \nid vielleicht besser gefunden werden kann. Pag e n s t ec h e r. Die Trichinen. 1 2 Einleitung. Ich hbe das gethan, um dem PuhUcum , fr welches diese Schrift bestimmt ist, in derselben das ganze lld dieses Gegenstandes niederzulegen. Es schien mir, es solle eine Arbeit, welche eine Art von (/ommissionsbericht ist und welclie als Abschluss von im Interesse der ffentlichen Belelu-ung ver- anlassten Versuchen betrachtet werden darf, so vollstndig sein, dass man aus ihr eine ^Vorstellung von dem ganzen vorliegenden Stoffe erhalten knne. Sie solle ausreichen, berall verstehen zu machen, um was es sich in den Einzelfragen handle, ohne weiter der frhern, usserst zerstreuten, den jNleisten an vielen Stellen kaum zugnglichen Literatur nachzugehn. Je tiefer ich in das Studium der einschlagenden Schriften eindrano-, um so mehr bin ich in diesem Gedanken bestrkt worden. Welche Massen- haftigkeit in der kurzen Spanne Zeit und welche Verschiedenheit ! Ich glaube, es vermehrt den Werth dieser Arbeit , ein Material , Avelches ausreicliend zu bersehen schon jetzt nicht geringe Schwierigkeiten bietet, in kritischer Ueber- sicht den Lesern zugngig gemacht zu haben. Es wrde brigens auch ] bedenken erregt haben, ohne eine punctweise Sichtung aus Grund der eignen Erf^ihrung, auf die jNIittheilungen der A^)rgn- ger liinzuweisen und die Besprechung von Einzelnheiton, Avelche fr mehr oder weniger abgemacht gelten, aus der eignen Behandlung Avegzulassen. Denn die Natur einer Sache, deren Kenntniss und Verstndniss noch so jung, so in der Entwicklung begriffen ist, bedingt es, dass in den altern ^littlieilungen, selbst in den besten und solchen, die im Allgemeinen eine hohe und dauernde Bedeutung haben, Irrthmer, sei es in den Princ-ipien der Auffassung, sei es in der Beobachtung der Thatsachen, mit untergelaufen sind. In dem grossen Haufen der Brochren erben solclie Irrthmer fort, es bildet sich ein Gewebe von ^Vahrheit und Irrtlium, ein Gemiscli des Neuen und des berwundenen Alten, eine kaum gengende, niclit sichere (irundlage fr die in diesem Ealle so dringend wnschenswerthe Belehrung. Einige Schriften aber, welche aus einem Wste gemischten, unverstaiulenen, aus drit- ter Hand genommenen Materials vielfach irrige und widersprechende Behaup- tungen oft nicht ohne Anmassung erschliessen, haben der richtigen Auffassung dieses Gegenstandes im Volke, bei den Aerzten mid den liehrden viel ernst- lichere Schwierigkeiten bereitet; sie sind wahrhaft gemeingefhrlich, hnlich der Seuche, von welclier sie handeln. Ich bin bemht gOAvesen , solche Spreu auszuscheiden ; viel fter aber als derartige Pflicht ist mir die Ereude gCAVorden, dun-h unsere Beobachtungen die Entdeckungen, welche vor uns zahlreiche und treft'liclie Gelehrte gemacht haben, besttigen zu knnen. Er deren Skizzirung habe ich den ersten Ab- schnitt dieser Schrift bestimmt; manches nicht gerade Wesentliche ist dabei mit guter Absicht weggelassen Avorden , Einiges uns unzugnglich und Avohl auch, besonders aus der letzten Zeit Avhrend der Abfassung dieses Berichtes, noch unbekannt geblieben. Trotzdem Avird dieser erste Abschnitt aiisreichend die brigen Theile einleiten , Avelche die Versuche , die zoologischen imd ])]iysio- logischen ^\'rhltnisse und die jNlittel zur Abhlfe enthalten sollen. Heidelberg, im Uecember 1864. P^igeustcelier. V-^]C/./ ^ Die Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. Der Verlauf, welchen unsre Kenntniss der Trichinen in der Geschichte genommen liat , lsst es fJeeignet erscheinen , den historisch-kritischen Theil dieser Arbeit in drei Abschnitte zu zerfallen. Tn der frhsten Periode haben Avir es im Wesentlichen zu thun mit der ersten Entdeckumn' und dem mehr gelegentlichen Wiederfinden der Tri- chinen in den Muskeln zur Section gekommener menschlicher Leichen. Man schrieb diesen Thieren keinerlei Einfiuss auf die Gesundheitsverhltnisse zu. Die Bauverhltnisse wurden mehr und mehr erforscht, die Frage der Entstehung nur theoretisch behandelt. Zu den Beobachtungen des Vorkommens solcher Parasiten bei Menschen gesellten sich nur seltne Flle gleichen Befundes bei Thieren. In dem zw^eiten krzern Zeitabschnitte handelte es sich um die Lsung des Rthsels ber die Abkunft und den Entwicklungsgang der Trichinen, vor- erst aus zoologischen und physiologischen Grnden und in Parallele mit an- dern helminthologi sehen Versuchen. Nach mehrfachen Irrwegen sehen wir diese Frage glcklich durch die Entdeckung der Darmtrichinen und ihrer gene- tischen Beziehung zu den Muskeltrichinen gelst. Fast gleichzeitig mit diesem Abschlsse wurde es pltzlich klar, dass die winzigen, so unschdlich erachteten Wrmer einen der gefhrlichsten Schma- rotzer der Menschen darstellen und von der Erkenntniss dieser hhern medici- nisch-praktischen Bedeutung an knnen wir einen dritten bewegtem Geschichts- abschnitt rechnen. Schlag auf Schlag kamen nun die Mittheilungen ber ein- zelne Krankheitsflle und ausgedehnte Epidemieen; an die Schilderungen der Krankheitserscheinungen reihten sich sorgsame Nachforschungen ber die Aeti- ologie der Flle, mit den Versuchen Heilmittel fr die Erkrankten zu finden verbanden sich die l)emhungen, geeignete Maassregeln aufzustellen, um vor- sorglich die Gesellschaft vor der neuerkannten, nicht neuen Seuche zu bewahi'en. Diese drei Perioden re])rsentiren also nach ihrem Inhalte wesentliche EntAvicklungsstufen der Trichinenfrage. Es ist jedoch natrlich, dass dieselben zeitlich nicht absolut von einander geschieden sind, dass vielmehr die den frhern Abschnitten Aorliegenden Puncte in den sptem eine Aveiterc Entwick- lung erfahren konnten. So erhielten namentlich in der letzten Periode die Untersuchung'en ber die LebensAveise der Trichinen und ber ihren Bau durch 1* 4 Die GesrJiirJtte der Kefiiifniss von den Trichinen. die erhhte Bedeutung des Gegenstandes einen neuen Ansporn und wesentliche Vollendung. Manches, was aus der Lehensgeschichte der Trichinen in l>etreff der fr den Menschen und andere Tliiere aus ihnen erwachsenden Gefahr von J^edeu- tung sein wrde, harrt auch jetzt noch der Erledigung. I. Als der lteste, mit AVahrscheinlichkeit auf Trichinen zu deutende, ana- tomische liefund ist von Henle ' eine Notiz Tieemann's^ angefhrt worden. Man fand in Ileidelherg hei einem Trinker, Avelcher nach licftigen Gicht- anfllen au 1 )rustwassersucht starh , in den meisten Muskeln zAvischen den Bndeln im ZellgCAvehe und auch an den Arterienwnden Aveisse steinige C'on- cretioneu. Dieselben ergaben hei chemischer Untersuchung durch Gme]>in 7 "/n kohlensauren, 73% phosphorsauren Kalkes und 20 7o einer organischen, dem Eiweiss verwandten Materie. Diese Mittheilung also wurde von HeisLE, als er s]iter Trichinenkapseln fand, auf solche bezogen und ist nach ihm in gleicher 13eutung von Dip:sing-', Kchenmeister ' vuul Davaine'' aufgenommen Avorden, von FiEucKART'' aber wegen der angegebenen Grsse der Concretionen von 2 bis 4" und des Sitzes derselben zurckgewiesen worden. Es ist aller- dings bisher nie beobachtet AVorden , dass die nicht den zehnten Theil jener Grsse messenden Trichinenkapseln spter als Stellen fr ber ihr eignes jNIaass hinausgehende Ablagerungen gichtischer Natur dienen, und es ist solches auch nicht Avahrscheinlich. Wenn A\ir brigens sehen, Avie oft bei solchen Maass- angaben sich Trrtlimcr in die .Vrbeiten ber Trichinen eingesclilichen haben", Averden Avir vielleicht auf dieselben keinen sehr grossen Werth legen, um so Aveniger, als die Notiz sehr flchtig und ihr C'liarakter Avesentlich ein physio- logisch-chemischer ist. Aber das scheint uns entsclieidend zu sein, dass als spter Bisckoff'' in Heidelberg einen Trichinenfall in Ileidielberg bearbeitete, trotz des nahen "\>rliltnisses ZAvischen ihm und Tiedemann, von einem frhern etAvaigen Falle auch nicht mit einem ^yorte die Rede Avar. Unsre Hoffnung, durch Untersuchung in hiesiger anatomischer Sammlung aufbeAvahrtcr Prpa- rate eine Aveitere Entscheidung ber diesen Punct beibringen zu knnen, Avurde getuscht; es liat sich nichts der Art auffinden lassen. Weiterhin hat Klencke'' behauptet, die Trichinen schon im Jahre IS 29 1) MLLER's Archiv f. Anatomie u. Physiologie. Isii. p. 2S. 2) Froriep's Notizen. I. p. 64. I>kuckakt liat irrthmlich dieses Citat fr falsch erklrt. (Untersuchungen ber Trichinen. ]). 2). 3) Systenja helminthum. \<^\. ]). 111. 4; Parasiten. Isj. I. p. 2U. 5) Traite des entozoaires. ISd. <)) Untersuchungen ber Trichinen, p. 2. 7) So beispielsweise bei ViRCHOAv (Archiv XVIII. p. .Hf)) : die Trichinen seien im Darm in vier Wochen ber vier Linien gross geworden: bei Vogel (Trichinenkrankheit lS(i4. p. S) : die aus den Kajjseln ausfallenden Trichinen seien etwa '/,o ^^^1 lang, jene Angabe um eben so viel zu gross, als diese zu klein. 8) Heidelberger medizinische Annalen VI. p. Ti'l und 4S5. 9) Klexcke, Die Trichinen lSti4. Derselbe, Ueber die Contagiositt der Eingeweide- wrmer 1S44. Die Geschichte der Kcimtniss von den Trichinen. 5 gezeichnet und 1S31 iiocli einmal ij^esclin zu haben. Diese nachtrf^liehe Aus- sage ermangelt jeder weitern IJesttigung. Auch sind schon vor zwanzig Jah- ren die Unzuverliissigkeiten , Unrichtigkeiten und Selhsttuschmigen in den helminthologischen Arbeiten Kj.encke's mehrfach charakterisirt worden. ' Da dieser Verfasser auch noch jetzt nach so vielen treiflicheu Mittheilungen Andrer ber die Trichinen und nach angel)licher ZAvanzigjhriger Beschftigung mit dem Gegenstande noch immer keine richtige Vorstellung vom liau und der Lebensweise dieser Wrmer hat, sie vielmehr immer noch mit andern Kajusel- wrmern zusammenwirft, so knnen ilim unmglich l'riorittsansprche zuer- kannt werden. Es darf also wohl unbedingt Hilton als der Entdecker der Trichinen gelten. Dieser Arzt am Guy-IIospital in London fand IS 3 2 die kleinen Kapseln, in welchen die IMuskeltrichinen nach einiger Zeit eingeschlossen zu sein pflegen, in den ]^rustmuskeln eines an Krebs gestorbenen Kranken, er hielt jedoch die Kapselchen selbst fr sehr kleine JJlasenwrmer, und erkannte den in ihnen versteckten Rundwurm nicht.'-^ Schon im Jahre IS35 konnte Hilton an Bkll die Mittheilung machen, dass in der Saison 1834/35 im selben Krankenhause drei weitre Flle vorgekommen seien. Unterdessen starb ebenfalls in London, aber im liartholomew-Hospital am 29. Januar 1835 der Italiener Paolo Bianchi. Derselbe hatte an Oedem mit Ei- weiss im Harn und grosser Leber gelitten \ind es ergab die Section BRiGHx'sche Nierenentartung und Limgentuberculose. Im Trparirsaale fand Paget, damals ein fleissiger Student, die Mtiskeln der I^eiehc voll von Fleckchen, an welcher sein Messer rasch stumpf wurde. Er erkannte in ihnen Kapseln, vermuthete En- tozoen in denselben und fand bei genauerer Prfung mit Hlfe von Brown und John Pennett am britischen Museum wirklicli die nun so berchtigten Wrmer. Der Demonstrator der Anatomie Wormald, welcher schon oft solche Flecken gesehen zu haben sich erinnerte, hatte von dem Muskelfleische an Richard Owen, damals Hlfsconservator am College of surgeons gegeben. Vierzehn Tage spter starl) gleichfalls in P>artholomew-Hospital eine Irlnderin infolge eines GeschAvrs unter dem Knie mit Plosslegung des Knochens, in deren Leiche man dieselben Kapseln fand, sogar verbreitet bis in den muscu- h(s tensor fympani. Die mit diesem Materiale vervollstndigten Untersuchungen verfi*entlichte nun Owen. ' So wurde dieser spter so bekannt gewordene Gelehrte, nachdem ohne Zweifel Hilton die Kapseln, Paget den Wurm in denselben entdeckt hatte, der erste I^ieschreiber dieses Thieres. Dasselbe er- hielt von ihm wegen seiner Feinheit und der Art der Aufrollung in der Kap- sel den Namen Trichiiia 8|iii'ali8. Aus der IJeschreibung ersehn wir, dass die Cysten nur selten erdig wa- ren, dann aber dem jNIesser Aviderstanden und griesartig zersprangen. Owen 1) Kritiken von V. SiEBOLD (Wiegmann's Archiv 1S4-). II. Jahresbericht fr 1843 und 1844), sowie von Henle und Bischfe (Canstatt's Jahresbericht und Mller's Archiv) und von Martini (Naturgeschichte der fr die Hellkunde wichtigen Thiere 1854. p. 515). 2) London medical gazette 1833. II. Febr. ()(I5. 3) London and Edinbourgh philosophical magazine 1835, (3. p. 452 vom 24. Febr. 1835. Danach ausfhrlicher in Transactions of the Zooh)gical society of liOndon. I. p. 315, wovon Auszug in Isis' 1837. p. 23(>. 6 Die Geschirhtr ihr Kenntniss ro/i den Trichinen. erklrte sip fr aus mehreren Lamellen bestehend und Avenn er Aveiterhin he- sondern A^'cvth darauf legte , dass die Cysten einfach seien , so hatte das nur die Hedeutung, dass hier nicht wie bei Cysticerken, fr welche ja Hilton die Gebilde angesehn hatte, von einer additionellen Kapsel eine eigne Blase des Wurms gesondert Averden knne, dass A'ielmehr der Wurm keinen Zusammen- hang mit der Hlle besitze. In diesem Sinne brauchte spter, als die Trichine nicht mehr fr einen BlaseuAvurm angesehn Averden konnte, die Frage \'on der Zusammensetzung der Kapsel nicht mehr untersucht zu Averden und es knnen Owen's Ansichten ber Einfachheit der Kapsel nicht mit den s]>tern gleich- lautenden in Parallele kommen. Die Hlle nennt 0\\'EN M:omposed of the cellular tiuhstanee of the hodxj infrsfed . morbidly alfered hy the irriiation of the worniv. Wenn die Kapsel A'er- kalkt Avar, so zeigte sich der Wurm zerstrt. INIanchmal fand Owen zAvei, Farre, AA^elcher schon diesen Untersuchungen l)eiAvohnte , sogar drei Wrmer in einer Kapsel. Die Thierchen selbst nannte Owen sehr zerbrechlich ; die Haut umschliesse nur ein feinkrniges Parenchym, zeige aber beim Trocknen Querrunzeln und ein oder ZAvei Lngslinien. Wohl unter dem Einflsse der Epoche machenden neuen Theorieen Ehrenberg's suchte er A^ergeblich nach Polygastrie, d. h. also nach einem Verdamnigsapparat und Avusste nicht recht, ob er das neue Ge- schlecht lieber unter die vers parenchymatenx CuAaER's, da doch KopfbeAvaff'nung und ScliAvanzblase fehlten , oder lieber zu den Filarien, oder endlich zu den Vibrionen setzen sollte. Auch spter, als Owen' schon fnfzehn Flle gesehn hatte und seit Jah- ren die Untersuchungen a-ou Farre kannte, blieb er noch geneigt, die Trichine in die Gruppe der Infusorien unter den Vibrioniden zu lassen, von denen er doch schon die Gattung Angidllula Avegen der grssern Aehnlichkeit mit An- caris und Ojcyuris ablsen Avollte. Kleine ]>lschen, durchsichtig und ohne Aveitre Structur, Avelchc den Mus- keln anhingen, hielt Oaven fr Trichinenkeime. Sie massen Vgoo" und wird das Avohl die erste Beobachtung der Fettblschenansammlung um die Trichinen- kapseln sein, deren fast alle P)eobachter der zufllig bei Sectionen gefundenen Trichinen gedenken. Wiederholt hob Oaven liervor, dass diese Parasiten gar keine Krankheitserscheinungen, sondern nur SchAvche hervorriefen, glaubte aber auch in einem von Ourling mitgetheilten Falle den BcAveis ge- geben, dass ihre EntAvicklung nicht von einer vorausgegangenen SchAvchung der Gesundheit abhngig sei. Dieser ZAveite Punct, von Wichtigkeit, so lange man noch die Entstelunig der Wrmer Dyskrasieen und SchAvchezustnden zuschriel). bedarf heute keiner Aveitern Besprechung. Was aber den ersten betrifft, so knnen Avir nachtrglich ganz gut aus den Be- schreibungen der frhern P)eobachtungen beim Menschen erkennen, dass die- selben vielleicht mit Ausnahme eines von AVood- mitgetheilten Falles smmt- o r TODD, Cyclopaedia of anatoniy and physiology vol. II. isii'.t: OwKN, Entozoa. p. IK^: Trichina spiralis. Hier ncniil sic]i WKX als l^ntdcckur und verschweigt Tagex ganz. 2) London medical gazette. June 1S;{.5. Auszug in Froriep's N. Notizen 45. Nr. 97H. Ueber diesen und die andern Flle aus I.ond. med. gaz. berichtet auch: BeurexT), Reperto- riuni der nied.-chir. Litlerat>ir des Auslandes. I. ls;;(;. p. I2it. Die Geschichte der Koinfniss von den Trichinen. 7 lieh alte ahgelaiifno Tricliinen erkrank un gen betrafen. Man hatte keine Ahnung davon, dass die Einwanderung in die M\iskeln und das lleran- Avaehsen der Trichinen selnvere Erscheinungen hervorrufen knnten, whrend spter ihre GegeuAvart keine veranlasse, lieber die Symptomlosigkeit dieser Residuen der Trichinenerkrankung denken -wir aucli jet/t nicht anders, nach Krankheitserscheiiiungen in der Vergangenheit zu forschen, daran dachte man damals noch nicht. Owen meint, obwohl ihm die Mglichkeit einer Tuschung durch Er- scheinungen der Endosmose vorschwebte, dass wenigstens im ersten Falle die Trichinen gelebt htten und dass sie , wenngleich trge, noch nach vierzehn Tagen sich zu bewegen vermochten. Eine lalichkeit der Vermehrung der Tarasiten dachte sich Owkn so, dass nach Ablsung eines Keimes oder nach spontaner Theilung einer Trichine unter adhsiver Entzndung eine Verwachsung der Wnde der C'yste an einer eino-eschnrten Stelle eintrete und endlich durch Abschnrung eine neue Cyste neben der alten entstehe. Ein noch im selben Jalire von Owen ' angefhrter Fall scheint eine seit noch lnaerer Zeit abgelaufene Erkrankung zinn (i runde gehabt zu haben. Derselbe betraf ebenfalls eine Leiche des JJartholomew-Hospital und es waren die Kapseln so verkalkt, dass man die Gegenwart der Trichinen in denselben nicht Avrde geahnt liaben und so die Erklrung liatte, weshalb HiltiN erst nur die Kapseln, nicht aber die Trichinen gesehn. Dennoch Avaren die Wrmer sehr lebhaft und gaben Farre"- Gelegenheit zu Untersuchungen , welche die von Owen an Cienauigkeit weit liertrafen, und von Abbildungen vermittelst der Camera lucida begleitet Avaren. Aller- dings wurde vorn und hinten verAvechselt und iNlinid und After noch nicht erkannt. Unterschieden Avurden jedoch die einzelnen Abschnitte des Darm- canals, eine Linie kleiner l'uncte nahe der Oberflche gCAviss nicht das Ner- vensystem, Avie mau spter deutete, Avahrscheinlic-h aber das Muskelband und luihe dem fr das Vorderende gehaltnen Ilinterende ein dunkler Krnerhaufen oder Fleck. Farre fand den letztern zuAveilen nicht und da er einigemal dem einen v^on zAvei in derselben Kapsel eingeschlossnen Thieren fehlte , so schien ihm das fr seine Vermuthung zu sprechen, dass hier das Ovarium zu suchen und somit eine Gesclilechtsdifferenz charakterisirt sei. Farre fand die Wr- mer besonders im m. pectoralis und latissimus dornt. Es ist dagegen nach den Krankheitserscheiimngen zu vermuthen , dass der schon oben angefhrte , im October von H. Wood in liristol beschriebne Fall ein frischer gCAvesen sei mul er htte auf die Symptome der Trichinen- erkrankung aufmerksam maclien knnen. Der sehr heftige Muskelschmerz Avurde fr Eheumatismus gehalten und da bei der Section Pneumonie uiul Herz- beutelentzndung uachgeAviesen Avurden, Avar man zufrieden , die Vermuthung, dass die Aftcction eine entzndliche sei, besttigt und die verordnete Behand- lung durch Aderlsse gerechtfertigt zu finden. Da der vermeintliche Beginn der Krankheit drei Wochen vor dem Tode datirte , so konnten die Wrmer 1) Novembei' 1S35. Transactiuns f the Zoological Society. 1. Appendix 323. 2) London med. gazette. Dezember 1835. Auszug in Froriep's N. Notizen 48. Nr. 1035, nebst einer Copie der Abbildungen. / , ^, 8 Die Gefichirhte der Kennfniss von den Trichinen. schon ganz das Ansehn der Trichina spiralis Owen's haben und so erklrte auch Wood sie nach liinlngHcli genauer Untersuchung fr dieselben. Dass der lieobachter die C'ysten vergebens gesucht habe, Avie Leuckart meinte, geht doch niclit aus der angefhrten >Stelle hervor. ' In das Jaln- 1835 fallen weiter noch sechs Flle von Harrison-, der Owen in Betreff der Natur dieser Cysten beistimmte und den Gegenstand auf der grossen jhrlichen britisclien Versammlung in Dublin vorbrachte. Neben der Trichinenerkrankun<>- fand Harrison einmal Leberhvdatiden , sonst stets Complication mit alter oder neuer Scrophulose , dreimal hochgradige Lungen- tubercidose, einmal Caries der Lendenwirbel. Man legte eben noch besondern Werth auf die Complicationen, da man es nocli nicht entschieden erachten konnte, wie weit in ihnen 1 Bedingungen und AVirkungen der Trichinenerkran- kung v.w suchen seien. Harrison fand die Trichinen zuerst auch im Herzen; er meinte, sie sssen mehr auf der Oberflche der Muskeln , eher im J>inde- gewebe als in den Hndeichen selbst. Zwei Flle von (UiRLiN(i ' hingegen hatten mit solchen oder andern dys- krasischen Affectionen niclits zu thun. Die Trichinen wurden das eine Mal bei einem Manne, der an einem Schdelbruche starb und vorher weder allge- meine noch rtliche Ik'sch werden gehabt hatte, in den mit dem Kehlkopfe verbundenen und den Nackenmuskeln, das andre Mal im Z^verchfell gefmiden, nachdem der Tod durch Aneurisma der aorta descendens erfolgt war. Es mgen vielleicht in beiden Fllen nur partielle Muskeluntersuchungen stattgefunden liaben . Aus Schottland finden Avir um jene Zeit einen Fall von Knox in Edin- burgh erwhnt. Die Trichinen sassen bei einer sehr gefrssigen und unrein- lichen Person von (if) Jahren angeblich im Zellgewebe um die Muskeln und zwischen den Muskelbndelcheu der freiwilligen Musculatur, in melir zerstreu- ter Weise. Knox sah die Afterflhung , hielt sie aber fr den Mund , ferner den \ erdaiuingscanal mit den )^raecavi Farre's. Die C'yste schien ihm ein y>essenh'al and consfitiiaNl /xirf of tJic animaU'^. Knox erwhnte, dass sie damals schon in Frankreich beobachtet worden seien. Es Avird Avohl derselbe Fall hier gemeint sein, dessen Cruveilhier "' gedacht liat. Ein zweiter Fall von Knox" folgte 1S39 und auf Aufforderung vtni Knox gab auch Lizars an, sie gefunden zu haben. Er nannte die Trichine in Owen's Sinn Vihrio htimana. Diese Reihe von befunden erregte ein nicht geringes Aufsehn und die Uericlite ber das interessante neue Thier gingen aus den englischen Zeit- schriften in alle wissenschaftlichen Bltter ber. Das Interesse Avar jedoch vor- 1) I.ErciCAKT, Unt('rsiK'lumf>fn ber Trichina njiirii/is. p. .55 : My manipiilation was not sufficiently skilt'ul for tlio disscction of the cysti. Das rij^inal war uns nicht zugnglich. 2) London and Edinbourgh phil. magazinc 7, is;i5. p. 5()() , und nach Bischoff und Besnahi) auch in l)ul)lin Journal iSlio. Nr. 22. "{; J. Bl.I/.AUi) Cuiu.lNd. i.ond. med. gaz. ISIM;. Febr. lii. Auszug in d. Zeltsehr. f. d. gesammte Medizin v. l)n;FFKNBACU, Fricke u. Oppenlieim IL 183(1. p. iOO. 4) Edinb. med. and surgical Journal ls:{(). vol. Ki. p. 89. 5) Traite d'anatomie patholog. generale IL j). U. Citat nach VniCiiow. iV Lond. med. gaz .184:5. Sept. p. 805. FiiomKi-'s N. Not. Nr. 627. p. 1(58. Wdxjmann's Archiv: v. Siebold, Bericht ber die Fortschritte in der Helminthologie in 184a und 1844. 7)/r Gcscli'irlih' dci' Kcmihms rou doi Trichinen. 9 zglich ein ])liysi()l<)gis('lies , von einem ])iitli()l()gis(lien konnte noch keine Rede sein. 80 maclite demi auch IIkm,k' die Entdeckung von Paget und Owen 18:^5 in Mller's Archiv bekannt. Derselbe, zu jener Zeit Frosector in Ber- lin erinnerte sich dabei, im Winter 1884/35 hnliche weisse Flecken in den Muskeln nur an Hrust und ITids zweier sehr abgemagerter liCichen gefunden zu haben. Kr hatte sie diuiials nur fVir Ooncretionen angesehn, jedoch Pr- parate davon in der Sammlung der Oharite aufgestellt und entdeckte nun bei nachtrglicher I'^ntersuchung die Wiuiner in den (Cysten noch erhalten. So konnte Henle sich mit zAvei Fllen fr die Auffindung der Kapseln Hilton zunchst anreihen. Im Jahre l&3(i fand in England noch Hodgkin- die Trichinen angeblich auch in den Sehnen, und im nchsten Jahre Crosse ', der ihre Zahl in einem Muskelstckchen von einem Quadratzoll auf ein bis zweitausend schtzte. AYenn demnach im Jahre 183(> Owen in einem Briefe an Hureaud Rio- frey schon vierzehn Flle mittheilen konnte , so zeigt die kurze Spanne Zeit von der ersten Entdeckung bis zum Schluss der dreissiger Jahre deren bereits 24, nmlich Guy Hospital 4 l^artholomew Hospital 3 Woon 1 Harrison im Ei zwischen Wurm und UmliUuno-. In der innerhalb derselben den Wurm umgebenden Flssigkeit fand Luschka staubfrmige Krnchen und runde oder elliptische Kr- perchen von 0,OOS mm. Lnge mit sehr deutlichen Kernen. Bei den zuweilen gefundnen leeren Cysten glaubte er an eine Eildungshemmung , bei welcher der W\irm im Embryonenzustand zu Grund ging und nur die Kapsel ent- wickelt wurde. Die Wrmer , die wieder bis zum Faulen der Muskeln vier- zehn Tage am Leben blieben, starben auch durch das Ciefrieren nicht. Luschka bezeichnete zuerst mit Festinnntheit das spitzere Ende des Wurms als den Kopftheil , und zeichnete als aus dem Munde zuAveilen vor- tretend ein kleines Krnchen unter dem Namen einer gestielten Papille. Er sah den Oesophagus, ohne ber dessen sackartige Ausbuchtungen in's Klare zu kommen. Er Avar sogar geneigt, durch den oft tuschenden Anblick ver- fhrt, in dieser Umhllung des Oesophagus ein mit dem Nahrungscanal innig verwachsnes Ovar zu sehn. Der weitere Verlauf des Darmcanals ist von ihm sehr gut gezeichnet und beschrieben worden, sogar das feinere Epithel im Enddarm. Farrp:'s Krnerhaufen fand Luschka fast immer, sah in ihm den Hoden und in dem Schlauche, in welchem er lag, den ganzen mnnlichen Apparat. Er hielt es endlich fr unzweifelhaft, dass bei der Trichina alle Eingeweideschluche frei in die Krperhhle mndeten und erst durch Oeff- nung dreier besondrer Klappen am Hinterende ihr Inhalt entleert werde. ' An der abgestreiften Flaut sah Luschka die Einglung. Obwohl im Allgemei- nen die Wrmer lebten, fand man doch in einigen Kapseln nur glasartige Fragmente, Ueberreste der Haut zerfallner ^V'rmer. Luschka hatte im Allgemeinen, wenn auch einige starke Irrthmer unter- liefen, die Kenntniss des IJaues der Trichinen wesentlich gefrdert. Er glaubte wohl durch Auffinden so hoher Organisation die Theorie v. Sikholu's, dass die Trichine ein verirrter Nematode sei, vernichtet zu haben. Einige jMittheilungen besonders ber die Verhltnisse der Cyste gaben anknpfend an einen Fund Gairdner's noch Sakers und Kirk. ^ Nach ihnen befindet sich um die dem Wurme angehrige Cyste eine ussre fasrige Hlle. Die (Jyste selbst besteht aus einer Lage weisser homogener Substanz, die sich bei Salzsurezusatz schichtet, und der inncrn runden Kapsel. Es ist w^ohl mglich, dass die grobe Schichtung, welche meist die altern Abbildungen zeigen, auf dieser Einwirkung der zur Klrung gebrauchten Sure beruht. Zuletzt mssen wir hier der Arbeit von I>ristowe und Rainey'* gedenken, die uns jedoch, wie die vorige, nur aus Auszgen bekannt geworden. Die- selben fanden zuerst die AnalfFnung des Wuvms, sahen ihn sich stets nach der- selben Seite wieder einrollen, beschrieben genauer den eigenthmlichen l>au 1) Es sind damit mnnliche und weibliche Geschlechtsfi'nung und der After gemeint; nicht aber hielt, wie I.EUCKAKT meint, Bischoff den Mund fr fehlend, da er oben von dem- selben spricht. 2) Monthly Journal of medical science. May 1S53. XVI. p. 473, nach Kchenmeister: Parasiten I. p. 257, auch nach Davaine : Traite, und Vnicnow: Darstellung der Lehre von den Trichinen. 3) Transactions of the pathological society of London 1S54. vol. V. p. 277. ViRCHOW, Archiv XVIII. p. 33(1. Davaine, Traite des Entozoaires ISOO. p. (;77. 16 Die Geschichte der Kenntmss ron de)} Trichinen. der Oesophagealumlilluiio und erklrten den Ijngsstreifen, den Luschka fr ein Gefss angesehn, flir ein musculses Lngshand. Sie glaubten zuweilen eine Verbindung des (Teschlechtsschlauches im hintern Abschnitte des Wurms mit dem After zu sehn. Der Kornchenhaufen Farre's wurde als eine Ablagerung von unbekannter l^edentung im Innern des rudimentren Genitalschlauches bezeichnet. Die Autoren fanden kein Auf- brausen bei Surenzusatz, was Davai>e auf die geringe Menge von Kolilen- sure schob, die sich, ohne sichtbar zu werden, in der Flssigkeit lse; sie meinten , der Kalkgehalt stehe nicht im Verhltniss zum Alter des Wurms ; dieser gehe schliesslich unter und zerfalle in Fragmente. Ebenso wie TiUSCHKA u. A. fanden sie Fettansammlungen um die Cysten. Diese Arbeit scheint vor allen altern durch eine richtige Auffassung der Verliltnisse ausgezeichnet zu sein. IL Neben solchen Mittheilungen ber das Vorkommen und den Bau der Muskeltrichinen hatte unterdessen schon eine andre Reihe von Mittheilungen begonnen und den Anfang dieses zweiten Zeitabschnitts charakterisirt, einer Uebergangsperiode , in welcher man auf verschiednen Wegen dem Rthsel nachforschte, welches noch ber Herkunft und weitern Schicksalen der Trichi- nen schwebte. Die Motive zu den Irrthmern , in welche man anfnglich dabei verfiel, lagen zum Theil in dem Entwicklungsgange der Helminthologie und den fr andre Gruppen der Eingeweidewrmer gemachten Erfahrungen, welche man zu sehr in bestimmter AVeise auch auf die Entwicklung der Trichinen bertragen zu knnen vermeinte ; zum Theil in der Vermengung- der TricMna sjnralis mit andern Kapsehvrmern. Aus den immerhin unsichern Ergebnissen , welche man , aus usserer Aehnlichkeit schliessend, fr die genetische Verbindung gewisser geschlecht- licher und geschlechtsunreifer Helminthenformen gewonnen hatte, w^ar man durch die schnen Ftterungsversuchc Ki'rcHENMEiSTER's ' zuerst auf dem Wege des Experiments zunchst wenigstens fr die in den thierischen GcAveben woh- nenden niasenbandwrmer zur Gewissheit gekommen , dass sie erst indem sie in die Drme gewisser andrer Thiere gelangen, die Vollendung ihres Wachs- thums und ihrer Entwicklung durchzumachen im Stande sind. In der Theorie "wenigstens, wenn auch noch lange nicht flir alle Einzelfalle, kamen so Fragen zum Abschluss , die schon seit mehr als sechszig Jahren die bedeutendsten Zoologen beschftigten. Man hatte hiermit zwei l'rincipien fr weitre Untersuchungen auf diesem Felde gewonnen; einmal unter den geschlechtsreifen AVrmern sich nach sol- chen umzusehn , Avelche den vermeintlich unreifen zunchst hneln, zweitens aber, zu versuchen, ob durch Verfttern der unreifen Formen die reifen erzielt werden knnten. Ohne einen Anhalt aus der Aehnlichkeit zu haben, ist natrlich die Aus- Avahl, an welchem Thiere der Ftterungsversuch zu Erzielung eines Darm- 1) lieber die Metamorphose der Bandwrmer in Finnen. Prager Vierteljahrssehr. 1852. Die GcsrJiicJi/c (Je)' J\<')/iifii!ss ro)i den Triehineti. 17 helnnuthen ;uis dcv umeifeu Form gemacht worden soll, sehr unsicher, da die lueisteu Eiu<>ewei(lc\vriuer in IJetrefF der von ihnen Lewolmten Wirthe ein selir enges Gebiet haben. 80 entstand denn auch fr die Trichine das Suchen nach s(dchen Aehnlichkeiten. l''iir den Yersiich selbst aber erscliien niaass- gebend, was man bei den lilasenbandwrmern erkannt hatte: dass /wischen den beiden Wirthen, dem des unreifen Wurms in den Geweben und dem des reiten im Darm, ein <>ewisses Wechselverhltniss bestand, so nmlich, dass in der Regel der letztere fr seine Ernhrung in (U^r Art auf (hm ersten ange- wiesen war, dass er hutig in den Fall kam, denselben sammt seinen lUasen- wrmern und Finnen zu verspeisen. Dazu mussten denn die Wirthe letzterer Art im Allgemeinen Fleischfresser oder Omnivoren sein. Aus diesem Grunde lsst es sich leicht begreifen, dass man anfnglich auch fr die Trichinen- experimente sich Fleischfresser whlte, welche doch, wie wir jetzt wissen, nur znm Theil gnstige Bedingungen darbieten. Den Anfang machten die Versuche von Hekjist ' , die allerdings leider an einem grossen Mangel gelitten haben, dadurch dass derselbe sich nicht ganz klar darber geAvorden ist, eine wie grosse Hedeutimg in solchem Falle die genaue Artbestinnnnng der Thierchen hat, ber Avelche man Versuche machen Avill. Es spricht sich das sofort in seinen eignen Worten ans , er habe drei Arten von TricJii/ni si)ir(t]i6 gefundene. Die erste Avar die im Jahre IS-I.") von der Katze , Avelche oben erwhnt w urde , und wohl trotz der etAvas zu hoch angegebnen Grsse des Wurms fr die Avalire T. .sjj/ralit> angesehn Averden darf. Mit dieser Art Avurde nun vergeblich experimentirt, indem die Wrmer durch eine Hautwunde in das Fleisch einer andern Katze bertragen Avurden. Es lag dabei deutlich der ltere Gedanke zu Grunde , dass die Trichine sich in den Muskeln vermehre. Die zAveite, grssere Art fand 1Ikr)5S1' bald darauf bei >S/ri.r pasf-ri/ui im Mesenterium, und eine dritte, jioch kleiner als die erste und awch mit kleinern Cysten, beim Flunde in den Muskeln Avhrend des Sommers 1S4S. Mit dem Fleische dieses Hundes, sowie mit dem andrer Thiere, Avelche zu den Untersuchungen gedient hatten , wurde ein Dachs ge- fttert, Avelcher, nachdem er anderthalb Jahre in der Gefangenschaft gelebt hatte, IS starb. Demnach konnte dieser Dachs nicht von der trichinige! Katze gefressen haben, Avas 1)aaaine~ vermuthet. Im Dachs fanden sich r.un Ti-ichinenkapseln von (,II(J"' Lnge und n,l"' IJreite. Mit dem trichinigen Fleische des Dachses Avurden drei junge Hunde ge- fttert und ZAvei nach etwa sieben Wochen untersucht. Sie fanden sich trichi- nig, die Cysten Averden als 0,1 :');*)'" lang und 0, OTT)'" breit angegeben, so dass ihr Inhalt eher noch geringer gewesen sein nniss, als der der Cysten vom Dachse. An einem der drei Thiere Avurden die Trichinen bei Lebzeiten durch lUosslegen der Muskeln nachgCAviesen, die erste beim Lebenden vorgenonuBcne "< ^Nluskelprobe. Die Lebenszhigkeit der Trichinen Avurde hervorgehoben nml meinte Herhst, die Eier mssten durch das F)lut zugefhrt ANorden sein, ^'on dem dritten Hunde, der damals noch berlebte, erfahren Avir spter nichts wieder. 1) Nachrichten v. d. Georg -August -Universitt zu Gttingen. ])ec. 2il. Is.".!. Nr. 19. ]). 200. Mittheibmg v. 25. November. 2) Gazette medicale 1SG3. XVIII. p. 17 4. Pafje liste L- h er, Die Tricliiiiea. ^ 18 Die Geschichte der Kenntniss von den Trichinot. Nach den Erfahrunoen , die man seitdem mit dem lliinde f^emacht bat, stellt es mit seiner Empfnglichkeit fr Infection mit der Trichine des INIen- schen nicht gerade sehr gut, doch ist die ebertragung der Embryonen in die Muskeln mglich. Es hat, wie es scheint, noch Niemand wieder Ge- legenheit gehabt zu prfen , ob beim Dachse die echte Trichina spiralis vor- komme oder ob fr einen nahe verwandten RundA\urm ein gleiches Wechsel- verhltniss zwischen Dachs und Hund oder auch fr Dachse unter einander und Hunde unter einander bestehe, Avelches diesen wenigstens vom Dachs auf die Hunde, vielleicht auch schon frher vom Hund auf den Dachs geglckten Versuch erklren , aber auf eine andre Trichinenart liinAveisen mchte. Wir knnen bei der Unsicherheit der Artunterscheidung auf die l>erichte von Herbst hin allein weder mit l^estimmtheit sagen, dass die Trichina spiralis beim Daclis in den oNIuskeln vorkomme , noch auch diess mit Sicherheit als den ersten geglckten Ftterungsversuch mit T. spiralis betrachten. Nach der sptem Angabe von Herbst, dass diese Trichine in der Kapsel sich mehr- fach hute, ist sogar fast mit Sicherheit anzunehmen, dass es sich um eine besondere Art gehandelt habe. So scheint auch die ITnklarheit des HERBST'schen Versuchs selbst am eignen Wohnorte denselben des Einflusses beraubt zu haben. Finden wir doch als fast vier Jahre spter in Gttingen ein Trichinenfall von Henle ^ beobachtet Av\n-de, keine Hindeut\iiig auf Herbst's Versuche, knpfte vielmehr im Gegentheil Meissner an dieses Falls lieschreibung seine Vermuthung, dass die Trichina spiralis ein junges Trichosoma sei. Eine zweite Reihe von Mittheilungen gab JTerbst im Jahre 1S52. Wre er auf jenem Wege vorangegangen, den er oben doch ^^'^^ es schien mit den Trichinen des Hundes und Dachses mit Erfolg betreten hatte, so mchte er wohl zu einem Ergebnisse gekommen sein. Aber er wurde in seiner neuen Untersuchungsweise von Beobachtungen bestimmt, deren Heranziehung grosse Verwirrung veranlasst hat. Herbst^ fand nmlich im Mrz 1S52 in einer Nebelkrhe [Corvus cornix] gleichzeitig encystirte Nematoden an den Gedrmen , Hufchen von Wurm- eiern und einzelne Eier in der Leber, im Herzblut, im Darm, am JNIesente- rium und eine weibliche Filarie mit an 3U,0OU Eiern in der lieber, sowie da- neben fnf mnnliche. Da nun frher schon die Wurmkapseln am Mesenterium der Strix passerina fr eine Art von Trichina spiralis erklrt "worden waren, hier aber sich, wie es schien, die Eltern und die Jugendzustnde zu jenen eingekap- selten Wrmern fanden, so schien die Abstammung der Trichinen von den Filarien bewiesen. Sechs weitere Nebelkrhen, sechs Rabenkrhen, sechs Dohlen und zwei Hhne, die im April untersucht wurden, hatten eben- falls Cysten mit Wrmern von %'" Lnge an den Drmen, bei zwei andern Krhen waren dieselben verkalkt; weitere Filarien wurden jedoch nicht gefun- den. Beim Buchflnk fanden sich hnliche (Cysten und dann wieder an den Ge- drmen der Ente und des Hahns. Alle diese genannten Thiere sind von der Zeit 1) Zeitschrift fr rationelle Medicin von Henle und Pfeufer 1855. N. F. Bd. VI. p. 247. Nheres unten. 2) Nachrichten v. d. Georg-Aug. -Universitt zu Gttingen 1852. Nr. 12. 1. Nov. Mit- theilung vom 14. October. Die Geschichte der Kenntniss von den TricMnen. 1 9 an von zahlreichen Autoren ohne allen Gnmd als Wirthe der Trichina spiralis naehgesehrieben worden. Das Verhalten der Wrmer Avar Ikm einigen andern Vgeln anders nnd beachtenswerth. So fand sieh namentlich heim Sperling im Juni eine freie Trichine in den Schenkelmnskeln. Es Aviirde das, im Falle der Wnrm eine Trichine gCAvesen wre, Avas allerdings aucli liier Avohl sicher zu leugnen, die erste uneingekapselt gefundene Trichine sein. Heim Bussard waren die Wr- mer viel kleiner, als die der oben genaniiten Wirthe. Aucli bei Sfrix passerina fanden sich dann neben den encystirten zahlreiche freie von 7'" in den Mus- keln. Bei jungen Vgeln fehlten sie. ' Von Sugern Avurden Katzen, Hunde, Muse, Igel vergeblich untersucht, bei einem Hunde aber die Filaria sanguinis im Blute gefunden, Embryonen, Avie sie Ecker bei der Krhe gesehn hatte,' von 0,075'". In achtzig MaulAvrfen, ohne Ausnahme in jedem einzelnen, fand er Schaaren sogenannter Trichinen, eingekapselt und frei, an den EingCAA^eiden, im Gehirn, in den Muskeln. Die Cysten massen nur '/12 ", die Wrmer '/"', nur in ZAvei Fllen Avar ein Wurm Ya'" lang. In den Muskeln berAvogen die freien Trichinen an Zahl. Auf den einzelnen Mauhvurf Avurden 5100 Stck gerechnet. Wenn man die Avenigen grssern als besondere Art betrachten kaini , so muss man noch einen dritten KapselAAiirm des MaulAAairfs von ;V" Ijnge unterscheiden. Fiedler^ hat neuer- dings Avieder die Kapsehvrmer des Mauhvurfs untersucht. Er fand dieselben in etAva 1 1 7o ^^^ l'J^ untersuchten MaulAvrfe. Die Wrmchen lagen in den Muskelfasern, entbehrten meist der Kapsel und Avaren sparsam. Die Kap- seln waren verhltnissmssig grsser, der Wurm viel kleiner als die Trichina spiralis, nur 0,36 0,41 mm. lang, der Zellkrper wenig deutlich. Ftterung ergal) beim Kaninchen kein Resultat. Es sind also diese Wrmer nicht als Trichina spiralis aufzunehmen. Die Kapsehvrmer an den EingCAveiden der Frsche erklrte Herbst ebenfalls fr Trichinen, in den Muskeln der Frsche fand er keine. Wenn Herbst dabei zwar keinesAvegs alle diese Wrmer fr identisch hielt, so meinte er doch, die Unterscheidung durch Grsse und damit verbun- dene FormabAveichung sei nicht thunlich und es Avrden wohl immer die Tri- chinen einer Anzahl von Wohnthierarten von derselben Filarie abstammen. Da sei es denn Avohl denkbar, dass die des Menschen, zumeist in England beobachtet , von Filaria medinensis herstammten ; die Trichine der Katze sei der des Menschen sehr hnlich , die des Hundes und des Dachses , die des Maulwurfs und des Frosches stimmten dann wieder jedesmal mehr unter einan- der berein. 1) Einige Jalire spter Avies Wedl die Verschiedenheit der in den Cysten an den Me- senterien der Vgel lebenden Wrmer von den Trichinen bestimmt nach. Berichte der Wiener Akademie XIX. p. 130. 2) Mller's Archiv 1S45. p. 7,0\. Embryonen von Rundwrmern fand auch Grube beim Hunde und Andere bei Frschen, Gros bei Maulwrfen, Feldmusen, Ziegenmelkern [Caprimulyit.s earopiteiis) und Krhen (Bullet, de l'Acad. des naturalistes de Moscou XVIII, 1845. p. 423. Sur les hematozoaires) . Trichosomeneier mit Embryonen fand V. SiEBOLD in der Milz der Spitzmaus, Reinhardt beim Maulwurf (Wiegmann's Archiv 1848. Jahresbericht. Allgem. deutsche naturhist. Zeitung v. Sachse II, 1847. p. 224). ' 3) Wagner, Archiv fr Heilkunde. V. p. 345. 3* 20 J^i(^' (Jcsrh'ulilc der Keniitnisu von den Trichinen. Die innere Kapsel der Trichine erklrte Herbst fr die persistirende Eihaut, mn dieselbe liege eine derbe elastische Haut, eine Ausschwitzunp^ der umgebenden Substanz. Die Cysten seien also Wurm ei er, welche, Avenn die Fildria in einem leicht zerreisslichen Organe sitzt, mit dem Blute vertheilt wer- den. Die freien Trichinen jedoch knnen sich selbstthtig ausbreiten. In RegeiiAvrmern unterschied er drei Anc/niihduc. die er auch aussen an verwesenden Yegetabilien fand, und so gaben diese Tliiere, Avelche er vergeb- lich auf Filarien untersucht hatte, um die Quelle zu entdecken, aus welcher die Filarien der Maulwrfe stammten, doch auf eine andere Weise ein ]kispiel fr die Uebertragimg der Helmintlieu von einem auf den andern Wohnort. Anknpfend an diese Beobachtungen und an seine vorjhrigen Yer- muthungen ber Uebertr aguii g kleiner Filarien, d. h. also seiner Ftterung der Hunde mit Dachstrichinen wurden nun weitere Versuche gemacht. Tu der That fand sich bei Tauben, welche mit trichinigem Maulwurfs- fleisch gefttert Avorden Avaren, nach 1."), 17, 20, 2^ Tagen die ^lusculatur voll von freien Trichinen, denen des Mauhvurfs gleich, selten dabei Cysten; hnliche Resultate Avurden bei einer Dohle uiul ZAvei Wieseln erzielt. Herbst glaubte, dass die verftterten Wrmer sich Avieder durchgearbeitet htten. Die freien Trichinen erklrte er fr viel gefhrlicher als die eingekapselten, er hielt dabei die letztere Eigenschaft fr eine von Anfang bestehende. Es ist zu bedauern, dass Fiedt-er die Gelegenheit der Ftterungsversiu-he mit Maul- Avurftrichinen , von denen eben die Rede Avar, niclit auch an Tauben und den andern eben genannten Tliieren benutzt hat , um diese Resultate a^ou Herbst zu controliren. Teil habe ber Heri'.st's Mittheilungen in ausfhrlicher Weise berichtet, damit num erkennt, Avie durch dieselben Avegen der gnzlichen Ausseracht- lassung einer bestimmten Unterscheidung ^^ esentlich verschiedener Nematoden- gruppeu: der Filarien und Trichinen, soAvie des A'erkennens der Weise, .AA'ie unreife, in den GcAveben lebende Helmintlieu im Darme neuer Wohnthiere reifen, in keiner Weise eine Frderung der Kenntniss der EntAvicklinig ge- Avomien Averden konnte. Die Sache blieb auch Avirklicli nachher wie vorher. Tu Gttingen kam nun im Winter ISi/r),') der schon oben kurz erAvhnte Fall von Trichinen vor. ' Hexlk fand die Wrmer in den Muskeln eines sechs- zigjhrigen Tagelhiu'rs aus Grolinde , aber nicht im Herzen; nur einerseits Avurde einer im nmsruluH fensor fympani gefuiulen, gegen den Fuss hin Avurden sie im Unterschenkel sparsamer, im l^usse selbst Avaren sie imr sehr zerstreut; viele Avaren \'erkreidet. Die genauere Untersuchung hatten Meissner und Tekjimann bernom- men. Der Erstere sprach die Vermuthung aus , dass die zarte structurlose Membran, welche die dicke concentrische Hlle umgebe uiul sich zusannnen- gefallen und gefaltet A\('iterliin fortsetze und anscheinend in lUndegeAvebe bergehe, das Myolemma sei. Auch Hkm.e besttigte, dass sie diesem in Dicke und Verlialten glich. Da es in diesem Zustand der Trichinenkapseln uns auch jetzt nicht mglich ist, das Hervorg(^lin der ussern Hlle aus dem Myolemma durch den Zusammenhang mit erhaltenen Theilen des Schlauches 1) Zeitschrift fr ratioiu'Ue Medicin. X. F. Bd. VI. Is.">."). p. 2-17. Die Getic/iir/ifr der Ivenutnisu von den Trichinen. 21 mit Sicherlit'it nachzuweisen, so verdient dieser Aussprueh, auf histologische (jleiehheit husirend und spter aus der Geschichte der Entwicklung der Mus- keltrichinen hewalirheitet, besondere Hervorhebung. Zugleich liielt Mkissnkr nacli den Aulialts])uncteu, welche die anatomische L ntersiichuug (h's Darmcanals hinsichtlich der an demselben sich findeiulen Abtheilungen gewhrte, es fr walirscheinlich , dass die Triclri n (i spiralis die 1/arve eines Trirh osoni a sei. Tni selben .Fahre IS.").") hatten H. Li;i ckakp, Zkxkkr und KiiciiENMEisTER l'^tterungsversuche mit trichinigem Fleische gemacht, -welches von Zenker aufgefunden worden war. Kiicuenme ister' berichtete in seinem bekannten Werke ber die Parasiten kurz ber dieselben und auch Liukkart"^ ist her- nach auf sie zurckgekommen. Alle gemachten Versuche ergaben entgegen JIerbst's Erfahrung keine Trichine im Fleisclie der Versuchsthiere. Kchenmeister's Yerftterungen betrafen nur einen IIuiul. Das Fleisch war schon faul, der TTund bekam Diarrhe inid die Section ergab nach sechs Wochen circa nichts von erwachsenen Helminthen, welche den Trichinen ge- glichen htten. Ein sehr unbestimmter Ausdruck ! Dabei sprach KirriiiEN- meister Zweifel aus , ob vielleicht die Wahl eines ITundes als Versuchsthier nicht die rechte sei , da derselbe tauglicher scheine , unreife Helminthen in seinem Darme auszubilden, als aus durch die AYnde des Darmcanals gewan- derten Embryonen die encystirten l*'ormen heranzuziehen. Eine sehr geeig- nete Unterscheidung beider Modalitten, wenn auch gerade im Allgemeinen die Trichinen eine Ausnahme gegen diese Vertheilung der verschiednen Entwick- lungszustnde auf verschiedenartige Wolmthiere macheu, doch dem Hunde S(j ziemlich der richtige Platz angewiesen ist, da er doch viel leicliter Darmtrichinen als Muskeltrichinen zu entwickeln vermag. Leuckart, welcher im Darme der mit trichinigem Menschenfleische ge- ftterten Kaninchen, Katzen und Hunde vergeblich nach grssern, von den Trichinen herstammenden Wrmern gesucht liatte, fand dagegen, dass die Trichinen in dem Darmcanale der Muse aus ihren Kapseln aus- gefallen waren, sich besonders im Dickdarm befanden und bereits am dritten Tage das ])oppelte ilner frliern Grsse erreicht hatten. Wre nicht leider die kleine Colonie der brigen Muse bald nachher zu Grunde gegan- gen, ja htte man nur eine Ahnung von der raschen Wachsthumsvollendung der Trichinen gehabt, so wre wohl schon damals gezeigt Avorden, dass die Muskeltrichine ohne grosse Aei'nderung ein. Darmwurm Avrde und man htte nicht lnger durch Vergleich mit bekannten Nematodengattungen das Rthsel zu lsen gesucht. Die Gattung Tricliiiia bezeichnete liEucKART infolge dessen als eine provisorische. Kchenmeister, der diesem Gegenstande eine besonders grosse Aufmerk- samkeit schenkte, glaubte noch eine zweite Art des Experiments vorschlagen zu mssen, nmlich die Verftterung der Eier der Wrmer, von welchen man vielleicht die Trichinen als Tjarven betrachten knnte, um aus diesen die Tri- chinen zu erziehn. Man sieht , es wre dies ein xlngriff" der Frage von der 1) Die in und an dem Krper des lebenden Menschen vorkommenden Parasiten. 1855, I. p. 268. 2) Wiegmann's Archiv 1857. Jahresbericht. II. p. 188, 22 ^''^ Geschichte der Kenntniss roti den Trichinen. andern Seite gewesen, aber der Versuch niusste aus Mangel an Material, nm- lich der Eier des fr geeignet erachteten Wurms unterbleiben. Fr diesen geeigneten Wurm aber sah Kchenmeister , der von Meiss- ner's Vermuthung noch nichts wissen konnte, aus Aehnlichkeit des Baues den Peitschenwurm des Menschen, Tr i chocephalus dispar, an, und lieferte einen ausgedehnten Beweis der Zusammengehrigkeit der beiden Wrmer auf den anatomischen Bau. ' In der ]ieschreibung der Trichina spirulis folgte Kchenmeister im We- sentlichen Luschka, initersttzte oder berichtigte dieselbe jedoch mehrfach aus der eignen Untersuchung des von Zenker gesandten Fleisches. Dass die in- nere Cyste von dem Wurme selbst stamme, vertheidigte er energisch , glaubte aber, in den leeren Cysten sei ein Wurm entwickelt gewesen, aber resorbirt worden. Die hellen Kerne in der Zellhlle des Speiserohrs glaubte er als optisch tuschende Erscheinung erklren zu mssen. Er hielt die Umhl- lungsabtheilungen fr Ausl)uchtungen und sah die kleinen gestielten Blschen am Uebergang des vordem Diirmabschnitts in das hintere Dritttheil. Die mnnlichen Geschlechtsorgane erkannte Kchenmeister recht gut, er sah das hintere blinde Ende des Hodens , sein vorderes Umbiegen zum Samenleiter und dessen Mndung in die Cloake , von den weiblichen sah er wenigstens mit Bestimmtheit , dass sie um diese Zeit noch nicht nach aussen mnden. Die Gegenwart des Afters wia-de gegen Luschka festgehalten, die zwei feinen Lngslinien sollten der optische Ausdruck sein fr die Grenze, bis zu welcher sich innerhalb des Ilautcylinders ein contractiles , die inneren Organe einhllendes Parenchym erstrecke. Die Motive der Identificirung /wischen Trichina und dem von verschie- denen Forschern genau beschriebenen Trichoccphalus Avurden gefunden in der Analogie der queren Ringelung , die doch bei der Trichine gar wenig charak- teristisch ist, in der Gegenwart der eben erwhnten Lngslinien , der termi- nalen Stellung des Afters und der mnnlichen Geschlechtsffimng, der vordem Verschmlerung und hintern Anschwelhnig des Krpers, der perlschnurfrmi- gen Anordiuing eines langen Stcks des Darmcanals und dessen Endigung mit den zwei abgesonderten lUschen. Was die AVeise der ^"erbreitung der Tric-hinen im Krper betrifft, so glaubte Kchenmeister, aus in den Darm gelangten Eiern ausgeschlpfte Em- bryonen wrden durch actives VorAvrtsrcken oder auch mit dem Blut in dem Krper verbreitet, kmen zur lluhe , rollten sich ein , wrden mit einer Cyste umgeben , wchsen nun noch und bildeten den Darmcanal und die Anfnge der Geschlechtsor<>ane aus. Diese Vermuthnnyen begrndete er besonders auf -1-' Meissner's Beobachtungen ber Wandennigen der Embryonen der Gordiaceen und auf die bekannte A^erbreitung der Cestodenembryonen. Kchenmeister warnt zum Schlsse vor dem Gensse trichinigen Flei- sches, damit man sich nicht 'rrichoce])haleu zuziehe. Die Prognose der Tri- chinen selbst schien auch ihm noch unbedenklich, da selbst ihre EinAvanderung keine erheblichen Sym])tome hervorzurufen scheine. Es ist spter Avohl angefhrt Avorden , und so auch von Leuckart , Da- vAiNE habe fr die Trichine mehr den Zusammenhang mit Trichosoma an- nehmbar gehalten, als den mit Tri chocephalus. Das ist in geAvisser Beziehung Die Gescliuhte der Kennfniss ron den Trirhinen. 23 ricliti^', aber der Scliwerpiuict von ])a\'A1Ne's Meiimuj; lie<>t (loch darin, dass Trichina "wahrscheinlich niclit zn Trirho<'eph(diis dispar s>ehrc, weil hier die erwaclisene Form anch heim Menschen vorkomme, was also nicht dazu stimme, dass sie heim Menschen gleichwohl verirrt und vm er wachsen vor-^ komme. Die Trichine sei also wohl eine Trichosomide , die im GeAvebe anderer Thiere vollkommen werde, wie man ja deren auch mehrere beson- ders aus Oesophagus und Magen kenne. ' Leuckart machte im Jahre 1S56 einen zAveiten Ftterungsversuch ^ mit trichinigem Katzenfleisch, welcher jedoch nach dem oben angefhrten Berichte weitere Ergebnisse als der erste nicht gehabt zu haben scheint. Der Ver- muthung Kchenmeister's , dass die Trichine ein junger Trkhoceplndus sei, mochte Leuckart sich damals nicht anschliessen. Die besonders dafr ange- fhrten perlschnurfrmigen Anschwellungen am Speisecanal gehrten bei Tri- china gar nicht wie bei Trirlwrephahis dem Oesophagus an , sondern dieser liege einfach musculs A\eiter nach vorn. Solche Einschnrungen des C'hylus- darmes knnten auch fehlen und in der hintern Abtheilung des Darms vor- kommen. Dass die drsige Masse im Hinterleibe das Geschlechtsorgan sei und der Zellenhaufen Farre's, wo er vorkomme, in demselben liege, be- sttigte er. Nachdem also Leuckart eigentlich die jungen Darmtrichinen schon entdeckt hatte und gar nicht geneigt war, sie oder auch die Muskeltrichineft fr junge Trichocephalen zu halten , wurde er durch einen eigenthmlichen Zufall bei einer neuen Eeobachtung irre gefhrt. Aus Marburg von Professor Nasse erhaltenes trichiniges Fleisch wurde an ein junges Schwein verfuttert. Als dieses vier Wochen spter getdtet wurde, fanden sich mehrere Dutzend Trichocephalen , die ganz mit Tricliocephalus dispar des Menschen berein- stimmten. So glaubte nun Leuckart , entgegen seiner frhern Ansicht , die Frage im Sinne Kchenmeister's entschieden, inid berichtete in dieser Weise seinen Fund an van Beneden in Lwen. Dieser aber vermittelte eine Mit- theilung darber an die Pariser Akademie, welche erst am 2b. September 1S59 erfolgte, in welcher aber durch ein sprachliches Missverstndniss von Tausen- den von Trichocephalen statt von Dutzenden die Hede war.' Unterdessen hatte in Berlin Yirchw, welcher, seit er darauf Acht ge- geben , die frher von ihm nie beobachtete Trichine in den letzten acht Mo- naten sechs oder sieben Mal in menschlichen Leichen fand und sich so von ihrer grossen Verbreitung berzeugte , ebenfalls einen Ftterungsversuch ge- macht. In den letzten Tagen des Juli erhielt ein junger Hund trichiniges Fleich. Derselbe starb in drei inid einem halben Tag infolge einer Yenen- Avunde an metastatischer Pleur-itis. In seinem Darme fand sich eine Menge junger Rundwrmer, die durch die ussere Form und die weniger entwickel- ten Zwischenstufen ihre Zugehrigkeit zu den Trichinen bewiesen, in der Ent- wicklung der Geschlechtsproducte begriffen, aber zum grossen Theile todt waren. In grosser Eile wurden Zeichnungen geringer Qualitt von diesen Wrmern 1) Davaine, Entozoaires. p. LXVIII. 2) Wiegm.\nn's Archiv. 1856. II. Jahresbericht, p. 3.5(}. 3) Comptes rendus lS5i). T. 49. p. 452. 24 T)^f Geschieh fr der Kenntniss ron den Trichinen. aufgenommen. Die Form der E^ier \\d\ anders als die der 'rrichocephalen, deren eharaktenstische mnnlielie Organe berdies fehlten.' AVenn auch bei der ersten Auffassung fr Yirchoav diese I'^ntersehiede , vorgeberrscht mid den Gedanken angeregt haben mochten , dass die Darm- trichinen eine bisher nicht beobachtete eigene AVurmform seien, so ^vurde doch die weitei'e Mittheilung Virchow's ber diesen Gegenstand von dem ihm bald hernach bekannt gCAVordenen Finide Leuckakt's wesentlich beeinflusst und beinahe in das gleiche Geleise gelenkt. Yirchow fand nun eher nocli in der Aehnlichkeit eine Sttze der KcHp;NMEisTER'schen Vermuthung auf Trlcho- cepJi aJ i( s . hielt es aber fr mglich, besonders wegen der mangelnden mnn- lichen Organe, dass die Wrmer sich zu Strongylen entwickelten. Er musste also eventuell wohl an eine noch nthige Umgestaltung des Krpers, wohl auch Aveitere Vernderungen der Eier denken , in denen ohnehin noch keine Embryonen beobachtet wurden. ])ie vermeintliche Beobachtung Leuckart's hatte nicht allein diesen selbst, sondern auch A^irchow vom rechten Wege abgefhrt. Es gelang Leuckart"- zuerst, denselben wieder zu finden und nun die li- sung des so lange verfolgten Problems durch vollstndige Erkenntniss der Darm- trichinen zu geben, indem er mit trichinigem Fleisch, welches er von W^eix'Ker in Halle erhalten hatte, an einem Hunde experimentirte. Er fand jetzt, dass die Trichinen im Hundedarm vmd zwar in krzester Frist geschlechtsreif wr- den, Avobei sie sich, obAvohl lter geworden als in Virchow's Versuch, nicht in einen bisher bekannten .Spuhvurm \unwandelten. In diesem Zustande sind die Trichinen vielmehr bei ZAvei bis drei Millimeter Lnge ausgewachsen und haben keine Aveitere Metamorphose durchzumachen. Die AVeibchen gebren lebende Junge. Leuckart zAveifelte nun nicht, dass der Mensch die Trichinen Avie den Echinococcus vom Hunde besitze. ])a er frhei- bei Hunden, av eiche nach einigen AVochen zur Section kamen, gar nichts gefiuiden hatte, und auch zuletzt bei einem ZAveiten Hunde , Avelcher za\ lf Tage nach der Ftterung untersucht Avurde, nur Avenige ])armtrichinen mehr vorkamen, folgerte er, dass die Thiere im Hundedarm nur kurz verweilten. Um nun den von den Taenien her fr notliAvendig erachteten neuen AVirth fr die AA^inderung der Em- bryonen zu liefern, verftterte er den Hundedarm, in Avelchem die Darmtrichi- nen mit reifen, aber ungcbornen Embryonen enthalten A\aren, an ein ScliAvein, ein Thier, bei Avelchem ja durch Leidv schon Aluskeltrichinen gesehen Avaren, Avelches also fr die EinAvanderung geeignet erschien. Auf den Erfolg dieses A'ersuchs haben Avir spter zurckzukonnnen. Der Versuch Leuckart's mit dem trichinigen l'Teische aus Halle Avar hchst bedeutungsvoll und es muss fr die l'rioritt der Trichinenentdeckungen beach- tet Averden, dass derselbe in der Zeit vor der l)e(d)achtung Zenker's steht, Avelche in der Geschichte der 'l'riclnen wesentlicli Epoche machte und das Fleiscli /.u einer neuen Reihe unter einander nahezu gleichzeitiger A ersuche lieferte. Professor Zenker, Avelcher damals im Ganzen schon etAva ein Dutzend Flle von Muskeltrichinen beim Menschen geselni und sie z. P). im Jahre IS 5.') 1) Deutsche Klinik 1859. p. 43U. Comptes rendus 1851). T. 4'.). p. (WK). Gazette medicale 1S59. XIV. p. T:n. Virchow's Archiv XVIII, 1S(;0. p. :j:<(). 2) Zeitschr. f. ration. Mediciii v. HKxNLK u. Pfeifer, A'III. p. iit. l. Febr. ISfiC Die Gcsclnchte der Kcnnfnhs von den Trichinen. 25 unter Dil Sectionen in Dresden viermal i>efun(len hatte, war der Erste, wel- cher ehendaselhst diese Wrmer in frischer Einw an derun <> ertappte und erkannte, zu wie heftiien KrankheitserscheinunfJ-en sie Anlass <>eben knnten.' Da Zknkk die (xeschichte dieses Falles erst etwas s])iiter mittheilte und sie westMitlich in den dritten Theil der geschichtlichen Kntwicklun^- gehrt, so knnen wir hier sofort zu den Versuchen bergehen, wek'he , Avie oben erwlnit , mit aus diesem Falle gewonnenem trichinigen INIensc-henfleische ge- macht Avurden. l^er Tod des inficirten INIdchens war am 27. Januar erf(dgt; Zenker gab von dem Fleische an Yiikjhovv, Leuckart , liiiscuKA und experimentirte selbst in Gemeinschaft mit Kchenmeister. Zunchst gelang es Leuckari -, am ITunde mit diesem von frischer Tri- ehinenaifection befallenen iNIuskelfleische nachzuweisen , dass bei der A'erftte- rung es nicht zum Gelingen des Versuchs nothwendig sei, dass die Trichinen bereits von einer verkalkten Cyste umgeben seien. Es wurden am 7. Tage eine massige Anzahl von Darmtrichinen gefunden. Whrend unterdessen Leuckart's Versuch mit dem Schweine, welches den trichinenhaltigen Hundedarm erhalten hatte , Aoranging- und gewiss auf diesen die Ilauptaufmerksamkeit gerichtet war, machte Virchow, Avelcher eben seine frheren l)eobachtungen in ausfhrlicher Weise mitgetlieilt hatte,' neue Versuche an der Katze und am Kaninchen. Werfen wir zuerst einen Blick auf den Inhalt jener jMittheilungen. ViR- CHOAV sah damals die Trichinen , beim Menschen , selten in der Zunge und dem Zwerchfell, nie im Herzen, die meisten in den kleineii Kehlkopfmuskeln. Er verglich die Gestalt des Endes der Cysten mit dem inneren Augenwinkel, fand in den Cysten , deren Wand zum grssten Theil verkalkt war, den Innenrauni frei von Kalksalzen und die Wrmer lebend ; der Kalk wurde von Essigsure und Salzsure besonders an getrockneten Cysten unter Gasentwicklung gelst; die Kalkablagerung- beginne an den Cysten ; diese seien nicht doppelt und in der eigentlichen Kapsel seien nur Spalten , nicht Kerne. Im Innern derselben dagegen seien die unter die staubfrmige Masse gemischten rundlichen oder lnglichen Krper, Avelche Luschka sah, Hristowe und Rainey aber nur in absterbenden finden Avollten , unzweifelhafte Kerne. In 1 Jetreff der Mglich- keiten , woher diese stammten , wurde der Gedanke besonders ausgefhrt, dass nach Einwanderung der Thiere in die Primitivbndel, diese Kerne die des Primitivbndels sein mchten, wo dann die Krnermasse zerfallene Fleisch- substanz, wie das Meissner' bei Einwanderung der jungen Gordien gesehen, die Cystenwand aber ein verdicktes Sarcolemma sein wrde, wie es Klliker in hnlichen Fllen wie der von Kowman beim Aal gefunden hatte.' ViRCHt)w konnte jedoch , Avie das bei fertiger Einkapslung sehr erklrlich , nie einen Zusammenhang der C'ystenfortstze mit Primitivbndeln erkennen. 1) ViRCHOw's Archiv. XVIII. 1S60. p. 5l. 2) Leuckart, Untersuchungen ber Trich'ma spiralis. p. 22. 3) Archiv. XVIII. 1860. p. 330. 4) Zeitschr. f. wiss. Zoologie. VII. p. 135. 5) KLLIKER, Gewebelehre. 3. Auflage, p. 205. Page 11 stech er, Die Trichinen. 26 Die Geschichte der Kennt niss von den Trichinen. In KetreiF der Beschreibung des Thiers hatte Yirchow sich ganz auf den lioden der besten neueren Beschreiber, besonders Kchenmeister's, Bristowe's und Raikey's und Leuckart's gestellt. Alsbald ' folgte diesen Mittheilungen der llericht ber die neuen Ver- suche. In einer Katze fielen die Trichinen schon nach sechs Stunden aus den Kapseln. Weit schlagender waren die Ergebnisse beim Kaninchen, welches hier zuerst angewandt , spter das hauptschlichste Versuchsthier der Trichinen- experimente geworden ist. Dasselbe starb vier Wochen nach der Ftterung. Die Trichinen waren im Darme vier Linien lang geworden. Es muss sich hier ein Schreibfehler eingeschlichen haben, da wir nicht denken knnen, dass ein anderer Nematode gemessen Avordcn sei , die Trichinen aber eine solche Grsse nie erreichen. Es Avurden die Embryonen dieser Trichinen Avie kleine Fila- rien gesehen, in den Gekrsdrsen Aviedergefunden und ihre EiuAvanderung und Wachsthumsvollendung in den Muskeln entdeckt. Die Cyste, nun erst in der l'ildung begriffen , Hess erkennen, dass sie theils aus verdick- tem Sarcolemma, theils aus verndertem, namentlich durch Kernwucherung ausgezeichnetem Inhalt des Schlauchs hervorgegangen sei. Es Avar hiermit gegen den bisherigen vom geAVhnlichen Verlaufe bei den BlasenbandAvrmern entlehnten Gedankengang bcAviesen, dass die D*armtrichinenbrut im selben Wohnthiere sich zu verbreiten vermag. Am selben 3. Mrz 1860, an Avelchem Virchoav sein Kaninchen unter- suchte , schlachtete Leuckart - sein Sclnveinchen , Avelches gleich nach dem Tage , an Avelchem es den Hundedarm erhalten hatte , gegen Ende Januar scliAver erkrankt Avar, unter Erscheinungen , in Avelchen Avir deutlich eine Tri- chinenerkrankung, Avie Avir mit deren Symptomen jetzt vertraut sind, erkennen. Es sind mir in diesem Falle ZAvei Puncte rthselhaft und lassen mir den Ver- dacht einer Verwechslung nicht aus dem Sinne kommen; erstens das Zustande- kommen der TrichinenentAvicklung in einem betrchtlichen Grade nach Darm- trichineuA'erftterung, Avelches uns nicht hat gelingen Avollen; ZAveitens das so frhzeitige Eintreten so heftiger Erscheinungen , Avelches glauben lsst , eine starke Infection habe schon vor der Ftterung mit Ilundedarm stattgefunden. Ich kann nicht mit Bestimmtheit eine Fehlerquelle entdecken. Leuckart hatte ZAvar einige Tage frher ZAvei andere ScliAveine mit dem trichinigen Fleische gefttert, Avelches von Halle herrhrte, sagt jedoch bestimmt, es sei keins von diesen gCAvesen. Das eine derselben, von Avelchem Avir Aveiter hren, hat sich ebenfalls als trichinig erAviesen. Das Fleisch aus Leipzig kam erst spter und kann nicht sclnild an dieser Erkrankung gCAvesen sein. Sei dem nun , wie ihm Avolle, jenes SchAveinchen erAvies sich voll A'on Muskeltrichinen, nicht ganz so gross als beim Menschen , noch ohne Kalkkapsel und ohne den Krnerhaufen Farre's. Im Darme dagegen fand sich nun, nach liinf Wochen nichts A'on den geftterten Wrmern. Leuckart , dem der Erfolg dieses Versuchs in seine Vermuthungen ber die Art des Vorgangs noch gepasst hatte, Avurde durch Virchoav brieflich von der directen Einwanderung in Kenntniss gesetzt und nahm sofort Gelegenheit, mit diesem SchAveinefleisch Virchoav's Entdeckung, nmlich dass alle Stu- 1) Archiv. XVIII. p. .53.'). Medical times 1S60. I. Ifi. Mai ISGO. 2) Zeitschr. f. ration. MecUcin. III. R. VIII. Bd. ISU. 5. Mrz. Die Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. 27 diou im selben AVivtlie d u rchlaufe ii Avvdeii, 7Ai besliitifien. Ei* wies gleichzeitij? nach , dass di( Wandeninf^ schon in aclit Taften beginne und (Uiss die Darmtrichinen in Katze, Maus, Kaninchen, Schwein und Huhn geschlechts- reif werden, dass aber die Muskeltrichinen sich im Innern der Bndel befinden.^ Luschka machte mit dem von Zenker erhaltenen Fleisch einen vergeb- lichen Versuch mit einem Hunde, welcher nach 14 Tagen nichts von Trichi- nen sehen Hess. Zenker"-^ selbst und Kchenmeister fanden bei einem erst fnf Ta^e nach der P'tterung getdteten Hunde Darmtrichinen , zwar etwas kleiner als beim Menschen , aber schon mit unreifen Embryonen , beim zweiten Hunde nach vier Wochen und beim dritten Hunde nach sechs Wochen dagegen nichts. Wir mssen Aveiterhin auf seine brigen Mittheilungen zurckkommen. ViRCHw und Leuckart setzten nun ihre, Versuclie fort. Ersterer theilte noch mit , dass die Embryonen weder im Blute , noch in dessen Eahnen zu finden seien und dass beim Hunde kein Uebergang in die Muskeln stattfinde. ' Leuckart verwandte seine weitern l^eobachtungen zu einer vortrefflichen Schil- derung der Organisation inid Entwicklung der Trichinen im Darme und in den Muskeln sowie der sie umhllenden Kapsel , Avelche er in seinen bekann- ten Untersuchungen ber Trichina spircdiso. noch im selben Jahre 1860 nieder- legte. ViRCHOw's weitere Versuche mit dem Fleische des Kaninchens fhrten durch fnf Generationen hindurch stets zum Tode der Versuchs thiere. Bei dem Berichte hierber wurde die Lnge der Darmtrichinen nur auf 3 4 mm. bestimmt inid angegeben, dass die Jungen eine Woche nach der Befruchtung ausschlpfen. ^ III. Der Zenker' sehe Fall hatte den Trichinen eine ganz andere Bedeutung gegeben. Wohl konnte nur gesagt werden : die kleinen Heuchler sind ent- larvt , sie sind nicht mehr eine mssige Spielerei der Mikroskopiker. Wenn erst Owen , nach ihm Andere , zuletzt noch Kchenmeister sie fr so vuibe- denklich gehalten, so war dieser Fall berufen zu zeigen, dass ihre EiuAvan- derung sehr erhebliche, ja gefahrdrohende Symptome hervorrufe, in wenigen Wochen krftige, gesunde Menschen unter den erschreckendsten Symptomen tdten knne. Ein Dienstmdchen war, nachdem es seit Weihnacliten an Mattigkeit, Schlaflosigkeit, Verlust des Appetits, Verstopfung, Durst und Hitze gelitten, am 12. Januar 1860 ins Hospital zu Dresden aufgenommen worden. Das Fieber war sehr heftig , der Leib aufgetrieben und schmerzhaft. Obwohl Milz- anschw^ellung und Koseola fehlten, Avurde die Diagnose auf Typhus gestellt. 1) Zeitschr. f. rat. jSled. ibidem Nachtrag v. 18. Mrz. Nachr. v. d. Georg-August- Univers. 1860. 13. 1. April. 2) ViRCHOw's Archiv. XVIII. 1860. p. 561. Mitgetheilt am 5. Mrz. 3) Gazette mcdicale de Paris. 1860. Juli 2. Man vergl. auch Medical times 1860. vol. I. Bericht ber die Fa-ft'nungsrede seiner Vorlesungen vom 16. Mai 1860. 4) ViRCHOW, Darstellung der Lehre von den Trichinen. 1864. 4* 28 -/e Geschichte der Kenntmss von den Trichinen. Es kam bald eine aiiffiillii^e ^IiiskelafFection liin/.u , Ix'sonders eine extreme Sclimerzliafti<;keit der Extremitten mit Contracturen in Knie und Ellenb()-nosticirten Kraidvheit. Zuletzt traten pneumonische Erscheinungen in Form typhser Lungenaifection auf und am 27. Januar erfolgte der Tod. l^ei der Section Avurde Zenker schon durch Leuckart's briefliche Mit- theilungen b(^r seine ganz neuen Resultate geleitet. Er fand bis 2o Trichi- nen in einem Sehfelde schwcherer Vergrsserung im Fleische, die Muskeln Avaren sehr ^l)r(hig, die Querstreifung war verloren, die P)ndel homogenisirt mit zahllosen feinen Querrissen. Kleine Infiltrationen secuiulrer Natur in der linken Lung(\ intensive l)roncliitis, sehr starke llyperaemie des Ileum Avurden bemerkt. Die ]Muskeltrichinen Avaren zum Theil noch unentAvickelt. Zenker meinte am ersten , die Wanderung^ geschehe durch Chylus und Blut. In dem Gedanken , entAveder die Trichinen rhrten A^om Trichocephuhis dispar her, Avelcher sich nicht fand , oder die EinAvanderung erfolge nach Einfhrung von Darmbrut bei WohnungSAvechsel nur kurze Zeit hindurch, glaubte er im Darme Aveiter nichts suchen zu knnen. Als er aber noch mehrere Wochen spter, auf ViRCHOw's jMittheilung hin, genauer zusah, fand er im Schleim des jejunum noch geschlechtsreife Trichinen, Mnnchen von 1 '/^ mm., AVeibchen von 4 mm. Lnge mit- Embryonen. Der Angabe Leuckart's, dass die Mnnchen an Zahl geringer seien, pflichtete er nicht bei inid suchte die Ursache des seltneren Findens in der grsseren Zartheit und Kleinheit. So Av a r c n als o a u c h b e i m AI e n s c h e n d i e D a r m t r i c h i n e n na c h - gCAviesen und es konnte kein ZAveifel sein, dass er mit dem Kaninchen, dem ScliAveine und anderen Thieren diesen Parasiten gegenber ganz auf der- selben Stxife stehe. Die aetiologische l'ntersuchung knpfte sich an die Aveitere Mittheilung Leuckart's ber das ScliAvein.. Es ergab sich, dass ein Schinken eines am 2 1. December in dem Hause, in Avelchem das Mdchen gedient, geschlach- teten ScliAveiiis Avirklich Trichinen enthielt; dass aber auch eigentlich alle an- deren Mitglieder des Hausstandes erkrankt Avaren. Man hatte das als Mattig- keit, Magendarmkatarrh, Nervenfieber je nacli dem Grade angesehen. Der Fleischer aber Avar an sehr auffallender (ncht erkrankt, durch Schmerzen und Steifigkeit in fjliedern mid Nacken AA'ie gelhmt gCAvescn. Es hatte also schon eine kknne Tricliinene])idcmie stattgefunden. Eine Ftterung mit den Tri- chinen im Schinken Avurde olnie Erfolg versucht. Nur kurz Avies Zenker auf etAvaige VerAvechshnig mit Typhen hin inid stellte Vernuithungcn auf ber eine grssere Verbreitung der Trichinenkrank- heit. Das ScliAA-ein , meinte er, inficire sich Avohl mit Darminhalt oder Koth von Hunden, beim [Menschen aber ginge die Ansteckung avoIiI direct durch das Fleiscli vor sich. [\Iit der (Jefhrlichkeit der Trichinen hatte Zenker so auch die haupt- schliche Quelle derselben im ScliAveine uachgeAviesen. Zenker vermisstc nun el)enfalls den FARREi'schen Haufen, der sich Avohl erst AA'hrend der Einkapselung entAvickle. Er soAvohl als Kchenmeister und Frster fanden 'l'ricliinen im Herzen, er ZAveifclte nicht, dass sie innerhalb Die Geschieh fc der Kennfniss von den Triehinen. 29 der Primi tivhiKlt'l liioen und fand sie nach den Sehnen hin strker zu- sammengedrngt. Die Schilden mg des Verhaltens der Muskelsubstanz und der ('ystenhildung ist ungefhr wie bei Virchovv. Von dem Fleische des mit dem Hundedarme geftterten Schweins Lkh- ckart's erhielt auch Ci,Ai's', damals in Wrzburg. Er ftterte ZAvei Kanin- chen und zwei Meerschweinchen sparsam, dainit sie nicht zu Grunde gingen. Ein Kaninchen und ein Meerschweinchen wurden nach acht Tagen getdtet. Claus fand Darmtrichinen, Mnnchen von 1,2 mm., Weibchen von 1,6 mm, Lnge, also von geringer Grsse, welche, wie es schien, schon die Begat- tung ausgefhrt hatten. Er fand , dass das Ovarium in gleicher Weise ge- baut ist, wie es eben EiiERTii von Triehoeephalus beschrieben hatte, dass nmlich durch die ganze Lnge des Eileiters l)is zum uterus die eine Seite ausgebuchtet und mit Keiml)lschen und feinkrniger, sehr heller Dottermasse besetzt ist, whrend in der anderen Hlfte die hllelosen Eier liegen nach Sonderung aus der mit Keimblschen gefllten Dottermasse. Nach 1 1 Tagen fand er beim zweiten Meerschweinchen Darm triehinen , die Mnneben seltner, die Weibchen von 2,5 mm. Lnge, am Ende der vierten Woche beim Kanin- chen keine weiblichen Darmtrichinen mehr , nur noch wenige Mnnchen, aber junge ]b-ut in den Muskeln, Avovon bei jenem Meerschweinchen noch nichts erwhnt wird. Das unterdess sehr faul gewordene trichinige Fleisch wurde nun an Bufo variahilis und den Frosch gefttert, die Cysten passirten ungelst den Darm und Avaren noch im Kothe von den Sarcolemmaschluchen umhllt und lebend. Auch als der Koth eingetrocknet war, gelang es nach Aufweichen an den Tri- chinen wieder Leben zu erAvecken. In England suchte William Tttrner^, welcher ber die neue Entdeckung ]iericlit erstattete und bei dieser Gelegenheit unter den lteren Auffindern der Trichinen noch eines Miller gedenkt, von dem wir weiter nichts wissen, selbst aber in sechs Fllen oder in 1 2 7 der durchforschten Menschenleichen die Trichinen gefunden zu haben erklrte , auch din-ch Versuche die Richtig- keit der continentalen Angaben zu erproben. Ein junges Ktzchen, am 7. Juli 18G0 gefttert, starb nach 36 Stunden und man konnte nichts von den Trichinen finden , bei einer geftterten Katze dagegen fand man nach siebzehn Tagen zahlrcic-he Darmtrichinen inid Muskel- cysten. Von der Lage der Muskeltrichinen innerhalb der Schluche konnte sich Turner nicht berzeugen , was er gerade um diese Zeit recht gut htte thun knnen, falls jene Muskeltrichinen nicht aus frherer Lifection herrhrten. Uebrigens identificirte er die Muskeltrichine des Menschen mit dem Wurme Bowman's aus dem Aal , mit einem von Chaussat'* aus den Mag^enhuten des Frosches, mit allen von Herbst beschriebenen und endlich mit einem, den ihm Rolleston in Oxford in den Muskeln des Igels gezeigt hatte. Eine weitere Untersuchung ber dieses zuletzt erwhnte Vorkommen haben Avir leider nir- gends bekommen. Gegen das Ende des Jahres 1860 kamen noch ein Paar Aveitere Trichinen- 1) Wrzburger naturwiss. Zeitschrift 1860. p. 151. 2) Edinburgh medical Journal 1S6 1861. VI. p. 209. 3) Comptes rendus de la Societe de Biologie I. ^\^ 30 T)i^ Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. erkrankunoon zur l^eohachtimg. Wunderlich ^ beschrieb unter dem Titel Zur Wahrscheiulichkeitsdiaa^nose der Trichinkrankheit zwei Flle aus dem Leip- ziger Hospital. Es waren vier Gesellen desselben IVIetzf^ers im December erkrankt und die drei bis vier AVochen dauernden Erscheinungen hatten durch- aus den Charakter der Trichinerkrankung, ohne dass jedocli durch Nachweis von Dai-mtrichinen im Koth oder durch Muskeltrichinen in einer den Kranken entnommenen P^leischprobe der objective Bestand sichergestellt wurde. Die Schmerzhaftigkeit war weniger gross , es traten Gehirnsymptome und etwas Bluthusten ein. Wunderlich empfahl mit Recht bei schweren, dem Typhus oder dem acuten Rheumatismus hnlichen Fllen an die Trichinerkrankung zu denken. ])ie Kranken genasen. Die nchste Reihe von Fllen wurde von Waldeck in C'orbach im Waldeckschen beobachtet und von Zenker bekaiuit gemacht."^ Die Krankheit war hier in einer Familie von drei Personen nach dem Genuss von Schweine- fleisch aufgetreten, in welchem, als aus den Symptomen Verdacht entstand, noch Trichinen nachgeAvicsen wurden. Die Erscheinungen waren heftig, en- deten aber mit Genesung. Im Kothe der Erkrankten wurden die Tri- chinen erkannt. Eine Katze, welche von dem Fleische gefressen hatte, starb. Das ScliAvein war kreuzlahm gewesen, worauf man eine Zeit lang Werth legen zu drfen glaubte. In Detmold brach im Jahre IS (31 eine Epidemie aus, bei welcher 150 Personen erkrankten. In einem .spter zu erwhnenden Aufsatze hat Leu- CKART dieselbe als vielleicht hierher gehrend angefhrt. IIusemann Avies jedoch nach, dass diese Leute, die von einer kranken Kuh gegessen hatten, viel eher als am Milzbrandfieber erkrankt anzusehen seien.' Unter dem Eindrucke dieser Thatsachen versuchte Kchenmeister in einer Reihe von Aufstzen Rath zu erth eilen ber das, was zur Behandlung und zur Verhtung dieser Erkrankung zu thun sei. Die Diagnose^ der Krank- heit beruhe auf subtyphsen Erscheinungen bei ziemlich klarem Bewiisstsein, fehlender Diarrhoe, fehlendem Exanthem und fehlendem Milztumor, dabei hef- tigsten jNIuskelschmerzen , manchmal SchlingbeschAverden , Heiserkeit , Strun- gen in den Augenmuskeln. Er schlug vor, etwas Fleisch aus einer Wunde, wuchernden Zahnfleisch wrzchen oder durch eine pundio exploratica , etwa am Schenkel, zu gCAvinnen zur Sicherung der aus jenen Erscheimuigen gewonne- nen Wahrscheinlichkeitsdiagnose. Dieses Aufsuchen im Zahnfleisch suchte Kchenmeister spter '^ durch die Annahme zu motiviren , dass die Trichinen- brut anfangs nicht allein in den Muskeln, sondern in allen Weichtheilen ver- theilt sei; berhaupt war sein Gedanke zunchst gewesen, auf die Unter- suchung von F'lcischproben zu dringen, Avelche Zenker lieber vom Arme aus dem hicep nehmen wollte. Derselben knne man nun nach Waldeck's 1) Wagneii's Archiv der Heilkunde. II. l<^til. p. '2()0. 2) Berichte der Gesellsch. f. Natur- u. Heilkunde. 1861 1S62. p. 40. Mittheilung vom 12. Jan. 1861. 3) liEUCKAKT, Die neuesten Entdeckungen ber Eingeweidewrmer in Unsere Zeit 1862. p. 627. HusEMANN, Deutsche Klinik. 1864. VIII. p. 76. 4) Deutsche Klinik 1861. p. 12 v. 5. Jan. 1861. Medical times 1861. 2. 5) Ibidem p. 49. v. 2. Febr. 1861. Die Geschichte der Kennfniss von den TricMnen. 31 Erfalining- die Ko tlivin tersiicliuiit;- zu<^esellen. Audi hob er die wohlthtigen Wirkungen der Diarrhoe wegen des damit erfolgenden Abgangs der Wrmer imd der Vermeidung der Naclischube weiterer Emliryonen liervor, /u welchem Ende er schon im ersten Aiifsatze Calomel mit Jalapjjc und dem Wurmmittel lix mas angerathen hatte. Cxegen die Muskeltrichinen verspreche am ersten fortgesetzter Gebrauch von Terpentin etwas. Noch spter^ fhrte er die Pro- phylaxis Aveiter ans. Er suchte dabei zu beruhigen: beim Pkeln gingen die Schmarotzer alle im Fleisch zu Grunde. Gefhrlich seien nur die bis '/j Stunde gerucherten Knackwrste, l^ie Erkenntniss knne man von der Fleischschau nicht verlangen. Welcker- hat danach geglaubt, es sei vielleicht mglich, die Diagnose, statt aus der dem Kranken zu entnehmenden Muskelprobe , ein Verfahren, welches brigens durch den Mi])i)i;LDORPFF'schen Apparat, die sogenannte Harpune, wesentlich erleichtert worden war, aus der Besichtigung der untern Flche der Zunge sicher zu stellen. Was ihm und EEUfiKAKX bei einer Katze elunaen war, an dieser Stelle die Trichinen durch die Schleindiaut zu sehen, war ihm selbst jedoch bei einer trichinigen menschlichen Leiche nicht mglich und es blieb ihm nur die Hoffnung , dass es vielleicht im lieben leichter sei, welche sich brigens in Friedreich's Fall , sowie bei Knch in der Plauener und bei Rui'precht in der Hettstdter Epidemie nicht, bei Ficinus nur zwei- felhaft besttigt fand. Das Jahr 1862 brachte mehrere Epidemieen, Avelche zum Theil sofort, zum Theil spter als Trichinenerkrankungen erkannt worden sind. Die erste, im Mrz, war die zu Plauen im Voigtlande, welche von BHLER und KNiGSDREEER besclu-iebeu wurde. ' Auf dreizehn beschriebene Erkrankungen kam ein Todesfall. Die Gegenwart der Muskeltrichinen war von KNIGSDREEER an einer Fleischprobe erkannt Avorden und wurde durch Zenker in der Section besttigt, wobei auch !) lo Wochen nach der Infection berall im Chymus der Darmschlingen Trichinen nachgewiesen wurden. Die behandelnden Aerzte waren Homopathen und empfahlen besonders das spter von K.11PPRECHT unwirksam befundene Arsenik. Die Zahl aller Erkrankungen zu Plauen, einschliesslich der von andern Aerzten behandelten, stellte sich nach Bhler^ auf 1U^2 und nach Freytag die der Erkrankungen fr das ganze Voigtland damals auf 30 40 heraus. BHLER stellte die Stadien der Infection, Einwanderung, Einkapselung und Reconvalescenz auf. Von Friedreich '' wurde dann hier in Heidelberg ein Fall beobachtet, welcher den Metzger Georg- Mischler aus Heppenheim traf. Derselbe litt auch an Taenien und hatte viel rohes Hackfleisch gegessen. Die ausfhrliche Beschreibung giebt als Beitrag zur Pathologie der Trichinen ein vollkommen abgerundetes Krankheitsbild. Besonders hervoj-gehoben wurde von den Krank- 1) Deutsche Klinik. ISl. p. 367. Septbr. 14. 2) ViRcnow's Archiv. XXI. p. 453. 3) Das Erkennen der Trichinenkrankheit u. s. w. von Bhler und KnigsdrffER, 1862, und BHLER, "Die Trichinenkrankheit in Plauen 1863, Bericht in Schmidt's Jahr- bchern 1863. lU. p. 188., recensirt in Wagner's Archiv der Heilkunde. IV. p. h~h. 4) Gazette medicale 1863. XVIII. aus Davaixe : bservations p. 174. 5) ViRCUw's Archiv. XXV. 1S62. p. 399. 32 T)ie Gesrhichfc der Kennfniss von den TrUlilnen. lieitserscheinuiien , Avolclie mit Mitte April begonnen hatten: Anfangs die auf- fallende ScliAvclie in den l>einen mid die starke Sclnnerzliaftigkeit der Wa- denmusculatur , der Mangel eines initialen Frostes; dann die Steigertmg des Muskelschmerzes, seine Verbreitung in die Muskeln der Lenden, des Rckens, des Nackens; die Hrte, Prallheit, das Schwellen der kautschukartig anzufh- lenden Musculatur; Aveiterhin die Contractur im Ellenbogen , Heiserkeit und .Schmerz beim Sprechen , gewaltige Schweisse mit massenhaften Miliarien und milchigen Hautpusteln. Uie Diagnose, aus den Symptomen gemacht, wurde durch die mit der Harpune entnommene Fleischprobe besttigt, 7 Trichinen Avaren in einem hanfkorngrossen Stckchen aus der Wade. Es wurde durch Kali incronitrimm ein medicamentser Icterus erzeugt und es trat nur langsam Hesserung ein , doch koniite der Kranke nach etwa zehn Wochen geheilt ent- lassen Averden. Die Hoffnung, im Kali picromtricum ein Mittel zu haben, wel- ches , auch sonst ein gutes Anthelminthicimi. die Muskeltrichinen durch den Icterus tdte , konnte man wohl schon nicht mehr festhalten , als spter ent- nommene Muskelproben noch lebende Trichinen enthielten. Nachdem erst die anthelminthische Wirkung dieses INIedicaments durch Waltheu' in Offenbach besttigt worden Avar , ergaben directe Versuche Fieuler's die Zhigkeit , mit welcher die Trichinen ihm Aviderstehen , Avie namentlich mit pikrinsauren Al- kalien beliandelte Muskeltrichinen noch zur Infection geeignet sind.- Die be- gleitenden ScliAveisse Avurden sehr g\it durch Circulationshemnumg erklrt, die Pustel- und Furunkelbildung am Oberkrper dem Reiz der Trichinen im sub- cutanen GeAA'cbe zugeschrieben. Die Diagnose A^on Rheumatismus soll gemacht Avcrden durch das Frei- sein der Gelenke und die Ausbreitung der Schmerzhaftigkeit , die A'on Teta- nus durch Mangel der Erhhung der Reflexerregbarkeit und des Trismus; die A'on Typhus durch Mangel des ('oecalschmerzes , des Milztumor, der Roseola, der trocknen Zunge und der ausgesprochenen Kopf- und Lungenerscheinvnigen. Im Sommer 1S()2 beschrieb Sexdler' unter dem Namen Epidemisches acutes Oedem des subcutanen Zellgewebes und der Muskeln eine Epidemie, welche seit Mrz \md April in Magdeburg und dessen Vorstdten regierte und Avelche seit IS 58 jeden Sommer beobachtet Avorden Avar. Allein in einer Vorstadt hatte ein Arzt sechszig solcher Kranke. Diese Epidemie zeichnete sich durch den qulendsten INIuskelschmerz aus, der durch kein Mittel gelindert Averden konnte. Die Dauer der Flle Avar meist 10 20 Tage, einmal ber vier Wochen; ZAveimal erfolgte der Tod , nur in einem nicht genau constatirten Avar Section gemacht AAorden. So beschrieb auch ]3ataillonsarzt Scholz^ epidemische gastrisch-rhemna- tische Fieber mit acutem Oedem des ZellgCAvebes und der Muskeln, AAelche zu Hlankenburg im Harze 1S59 1S()2 auftraten. Es Avaren hauptschlich Jger erkrankt und man schrieb das den schlechten Kasernen zu , aber die Krankheit Avich nicht mit dem Tausche der Wohnungen; der A'ermeintliche Rheumatismus A^erhielt sich ganz so Avie bei Sendler. Unter 278 Fllen 1) ViKCHOw's Archiv. XXVI. p. 221. 2) Ibidem, p. .573. 3) Deutsche Klinik. XIV. p. 201. 3. Juli 1862. 4) Ibidem. (5. December, 13. Dec, 2U. Dec. J)ic (jcfichichte der Kouifiiiss von den TrirJiinen. 33 beim [Militr waren i:^< abortiv und endeten mit 1 ;} TH<>en , zwei starben. Auch beim Civil war die Krankheit verbreitet, ein Sclmeider bekam sie drei Mal. Die abortiven Flle hatten heissen Kopf, rotlies (xesicht, ^geschwollene Auo-en; Nacken, Rcken, Glieder sclnnerzten; die Kranken erholten sich unter Schwitzen. In schlimmeren Fllen traten die Muskelschmerzen und CJontractionen mehr in den Vorderj^rund ; Oedem, Matti<>keit , Fieber, I5lut- leere, Schweisse, Gastricismus stellten sich ein, fters aucli Strun;' der Athmung. Um die hochgradig- infiltrirten Muskelbndel, gelegte Flanellbinden tliaten gute Dienste. Nachdem KjVoch ' aus Petersburg , damals deutsche Universitten be- reisend , aus dem in Plauen gewonnenen , ausfhrlicli geschilderten Krank- heitsbilde die Vermuthung gewonnen hatte, dass der Magdeburger Epidemie, Avelche genau mit denselben Symptomen verlief, auch dieselbe Krankheits- ursache , also gleichfalls eine Trichineninfection zu Grunde liege ,' und aufge- fordert hatte, das operativ nachzuweisen, gelang es Sendler- und nach ihm aucli Hagedorn wirklich, in zwei Fllen noch nachtrglich im December IS 62 in Muskelproben aus hergestellten Kranken jener Epidemie die Trichinen zu finden, whrend Scholz-', als Ende 18G3 zwei hnliclie Flle, wie er sie in den Epidemieen der vergangenen Jahre beobachtet hatte, zur Section kamen, in den Leichen keine Trichinen entdecken konnte. Um diese Zeit gab Leuckart^, indem er in einem populren Aufsatz die neuesten Entdeckungen ber die Trichinen aufnahm , auch Aveiteren Kreisen eine ^^enaue J^)elehrung ber Alles , Avas hier in P>etracht kommt. Er erklrte, einmal in einem Loth ber 1()(,0()0, durchschnittlich in derselben Menge l 20,000 Kapseln gefunden zu haben. Er hob namentlich Avieder, Avie in den frheren ausgedehnteren Untersuchungen die Darmerscheinungen der ersten Tage hervor, durch Avelche allein schon eine tchtige Dosis trichinigen Fleisches bei den meisten Thieren mit. der Sicherheit eines tdtlichen Giftes Avirke. Es zeige sich Darnikatarrh oder Entzndung mit AnAvesenheit ver- nderter Epithelien, Krnerhaufen und Eiterkrperchen auf der Schleimhaut; zuAveilen sei der ganze Darm mit Avssriger oder eitriger Flssigkeit gefllt. Die Unterleibserscheinungen sind von den meisten anderen Autoren nicht fr so bedenklich erachtet Avorden , es scheint allerdings die Menge der Darm- tvichinen fr sie von entscheidender Bedeutung. Leuckart hatte damals auch schon Versuche gemacht ber die EinAvirkung der geAvhnlichen P)ehandlimg des Fleisches auf die Trichinen. Mit Kaninchenfleisch, Avelches ZAvei Tage gesalzen und drei Tage geruchert Avar, sowie man Schinken zu behandeln pflegt , gelang es immer noch eine massige , mit daraus gemachter , fnf Tage gerucherter CervelatAvurst eine starke Infection zu erzeugen. Leuckart schlug zur Erkenntniss der Trichinen dabei die sogenannte Kaliprobe vor. Ein Stck- chen Fleisch durch einen Tropfen kaustisches Kali in eine durchsichtige schlei- mige Masse verAvandelt, lsst leicht die darin enthaltenen Trichinenkapseln 1) Zeitschr. f. wiss. Zoologie. XII. p. 255 v. 22. Juli 1862. 2) Deutsche Klinik. XV. 186:5. l. Jan. 3) Ibidem. 12. Septbr. p. :iGl. 4) Die neuesten Entdeckungen ber menschliche EingeAveidewrmer uiul deren Bedeu- tung fr die Gesundheit. Unsere Zeit 18G2. p. 027. Page 11 Stecher, Die Trichinen. 5 34' Die Gesehiehte der Kemitniss von de)) Trichinen. mit blossem Auge erkennen und ist fr Laien dem Gebrauche des INIikroskops vorzuziehen. Wir sind nicht im Stande, allen weiterhin beobachteten Einzelfllen und Epideniieen genauer zu folgen und mssen uns begngen, das Wichtigste hervorzuheben. In Calbe an der Saale Avurde die Krankheit von G. Simon und Herbst beobachtet.^ Von ;iS Kranken starben S. Fr die oben erAvhnte , jhrlich zwischen 1S59 und 18G2 in Blanken - brg am Harz wiederholte Epidemie lieferte nun auch Griepenkerl'- 1SC4 den nachtrglichen Beweis , dass sie den Trichinen zuzuschreiben sei , indem er eine Muskelprobe aus dem Arme eines Forstgehlfen aus Knigslutter ent- nahm, in welcher fnf Jahre nach der Erkrankung die Kapseln noch durcli- sichtig, die Verkalkung unvollstrulig und die zahlreichen Trichinen lebendig gefunden wairden. Als die Ursache wurde rohes Schweinefleisch, sogenanntes Klumpfleisch, angegeben. Eine im Jahre 1860 in Stolberg am Harze beobachtete Epidemie von ber zwanzig Erkrankungen , zunchst in einem Hausstnde , dann Aveiter ver- breitet, wurde 18G;'> von FiciNus-', Avenngleich ohne objectiven Naclnveis, doch nach den Symptomen als Trichinenepidemie erkannt. Es Avaren unter der Zunge Aveissgelbe Krnchen gesehen Avorden, deren Deutung jedoch nicht sicher Avar. So gelang es leider auch nicht durch die vom Arzte an sich selbst vorgenommene nachtrgliche Harpunirung die Begrenzung des nach den Symp- tomen inizAveifelhaften leAveises zu liefern, dass die von Frnkel ^ im l)e?ember 1 8 1 in W e r m s d o r f und G u s t e n bei Dessau beobachtete Epidemie a^oii vierzig Fllen eine Trichineninfection gcAvesen sei. Eine Epidemie in J^urg bei Magdeburg Avird nach neuerlichen Mittheilunge] i citirt, desgleichen eine aus Eisleben 1803. Das Jahr 18(53 brachte ferner Nachrichten ber Epidemieen auf Rgen. Landois^, Avelcher schon 1858 die Trichinen A'erkalkt in einer Ijeiche zu Stral- sund gefunden hatte, erfuhr, als er sich auf jener Insel aufhielt, dass im Jahre 1861 daselbst eine Reihe von Erkrankungen geherrscht habe, Avelche durchaus an Trichinen erinnerte. Jetzt brach eine ZAveite Epidemie aus und dieselbe Avar nach den Berichten des Physicus Wentzel ohne Zweifel eine Trichinenerkrankung. In dieser Epidemie starben von zwanzig Erkrankten ZAvei und gerade die Frauen, Avelche bei einer Schlchterei die Wrste ge- macht hatten. Es gelang Landois in solcher Wurst die Trichinen nachzuAveisen. Da man mehrfach, den BeAveis fr die Richtigkeit einer nachtrglichen Deutung einer Epidemie nach ihren Erscheinungen als TricJiinenerkrankung hatte liefern kvmen , glaubte auch Hollstein " avis Frth eine von ihm unter dem polnischen Corps des Rybinski 1831 nach dem Uebertritt auf preussi- schen Boden betracditete massenhafte und sehr verderbliche Erkrankung so 1) Preuss. Medicinal-Zeituiig 1SG2 (:}8 39). 2) Deutsche Klinik 1S4. XVII. p. 101. 3) Preuss. Vereins-Zeitung. jN. F. VI. S. 1863. 4) Ibidem. VI. !<'> u. 17. ls(;;;. .")) Deutsche Klinik 1SG3. XV. j). 'ISS v. 24. Jan. u. p. Ti) v. 21. Febr. 0) Ibidem, p. 14U y. 4. April. Die Geschichte der Kemitniss von den Trichinen. 35 auffassen zu knnen. Das -weit i^i-ssere , colossale Oedeni und der Manj^el des JVIuskelsclvnierzes lassen diese Annahme jedoch als inif^ercehti'ertigt er- scheinen. Ein V()nTi'iNGi'-i> ' in Hanihurj;' beschriebener Fall hat ein hervorragen- des Interesse , Aveil das die Infection verschuldende Schwein in so sehr grosser P^erue gelebt hatte. Ein Schiffsjunge von einem in Hamburg angelangten Schiffe wurde am I (1. April ins Hospital gebracht und hatte noch flssige Stuhlansleerungen, wahrend die Schmerzen in den Waden und die Prallheit der Muskeln schon eingetreten war. Weil sich kein Oedem zeigte, wurde die Krankheit nicht erkannt. ])er T(jd erfolgte am 21. und in den Mnskeln faiul Timm eine grosse Menge nicht eingekapselter Trichinen. Auch im Darm Avnr- den Trichinen nachgeAviesen. Ein von Valparaiso mitgebrachtes Schwein Avar am 1. April auf dem Schiffe geschlachtet worden und es war danach auch ein Matrose angeblich am Tj^ihus erkrankt und gestorben, der Schiffszimmer- mann dagegen an Diarrhoe erkrankt und genesen. Im Salzfleische von jenem Schweine Avurden die Trichinen nachgeAviesen. TNGEL- reihte daran die nachtrgliche Betrachtung einer kleinen Epi- demie zu Hamburg aus 1851. Nach dem Gensse Vou, als nicht gut bei der Einsalzung gerathen, billiger verkauftem Schweinefleisch AAar eine Eamilie von neun Personen und die Katze erkrankt. Die beiden Eltern und ein Ge- hlfe starben , die Katze Avurde als sehr elend erschlagen. Mit Ausnahme der Frau, Avelche nach ausdrcklicher ErAvhnung kein Oedem gehabt hatte, A\ird ziemlich allgemein Oedem angegeben. Es lag nun nahe, auch fr ltere Flle, in Avelchen im Gensse A^on ScliAveinefleisch das Motiv der Erkrankung angenommen Avorden Avar, die eigentliche Krankheitsursache Aveniger in den chemischen Qualitten, als in der GegeuAvart der Trichinen zu suchen. Die so vielfach in der Literatur aufgefhrten Flle von Wurstgift Avurden mehr oder Aveniger fraglich und mit Recht hob Tngel namentlich eine von Kopp' mitgetheilte Epidemie herA^or, AA^elche im Jahre IS31 sich in Nie der mitlau in der Provinz Hanau ereignete. Es waren dem berhmten Arzte selbst da- bei mehrere AbAveichungen vom geAvhnlichen Gange aufgefallen. Zuerst, dass, Avovon sonst ihm kein Fall bekamit, das Wurstgift sich in BratAvrsten erzeugt hatte, zAA'eitens dass die Vergiftungserscheinungen erst nach vierzehn Tagen, selbst nach vier Wochen auftraten, und dass von 50 Kranken, die freilich alle Avegen schlechten Geschmacks der Wrste Avenig davon genossen hatten , keiner starb, endlich dass die Kinder Aveniger heftig ergriffen Avurden. Die Beschreibung der Symptome stimmt sehr gut mit Trichinenvergiftung ber- ein , nur ist von Schmerzhaftigkeit Avenig die Rede. Sehr rasch erkrankte Hunde erholten sich nach heftigem Erbrechen. J)ie Wrste Avaren nur zAvei Tage geruchert, nicht A^orher gesalzen und sehr unvollkommen ge- braten. Da auch der Metzgerlehrling nach dem Genuss der in Gelnhausen gemachten Wrste erkrankt Avar, so kann etwaige Verderbniss ber dem Trans- port vor dem Ruchern in Niederraitlau Avohl die Ursache des schlechten Ge- schmacks fr diesen Tlieil der Wrste , aber nicht die einzige Ursache der 1) VniCHOAv's Archiv. XXVII. 1^63. p. 421. 2) Ibidem. XXVIII. J8(;3. p. :5!)1. 3) Kopp, Denkwrdigkeiten in der rztlichen Praxis. III. p. "o. Wurstgift. 5* 3 Die Geschichle der Kemitniss von den Tri ein neu. schdlichen Wirkung gewesen sein. Der erste Arzt liatte die Wrste \\egen des spteren Eintretens der Erscheinungen fr ausser Betracht erklrt und die Krankheit fr ein gastrisch-rheumatisches Fieber gehalten, so dass doch viel- leicht die Muskelerscheinungen mehr hervorstechend gewesen sind, als das die von dem (bedanken der Wurstvergiftung beherrschte Krankheitsschilderung Kpp's anzeigt. HusEMA>'N ' hat spter der Diagnose der Trichinenkrankheit von Wurst- vergiftung eine grssere Aufmerksamkeit geschenkt und nachgewiesen, dass gewiss nur iuisnahmsAveise die lteren als solche beschriebenen Flle hierher zu ziehen seien. IJei Wurstvergiftung fehle Fieber , die Haut sei khl , der Pulsschlag schwach, Lhmungen und nervse Erscheinungen berwiegend, whrend EiPi'RECHT besonders das doch auch bei Trichinenerkrankung nicht seltene Fehlen des Oedems an Augenlidern und Gesicht hervorhob. Aber ein sehr viel lterer Fall, in Wrttemberg beobachtet vmd von Jon. Michael Feiir^ 1675 mitgetheilt, scheint doch hierher zu gehren. Die ganze Familie eines IJauers war acht Tage nach Verzehren eines kranken Schweines fsits morhida et ad rollum fumefuetaj erkrankt, obwohl das Fleisch gesalzen und hart geruchert worden war und erst nach drei Monaten verspeist Avurde. Der Bauer selbst und sein zwlfjhriger Knabe waren gestorben. Fehr knpft daran das Verlangen einer sorgfltigen Fleischschau. Da, was sonst nicht ge- whnlich , beim Schweine die Erscheinungen so auffllig gCAvesen waren, wrde hier eine besonders heftige Trichinenerkrankung des Thieres anzunehmen sein, welche hinlnglich viele Trichinen die Zubereitungsproceduren berstehen Hess. So hat auch Wagxer'* eine Vel-giftungsgeschichte von 28 Individuen nach einem Gastmahle in der Nhe von Oschatz im Jahre 1S4S, wobei man am meisten an Kupfer gedacht zu haben scheint , nachtrglich Avohl mit Recht auf Trichinen ])ezogen. In einer hchst interessanten Weise gelang es Langenbeck, in den Tri- chinen die [Ursache einer lngst vergangenen rthselhaften Erkrankungsreihe nachziiAveisen. Der berhmte Chirurg exstirpirte ein Epithelialcarcinom im tri- gonum eervieale Anfang oNIai 1863. In den anhngenden luskeln fanden sich Trichinen. Es ergab sich , dass der Patient nebst sechs Genossen bei Gele- genheit einer Schulvisitation im Jahre IS45 in einer Provincialstadt Sachsens ein Frhstck genossen hatte , nach Avelchem alle Theilnehmer unter jetzt Avohl verstndlichen Erscheinungen scliAver erkrankt und vier Theilnehmer gestorben Avaren. ZAvei andere Visitatoren, Avelche niu- Wein getrunken, Avaren verschont geblieben. Man hatte den Verdacht einer Vergiftung mit einer ZAveiten Sorte Wein gehabt und der Wirth Avar durch Untersuchung und unauslschlichen Verdacht zu Grunde gerichtet Avorden. So bekamen die Trichinen auch eine Stelle in der gerichtlichen Medicin.'* 1) Deutsche Klinik 18()4. VIII. p. 7. 2; ^liscellanea curiosa medico physica academiae naturae curiosonim ])ec. I. ann. VI. 1077. observ. 191 : de noxa carnis animalium aegrotantium p. 269. :i) Wagnku's Arehiv Isill. V. j). 27S. 4) Deutsche Kly,iik ls(;:{. XV. ]). 24(1. 13. .Juni. IxX'KE in Caspeu's Vierteljahrsschrift 1864. XXV. p. 102. . Die Geschichte der Kenntnias von den Trichinen. 37 Eine Gegend nach der andern meldete nnterdessen frische Trichinen- erkrankinifi,en. Eosenthai, ' heohachlete sie hei einer P'amilie in Kerl in. Behrens beschrieb- eine kleine Epidemie, Avelche im Mrz 18G;^ in Qned- linburg ausj^ebrochen war. Acht Ta*ie nach Oennss von Schweinefleisch kamen erst in einer Familie vier rheumatische Erkranknngen vor, danach er- krankten noch mehrere andere Menschen , welche auch davon ^ej^essen hatten und eine Frau starb. Ein Schinken, Avelcher noch zur Untersuchung;' gebracht werden konnte, zeigte sich massig besetzt mit eingekapselten Trichinen. In Falkenstcin Avurden von Hvscher und Pinthek' drei Erkrankun- gen in einer Familie und zugleich der des Fleischers beobachtet. Unter dem Vorwande , ein Fontanell zu setzen , wurde dem Fleischer ein Stck aus dem htceps genommen und die Trichinen darin nachgewiesen. Dieser Fleischer hatte Fleisch gegessen , Avelches acht Teige im Salze gelegen hatte , dann leicht geruchert aber nicht gekocht worden Avar. An Mittheilung dieses letzten Vorfalls knpfte Knigsdrffer einen Be- richt ber eine ZAveite Epidemie zu Plauen im Voigtlande. Dieselbe Avar viel milder als die frhere. Das Fleisch eines am 22. August geschlachteten SchAveines AA'ar besonders zu KnackAvrsten verAvendet Avorden. Die Erkran- kungen traten vom 15. und l(j. September an ein, es starb Niemand, auch Avurde der Nachweis auf operativem Wege nicht gefhrt. Wie die Aerzte, Avelche angeblich in der ersten Epidemie die Darmtrichinen gesehen hatten, jetzt im Zweifel sein konnten , ob sie Darmtrichinen oder Oxyuris vermicidaris im Kothe gesehen htten , begreift man nicht. Das Oedem der Augenlider, Avelches Behrens nie fand, kam in allen Fllen vor. Das SchAA-ein muss Avohl scliAvcher trichinig geAvesen sein. Als bei einer erki-ankten Frau Abortus er- folgte, Avurde der Foetus frei von Trichinen gefunden. Die Zahl der Erkran- kungen betrug an 21. Eine Reihe von Erkrankungen in Posen nach dem Gensse von ScliAveine- fleisch glaubte Samter^ ebenfalls den Trichinen zusclu-eiben zu mssen. Vom 30. August 1863 an erkrankten 40 bis 50 Personen; zuerst eine Brauerfamilie von 7 Personen , A^on denen der Lehrling schon am Tage nach dem Genuss des Fleisches krank AA'urde. Das genossene Fleisch Avar anderthalb Stunden ge- kocht Avorden. Eine Harpunprobe blieb ohne Resultat. ^^on den anderen Personen hatten mehrere Cervelatwurst von demselben Metzger bezogen. Unter den zahlreichen Fllen verschiedener Familien traf keiner auf streng rituelle Juden, Avelche doch einen Avesentlichen Antheil der Bevlkervmg von Posen ausmachen. Es erklrte bei dieser Gelegenheit Betschler in Breslau 1858 eine ganz hnliche Epidemie gesehen zu haben, Avelche er sich nun deuten konnte. In Breslau konnte dann auch im October 1863 in Bethanien ein ent- sprechender Krankheitsfall bei einer Dienstmagd durch Methner-^ vermittelst 1) Deutsche Klinik 1S63. XV. p. 240. 13. Juni. 2) Ibidem p. 293. 25. Juli. 3) Ibidem p. 460. 21. November. 4) ViRCHOAv's Archiv. XXIX. 1864. p. 215. 5) Allgemeine medic. Centralzeitung. 1S63. XXII. p. 'J59. 38 ^?*lpibe eutschieden Averden. Uebcr in Jena beobachtete Flle haben Setdel lind Siebert berichtet. ' Wir haben einigte weitere Untersiichuiifien ber die Trichinen , welche neben den lieobachtiing'en der von ihnen veranlassten Krankheitsflle hergin- gen, hier nachzutragen. Es "war Zenker und Fiedler gelungen, die Embryonen in dem I5lute eines mit trichinigem Fleische geftterten Kaninchens nachzuweisen, - und sie machten davon der Pariser Akademie iNIittheilung. ()RUO>'?fEZ'' sprach sich fr die Einfachheit der Cysten aus. Derselbe sieht die weibliche Geschlechtsifnung der Muskeltrichine etwas hinter dem letzten Drittel. Es ist danach klar, dass man seiner IJeschreibung eines in einer durchsichtigen Scheide liegenden cylindrischen Penis nicht viel Zutrauen schenken darf. Davaine , ^ Avelcher in Frankreich vorzglich mit den deutschen Ent- deckungen bekannt machte , stellte auch selbst Versuche an. Nach denselben und den Ergebnissen anderer Forscher bewcjhne die Trichine nur den Dnn- darm, Avas irrig ist. Er experimentirte auch mit ]Meerschweinchen, ftmd nur bei starker Infection zAvei bis drei Trichinen in derselben Cyste. Wie Vir- C'How fand er, dass sie dem Wasser Aviderstehen und fand sie in demselben theihveise noch nach einem JMonat lebend. Entgegen den Pehauptungen an- derer Autoren schilderte ])aaaixe die Lebenszhigkeit der Danntrichinen Aveit geringer und Avir mssen ihm vollkommen beipflichten. Sie Avaren schon sechs Stunden nach dem Tode des Wohnthiers im Darme todt und starben in l "/o Pottaschenlsung, und ebenso leicht gingen die Embryonen zu Grunde. Die Zellumhllung des zAveiten Darmtheil-s , des Dnndarms , bezeichnete er als Leber, den ersten Abschnitt als Oesophagus, den dritten als Rectum. ZAvischen den Haken des lnnchens sollen zAvei hutige Theile in Form eines V den Penis bilden. Lnge der ^Mnnchen sei 1 '4 , der Weibchen 3 4 mm. , die Darmtrichinen leben G 7 Wochen. Peim Sperling fanden sich die verftterten Trichinen am andern Tage ganz uiientAvickelt im Darm, Frsche ergaben kein Resultat, bei Taube und Huhn fand sich nach .')() Tagen kein Resultat. Nach Sumacher (? sollen sich die Trichinen auch beim Pferde und bei W^iederkuern entwickeln. Nur Avenn die Mnnchen Avirklich Spiculae htten, Avre die A er- einigung mit der Gattung Pseudcdius, Avelche er Aorschlgt, thunlich. Wenn die oben mitgetheilten Flle gengt hatten , zu zeigen, dass die Trichinenerkrankungen local Aveit verbreitet seien und dass sie schon seit ge- raumer Zeit eine Avenn auch frher verkannte Plage der Menschheit bildeten, so Avar doch durch die nicht eben bedeuteiule Anzahl von Todesfllen in so verbreiteten Epidemieen die durch den ZENKER'schen Fall angeregte Besorgniss eher etwas beruhigt Avorden. Die Zeit vom Herbst 1863 bis zum Frhjahr 1S64 dagegen brachte eine Epidemie, Avelche die Krankheit in einem viel schrecklicheren Charakter er- 1) Jenaische Zeitschr. fr Med. u. Nat. ]*^()4. I. u. Sikbekt, Ueber Trichinenkrankheil und ihre Vermeidung. 2) Gazette medicale 1S0:5. XVIII. p. 143. 3) Ibidem, p. (i57. 4) Ibidem, p. 5S, 75, 130, 174. Die Geschichie der Kennlmss von den Trichinen. 39 scheinen Hess. Es Avav dies die Kpideiuie oder Endemie von llettstiidt, welche, wenn auch sonst manclierlei SehAvclien gergt werden kcinnten, docli was das Krankheitshikl hetritf't in einer sehr k^hendigen nnd fruchtbringenden DarsteUung- von Rupprecut' gesckikkn-t wordiMi ist, nnd in weklier die meisten Tncidenzpnncte in einer geeigneten Weise besprocken Averden. E.UPPRECHT katte dieselbe sckon ISl auf 18()2 in einer Reike von 20 Erkranknngen beobacktet, Avelcke er nacktrglich herziehen zn mssen glaubte nnd selbst fnf Wocken krank gelegen. Es war damals kein Todesfall einge- treten, als aber spter eine Probeexcision gemackt Avurde, fand die nacktrg- licke Diagnose IJestiitignng. So Avnrde eine nene Epidemie, Avelcke im Octo- ber 1S63 nack einem grossen Festessen fr die l^eipziger Scklackt anfing, sofort erkannt. Sie begann mit IJreckdurckfllen nnd andern gastriscken Ersckeiniur- gen, es folgten Oedem der Angenlieder, Mnskelsckmerzen, ScliAverbeAveglichkeif der etAvas gescliAv eilten Glieder, profuse ScliAveisse. In der ersten Epidemie Avar anck Trismus beobacktet Avorden. Das Wesen der Erkranknng fasste zuerst CoLKERCi ans Halle als traumatiscke , reactive Myositis anf , die spter zn voll- stndiger Regeneration der kleinzellig zerfallenen Primitivbndel zurckkekrt. Anck Avies er die emboliscke Natnr der trickinsen J'neumonie ZAveifellos nack. Derselbe fand dann anck, nackdem anfangs von den Lebenden das Harpuniren verAveigert Avorden Avar, bei der Section die Trickinen und es besttigten nackker Proben von liebenden die Diagnose. Virchoav erkannte an den Muskeln eine usserst kockgradige Entzndung' des intermusculren RindegeAvebes. Es Aviuxle nun eine einzige Metzgerei und in dieser ein am (!. October gescklacktetes ScliAvein als der Ausgangspiuict der Epidemie nackgCAviesen und in der ScliAvarteiiAvurst nock Trickinen aufgefmulen. Wenn der Verfasser sagt: die Wrmer seien bis 12 mm. lang, die Em- bryonen Avrden nack Avenigen Stvniden gescklecktsreif , Avanderten am vierten Tage in die Muskeln, Avrden Muskeltrickinen inid kapselten sick A'on der fnften Wocke ab ein, so sind das die Avesentlicksten von den Irrtkmern, Avelcke vniserm oben gemackten Aussprudle zu (Jruiule gelegen kaben. Es ergab sick, dass einige Kranke Avakrsckeinlick durck zufllige Reimisckung- inficirten Fleisckes zu auf dem gemeinsamen Hackklotze verarbeiteten Rind- fleiscke angesteckt Avorden Avaren, dass Andere durck Fleisck erkrankt Avaren, Avelckes dock auf die geAvknlicke Weise gekockt Avorden A\'ar. Zu den A^on Rupprecht selbst in Hettstdt beobackteten Fllen kamen daselbst nopk \o \td\\ Caesar und 5 von Kegel, ferner I im Militrlazaretk von Asckersleben, 3 gleicke von Sangerskausen , 1 von Laiback, 2 von M ans fei d, Avelcke alle sick in Hettstdt inficirt katten. Im Ganzen kamen auf 159 Erkrankungen dieser Hettstdter Epidemie 2S Todesflle. Die Krankkeitsersckeinungen werden ganz passend nack Ingression, Di- gression imd Regression eingetkeilt. Die Hauptersckeinungen des zAveiten, scliAvereren, mit dem siebenten Tage beginnenden Stadiums sind an dem Auge LidscliAvellung , (Hiemosis, Conjvnictivalkatarrk, licktempfindHckkeit mit l^upillarerAveiterung ; Aveiter Fieber, oknmachtartiger ScliAvindel, Muskelsckmerz, ScliAvellung und ScliAverkeAveglickkeit. Die Unterleibsersckeinungen kngen 1) B. RUPPRECHT, Die Trichinenkrankheit im Spiegel der Hettstdter Endemie be- trachtet. 1864. ' 40 Die Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. vom Grade der Infection ab. Es Aviirde Decubitus beobachtet, in der Recon- valescenz soll eine ausserordentliche Rejuvenescenz stattfinden. Nach 72 Tagen konnte Rpprecht die Kapseln weder mit dem blossen Auge, noch mit der Loupe sehn , in der elften Woche fand er ebenfalls nur an den Spitzen der Kapseln undurchsichtigere Anhufung von Kalkpartikeln und Fettzellen. In den Muskeln komme die Trichine in dem Bindegewebe und den l^rimitivbndeln vor ; sie veranlasse einen Reiz, eine bermssige Ansammlung von Nhrmaterial, Theilung der Kernkrperchen, Kerne und Zellen, feinzellige Wucherung und Zerfall des Gewebes in den Endelchen und gleiche Degene- ration im Bindegewebe. Nach Ablauf der dritten Woche trete eine rck- schreitende Metamorphose der Zellen ein , durch Granulation , Verfettung, Membranverlust zu fettigem Detritus und Resorption. Unterdessen wird das Sarcolemma, in dessen Lichtung die aus der Wuche- rung des Syntonin hervorgegangene Masse besonders gedrngt und consistent die Spiralen des Thiers vimgiebt, dickwandiger. Es zieht sich oben und unten durch Sclnvund des Inhalts und Druck der Umgebung zusammen. Zuletzt soll die Hlle selbst unter Neubildung eines bindegeAvebigen Narbenstrangs schwin- den. Dann kommt die Infiltration und Incrustation mit Kalk, aber nach zwei Jahren sind die Cysten noch vollkommen durchsichtig. Die V erkreidung ist das Ergebniss eines regressiven Processes im Wirthe , das Cocon wird nicht vom Thiere gebildet. Dazu tritt endlich die Fettablagerung. In diesen Mit- theilungen folgte der Verfasser im Allgemeinen der ausfhrlichen Arbeit Yir- CHOw's aus dem gleichen .lahre, und so sind die Stze das Reste, was wir ber pathologische Anatomie der Trichineninfection haben. Auch bei einer Katze, die nach Genuss von V4 Pfund des trichinigen Fleisches erst an lebhafter Diarrhe erkrankt, nach 50 Tagen jedoch sehr gut wieder hergestellt war, fand sich eine massige Infection, besonders der Augen- muskeln. Eine ganz irrige Yermuthung Rupprecht's ist es, dass bei dem Gensse trichiniger Speise solche Trichinen, die noch nicht eingekapselt sind, direct in die Zunge berwandern knnten. Vielleicht ist dagegen die Bemerkung von Wichtigkeit, dass fr den ^laassstab der A'ertheilung der Reichthinn an P>inde- gewebe entscheidend sei. Die Wanderung durch's Blut weist Rppreciht zu- rck. Steigerungen der Krankheit, wie sie whrend deren Verlauf zuweilen ein- ti'aten, wurden neuen Einwanderungen zugeschrieben inid anscheinend durcli die Behandlung mit Calomel und Ricinusl vermieden. Dabei wrde im Stuhl- gang ein Weibchen und vielleicht Embryonen entdeckt. Im Uterus des Men- schen und der Katze und im Foetus fanden sich keine Trichinen. Noch bevor die Muskelenergie ihr altes Maass Aviedergewonnen hatte, trat bei den Reconvalescenten eine Neigung zur Fettdeposition ein, doch Avurde es als mglich gedacht, dass der dauernde Reiz diuch die Kapseln eine Nei- gung zur Cancroidbildung veranlassen knne, in Avelcher Beziehung den Fllen A^on IIiLTON und aus der LAXGENBECK'schen Operation einer von I^lasius ge- sellt Avurde. Solcher Reiz entstehe dadurch, dass die Trichinen in ihrer Kapsel noch dauernd aus der Nachbarschaft Nahrung beziehen, Avt^bei dann die Ansammlung solchen Materials die brunliche Frbung des Zellkrpers alter Kapseltrichinen veranlasse, sowie durch die Excremente. Die Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. 4 I Wilhvcnd Rupprecht seine Geschichte dieser E])i(Iemie niederschrieh, bv;ich im Februar I SC 1 zuniichst unter dem Personale der mit dem Ahdiuck derselben be- schiiftiii'ten Druckerei ebenfalls in IFettstdt eine neue kleine Epidemie aus. Es wiu"(len acht Menschen, dariniter auch der Metzger, und eine Katze ergriffen. Letztere starb. Bei den Menschen winden nach ('alomel in dem schleimigen sptem Theile der Stuhlgiuige viele Trichinen beider Geschlechter, sowie Em- bryonen entdeckt. Whrend das Schwein aus dem October nie auf der AVeide geAvesen war, Avar diese zweite Quelle des Unheils aus der Fremde angetrieben worden inid konnte unterwegs Muse und dergleichen gefressen haben. Das zweimonatliche Pkeln vnid Ruchern hatte die Trichinen nicht getdtet. Da ein Schwein von 2yo Jahren frische Einwanderung zeigte, so erscheinen auch ltere Schweine nicht geschtzt. Die F^pidemieen selbst bewiesen fr den Menschen, dass eine berstandene Infection nicht gegen eine neue sichert. Rupprecht dachte sich auch die Inficirung mglich durch Import trchtiger Trichinen und eben a])g(^setzter Embryonen mit Darmkoth und fand bei einem in einer trichinigen F'aniilie gefutterten Schwein zwei Trichinerdvapseln. Der Anfang der Symptome wurde in einem F^alle bestimmt auf den 7ten Tag beobachtet , whrend Fiedler meinte , dass die Einwanderung nicht vor dem loten beginne, womit letzterer gcAviss im Unrecht ist. Auch W. Mller ' aus Homburg hat an einen ihn nahe berhrenden sehr traurigen Fall aus der Ilcttstdter Epidemie anknpfend von derselben inid besonders von diesem Falle Pericht gegeben. Mit zu vielem Vertrauen auf die Mittheilungen von Herbst wurden unter die Trichinen bergenden Thiere auch von Rttpprecht laulwrfe, Krhen, Doh- len, Habichte, Krten, F" rsche aufgenommen. Fr die Regenwrmer kam noch Max LANGENBEf:K als Autoritt hinzu, welcher die Anguilluliden der Regenwrmer fr Trichinen ansah. - Es fand bei der Aetiologie auch die in die gleiche Kategorie fallende Notiz von Schacht ihre Verwendung, nach welcher die an den Runkelrben sich findenden Anguilluliden eine Quelle der Trichinen abgeben sollten. ' Andere haben das dann auf Pirantweinschlmpe * und Strkefabrikabflle '* ausgedehnt ! Eine Anzahl von Fllen, unter denen einer ebenfalls durch das berchtigte Essen in Hettstdt veranlasst worden war, wurden gegen Ende 18G3 von Wa(;- NER*' in Leipzig beobachtet, der seit er 1859 zuerst die Muskeltrichinen an einer vielleicht bald nach der Trichinenerkrankung an Lungen- und Darm- tuberculose verstorbenen Nherin sah, sie etwa bei 3 % der Leichen iui Spitale wiedergefunden hatte. Von vierzehn weitern Fllen, deren Aetiologie in Leip- zio- lag" und meist nachgewiesen Avurde , starben zwei. Einmal wurden diuch Muskelprobe im lieben , dann bei der einzigen gestatteten Section die Trichi - nen nachgewiesen. Die meist gerollten Trichinen waren im letztern Fall von 1) Lancet. Januar 'l'A. JS4. 2) Allgemeine Wiener Med.-Zeitung 1S64. Nr. 1. 3) Ztschr. fr die Rbenindustrie im Zollverein ISOl. Bonplandia 1SG2. 4) Erlass der Kegierung zu Cln. 5) MLLFiR, Allgem. med. Centralzeitung. XXVIII, l!?G4. 23. Jan. 7 St. (j) Wagxeu's Archiv fr Heilkunde. V. p. isij. Page nstec lie r , Die Tricliiuen. 42 I^^s Geschichte der Kenntniss von den Trichinen. massenhaften Kernen im Sarcolemma nmgeben , die Muskeln eher anaemisch, mrbe inul vielfach fettig entartet. Noch einmal hatte Txgel' Gelegenheit, in Hamburg ein Paar Flle zu beobachten. In beiden wui'de die Muskelprobe genommen , im zweiten jedoch erst beim ZAveiten Versuche mit gnstigem Resultat. Nie ergab die Xnter- suolnnig des Stuhlgangs Darmtrichinen. J leide Flle wurden geheilt. Die Therajjie suchte die Stuhlausleerungen zu vermehren ; die Aetiologie blieb un- bekannt. Als das sicherste Kennzeichen wurden die rtlichen Erscheinungen in den verschiedenen Muskelgruppen angesehn. ])as collaterale Oedem tritt l)ei tief unter einer Fascie liegenden Muskeln erst in der Tiefe auf, bei mit der Haut verbundenen, wie im Gesicht, ergreift es sofort das nterhautzell- gewebe. In einem von Grotu und Timm besprochenen Falle aus Altona - waren die Trichinenkapseln bei carcinomatoser Entartung des Muskelgewebes mitten in das neugebildete scirrhse GeAvebe gerathen nnd ihr FTerausfallen Hess dieses nun an Schnitten eigenthmlich diu-chlchert erscheinen. Ausser den zahlreichen ISefiniden in den Tieichen IJerlins, Avelche z. 1>. fr die in dem ("harite- Krankenhause Verstorbenen sich auf 5% beliefen, A\urde nini auch mehrfach die frische Erkrankung daselbst l)eobachtet, so in vier Fllen in Bethanien,' in deren erstem 1S()3 im Februar Rose das Pikrin anwandte,^ und wenigstens nach den Symptomen in zwei von Kornfeld be- schriebenen '. Im Mrz 1S64 brach in Quedlinburg eine Aveitere Epidemie im gros- sen Maassstabe aus , deren Heschreibung Avir Woj^if verdanken , Avelcher von den 90 Erkrankungen 40 selbst beobachtete. '' JJie Krankheitsursaclie Avar zum Theil schon in der Mitte des Februar, zum Theil gegen den 25. Februar durch den (jenuss meist geringer Mengen von rohem liratAvurstfleisch gegeben Avorden , Avelches von demselben Metzger gekauft Avorden Avar. Dieses Fleisch stammte von ScliAveinen, Avelche von einem Mller gemstet luid dabei sehr reinlich gehalten Avortlen Avaren. Der Aus- bruch der Krankheit geschah nach acht bis vierzehn Tagen, meist im Anfang Mrz. Die Sym])t()me Avaren Schmerzen in Kopf, Nacken und Waden, auch in andern Stellen der Glieder und in der Brust, nebst ScliAvellung und Hrte der Muskeln; Gesichtsdem, aufflliger Durst, ScliAvitzen , nchtliche Unruhe Avaren Aveitere Haupterscheinungen. Oft traten lebhafte Augenschmer- zen , SchAveissfriesel , Quaddeln , Kntchen iind Jucken ein. Die gastrischen Erscheinungen , sonst Avenig ausgeprgt , berAvogen in den leichten Erkran- kungen der Kinder mit Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Es erfolg- ten ZAvei Todesflle, luid man fand die Trichinen in den jNIuskeln , im Darm und Koth und im l'ericardiuinAvasser. Bei einer Teiche fanden sich mehrfache Gerinnvmgen in den Hirnarterien. Es scheint, dass man fr Quedlinburg, Halb er Stadt und die Nach- barorte ZAvisclien Harz und Huy auch in einer Reihe frherer von Akel be- 1) Deutsehe Klinik 1864. VIII. p. so. 2) ViucnoAv's Archiv XXIX. p. (is. XXX. p. 44S. 3) AUgem. med. Centralzeitung XXVlll. Is4. 2)5. Jan. 4) ViRCllOAv's Archiv XXX. 1S(')4. p. 447. 5) Schmidt's Jahrb. lS(i;i. II!). p. 1!)0. 0) Deutsche Klinik ISl. XVI. p. ll und XVIII. Die Geschichte der Kenniniss von den Trichinen. 43 pfhnchenov InfliHMi/iiepideiniceuM 'rricliinciiinloctioncu erkeiuiou niiiss. ' Die- selben bei;aiiueii IS14, /ei<>fen sich dann verein/eil, 1851 Avieder in llalber- stadl nnd llarslcl)C'n allgemeiner vom Januar an und im jNIai in Quedlin- burg'. In Ilalberstadt allein erkrankten damals ausser vielen Civilisten 30 tSoldaten und in Quedlinl)ur<>- (iO Personen. Diese ltere Reihe hat sich also in den von Hkhrens und von Wolvf geschilderten Epidemieen fortgesetzt. Der Beweis beruht jedoch luu- auf der vollen Uebereinstimmung der Symptome. Im Anfange des Sommers 18(i I hatte Hannover eine Eeihe von Trichinen- erkrankungen, welche nach den Zeitungen grosse IJestrzung erregten. In den letzten Tagen bringen die liliitter die Nachricht, dass auch in Calcutta mehrere 'rvicbinenfalle im englischen Tlospitak^ beobachtet worden sind und dass unter den Eingebornen die Trichinenkrankheit eine sehr hufige l^n-scheinung sei. Man erklrt das durch die sehr schmiitzige Nahrung der Schweine und Schafe. Solcher Verl)reitung gegenber wird es bald nicht mehr als ein Beweis gelten, dass eine Gegend von Trichinen nichts y,u frch- ten habe , wenn man noch nichts von dieser Krankheit dorther gehrt hat, sondern es wird nur daraus erhellen , dass dort das Licht der Wissenschaft noch nicht hell genug geworden ist, um dieses ohne Zweifel mit dem Men- schen, den Schweinen und den Hatten und Musen kosmopolitisch gewordene Uebel erkennen zu lassen. Man begreift nicht, wie Klencke hat glauben knnen, die Trichinen seien erst auf England beschrnkt gewesen, hatte sie Henle doch auch sclion in Berlin als ganz alten Krankheitsrckstand fast zur selben Zeit gesehn, zw welcher sie in England auftauchten; oder sie seien durch amerikanische Fleischwaaren verbreitet worden , da man sie doch in Amerika erst beim Schweine fand , als sie in Eurcjpa an zahlreichen Orten beim Menschen nachgewiesen waren. Vllig haltlose Hypothesen, um so mehr, so lange Avir noch von keinem eingebornen amerikanischen Tliiere ausser dem Meerschweinchen wissen, dass es Trichinen beherbergen knne. Dass in Deutschland bisher bei weitem am meisten Flle von Trichinenerkrankungen nachgewiesen wurden, darf hoffentlich mehr auf die Geschwindigkeit gescho- ben werden , mit Avelcher die neuerlangte Kenntniss der Krankheit verbreitet wurde, als auf den hufigem Genuss des Schweinefleisches, die unvorsichtigere Behandlung desselben oder die Art der Schweineftterung. Am Schlsse des dritten Capitels unseres geschichtlichen Ueberblicks haben wir der Vorschlge zu gedenken ber Mittel und Wege, Avie die als so schAver erkannte Seuche mglichst abgehalten und unschdlich gemacht werden knne. Die betreff'emlen Mittheilungen sind zum Theil fr sich, zum Theil unter- mischt unter solchen Materien gegeben worden, deren Avir schon frher erAA'hnten. Nachdem einmal das SchAvein als mgliche Quelle der Trichinen fr den Menschen erkannt Avar, Avnrde es mit Recht auch bald als die geAvhnliche be- trachtet und fac tisch ist bisher keine andere uachgeAviesen. So bildete dies Thier sofort den !Mittelpunct aller Vorschlge , und es ergab sich die Aufgabe , die ScliAveine vor der Krankheit zu l)eAvahren, damit sie dieselbe nicht auf den Men- schen bertrgen, sie an ihnen zu erkennen und das Publicum gegen die lu- fection durch sie zu schtzen. 1) Preus.s. Vereinszeitung. XV. 1857, u. N. F. VI. 3. 1863. Schmidt' Jahrbcher 1863. 119. p. 189. 6* 44 ^'^ Geschichte der Kcnntniss von den Trichinen. lu J IctrcfF der luficiiung der Sclnveine lajjf in dem Ex])erimeute Leu( kart's, nach welchem ein Schwein durch trichinenhalti^en llundcdarm im hchsten Grade erkrankt Avar, ein schAveres Prcedenz vor. Es scheint, dass dieser Versuch bisher gar nicht nacligemacht wurde, aber um so mehr fast stereotj-p aus ihm alle CJonsequenzen und auch noch mehr, als in ihm begrndet sind, gezogen Avorden sind. Es Avar doch immerhin noch denkbar, dass jene Infection von Thei- len des Inhalts des obern Abschnitts des Verdauungscanais herrhrte, in Avelchen die Trichinen noch Avenig entAvickelt Avaren , aber man hat hernach fast allge- mein die Intcctionsmglichkeit durch entleerten Koth mit Trichinen acceptirl. Auch VoGE].,' Avelcher behauptet, dass man durch lebende l^armtrichinen sehr rasch und sicher eine Ansteckung bcAvirke, giebt nicht an, ob seine Angabe auf Aveiteren Versuchen beruhe; er sagt Avieder an einer andern Stelle, das Trichinig- werden (Uucli Darminhalt kme scliAverlich so oft v(jr , als Manche glaubten. Der letzteren jMeinung ist auch Haitbner;'- obAVohl er in einem Falle eine Selbstinfeclion eines SchAveines mit dem Kothe der mit ihm zusammen leben- den annehmen zu mssen glaubte , denkt er doch , es sei die Infection mit Darmtrichinen eine seltene und sparsame. Die Ergebnisse unserer Versuche in lietreff dieses Puncts berechtigen zu der Annahme , dass eine solche In- ficirnjr fr iieAVhnlich nicht stattfinden Averde , und Avir AVoUen deshalb nicht nher die auf die Annahme derselben begrndeten Vorschlge, die ScliAveine von den Dngergruben, ('loaken u. s. av. fernzuhalten, besprechen. So Avich- tig dergleichen fr die Tnficirinig mit Finnen ist, so kommt es doch hier Avahi'- scheinlich nur in JJetracht, soAveit an solche Stellen geradezu todte Thiere oder deren Fleisch o-eworfen Avird. Die Infection der ScliAveine durch den Genuss des trichinigen Fleisches kann unbedingt vermittelst aller der Thiere zu Stande kommen , Avelche die Trichine in ihrem Fleische beherbergen knnen. Es hat bisher Niemand nach- geAviesen, dass die Trichinenembryonen in Thieren ausserhalb des Darmcanals A^orkommen, in Avelchen sie nicht auch im Muskelfleische vollkommen erwach- sen knnen. Wohl aber haben die luis A'orliegenden Untersuchungen ergeben, dass einige Thiere ZAvar die Darmtrichinen entAvickeln, aber dass die Embryo- nen sich nicht im Krper verbreiten und Muskeltrichinen bei ihnen nicht ent- stehn. Die Untersuchungen haben auch noch dabei fr die EntAvicklung der Trichinen im Darm verschiedene Grade ergeben. Der hhere Grad der dabei mg- lichen EntAvicklmigsstufe hat aou dem Augenblick an einen geringern Werth, dass die Darmtrichinen und ihre junge ]^)rut nicht oder AAcnig bertragbar erscheinen. Es Averden nun im (Tegentheil die Thiere eher gefhrlich sein, Avelche jMuskel- trichinen, ohne sie aus den Kapseln zu lsen und zu entAvickeln, einige Zeit im Darme beherbergen und in diesem Zustande, Avenn sie selbst gefressen Averden, bertragen knnen. Wir haben also vorzglich in der Literatur zu untersuchen, \\\Q Aveit Avirklich die AnAvesenheit von Muskeltrichinen bei verschiedenen Thieren verbrgt ist. Die Nachrichten, Avelche auf mangelhafte Unterscheidung der Tri- ehina spiralis gegrndet Avorden sind , Avurden dabei vielfach nachgeschrieben und haben viel Irrthum und VerAvirrung gestiftet. 1) Vogel u. Beneke's Archiv 1S64. I. p. 26. Vogel, Die Trichinen. 1S64. 2) Haubner, Ucber die Trichinen. 1S(')4. p. 20. Die Geschichte der Kouidiiss von den Trichinen. 45 Wir haben in IJctrefF des Vorkommens der Triehinen bei Thieren dem oben zerstrcnt Erwhnten noeh Einiges bei/n filmen . Lkuckaki' ^ehmg es, Mnskel- tricliincn beim Schueine, beim Ilnnde nnd 1)eim Kaninclien zu erzielm und er fand sie wiederhoh zulallig bei der Kat/e. Er sah Darmtriehinen bei dem Marder, der Katze, der Hausmaus, dem Schafe, (k^m Kalbe, dem Huhne, der Taube. Kei der letztern wiu-den sie jedoch nie geschlechtsreif. Da ein Theil der letztgenann- ten Tliiere nach sehr reichlicher Ftterung" an Darmerscheinungen zu Grunde ging, so ])liel) vielleicht noch Aussicht, unter gnstigen Umstnden aiicli bei diesen jMuskeltrichinen zu erhalten; Leuckart nannte spter noch die Katte den Tri- chinen unterworfen. Davaine hat gelungene Versuche am JNIeerschweinchen und der Eatte, misslungene an Taube, Jluhn, Sperling und Frosch gemacht, und er erwhnte, wie oben angefhrt, dass nach Sumacher [i] beim Pferde und den Wiederkuern Trichinen vorkmen, ohne zu sagen, in Avelcher Weise. Claus experimentirte wie schon erwhnt mit Kaninchen und iNIeerschwein- chen mit Erfolg, Turner mit der Katze. Fiedler- ftterte Kaninchen, Schweine, Katzen und endlich ein vSehaf mit Erfolg, erzielte bei einem Hahne Darm- trichinen und hatte keinen Erfolg bei Fledermusen , Hunden , Tauben und einem Finken. Leisering und Fiedler beobachteten die Aufnahme von Trichinen nt dem gefressenen Fleische in Fliegenmaden. Die Trichinen Avurden aber von den jNIaden mit verdaut und man vermochte nicht, mit solchen Maden Kanin- chen zu inficiren. Doch, sagt Fiedler, sei dies Herisst bei Raubvgeln -ge- linigen. Vogel '^ fand die Meerschweinchen leicht inficirbar wie die Kanin- chen, bei einem Hinide sah er in dreissig Muskelproben nur eine Trichine. Erb ^ erzielte bei einem ganz jungen Hunde sparsame Muskeltrichinen. 1'robst- MAYR sah, dass bei Fliegenlarven , welche trichiniges Fleisch frassen , die Tri- chinen anfangs im Darmcanale nachgewiesen werden konnten, aber schon nach einem halben Tage Avieder verscliAvunden waren , luid dass die Verpuppung und ^Veiterentwicklung der Insecten nicht darunter litt. IJei einigen Versuchen mit Ratten w ar die Erzielung von Muskeltrichinen unvollstiulig, die Entwicklung versptet. Sollte das geftterte Fleisch jung-trichinig gewesen sein? Eine ver- suchte Uebertragung' der Trichinen durch Fliegeiimaden an Goldfische und Tritonen ergab keinen Erfolg.'' Versuche an Thieren , welche ber diesen Kreis hinausgehen, sind mir nicht bekannt gcAvorden, die Mittheilungen von Hbri'.st ber den Dachs finden sich oben, die ber das Wiesel scheinen nirgends durch Experimente gesichert worden zu sein, die ber den Mauhvurf sind von Fiedler widerlegt, die ber Dohlen, Krhen und andere Vgel, Avie es scheint, in betreff der ]Muskel- trichinen ebenso ungegrndet als die ber den RegenAvurm. In l^etreff der factischen Verhltnisse hat sich hier noch vielfach die Ueberzeugung geltend gemacht und ist an manchen Stellen ausgesprochen Avor- r Wiegmann's Archiv. Jahresbericht 1S61. p. 240. 2) Wagner's Archiv V, 1. p. 2; 5. p. 4G9; 6. p. 514. 3) Die Trichinenkrankheil. 1SG4. 4) W. Erb, Die rikrinsure. 1S64. p. 27. 5) ViRCHOAv's Archiv. XXX. 1864. p. 265. 46 Die (jreschirJite der Kenntniss von den Triehinen. den , dass die Muse es hauptschlich seien , von welchen die Schweine, die den Musen sehr nachstellen, die Tricliinen erhalten. Die Statistik der Infection (k'r Schweine durch die Trichinen hat nicht viel aufzuweisen. Es scheint nicht, dass es hisher irgendwo gelungen ist, in einem Schweine Trichinen zu entdecken, falls dasselbe nicht absichtlich mit diesen Wimern gefttert \n\^\ so inficirt war oder nicht erst durch die aus- brechende Epidemie unter den Menschen der Verdacht erweckt Avurde. vielfach haben sich die Autoren mit der P'rage abgegeben, Avie die Tri- chinenerkrankung des ScliAveins zu erkennen und der ilandcl mit solchem Eleische zu controliren sei. Es scheint , dass Alle , welche sich mit der ( 'ontrole der Krankheits- erscheinungen beim ScliAveine beschftigt haben, der Meinvnig sind, dass die Trichinenaffectionen bei diesem Thiere in der Kegel unbemerkt verlaufen oder doch nicht mit solchen Erscheinungen auftreten Averden, dass die Symptome leicht diese Erkrankung von andern unter allerlei Namen gelufigen Avrden unterscheiden lassen knnen. So sagt Haubner, dass bei altern SchAveinen gar keine Krankheitserscheinungen auftreten, bei Jngern , Avenn auch heftige, doch von sehr unbestimmtem Charakter. Kchenmeister und Leisering* stimmen mit ihm dahin zusammen, dass man beim ScliAvein von einer eigent- lichen , durch sichere Symptome gekennzeichneten Trichinenkrankheit nicht sprechen kiuie. Es Avird danach immer noch mglich bleiben , etwaige ZAveideutige Flle der bestimmten Entscheidiuig durch die ]Muskelprol)e zu \interAverfen. So ha- ben auch Vogel und Khne schon beim ScliAveine die Harpune angeAvandt. Es kann das praktischen AVerth 'iiaben , da man Avohl schAverlich geneigt sein Avrde, ein als trichinig erkanntes Schwein mit Mhe und Kosten fett zu msten. Eine viel verbreitetere Besprechung hat der Natur der Sache nach die Untersuchung des geschlachteten Fleisches vnid der daraus verfertigten Waaren erfahren. In Betreff der Untersuchung mit dem blossen Auge besteht eine sehr grosse, aus der Individualitt hervorgehende Verschiedenheit der Ansichten und Aussprche. Wir knnen darin Aveder das, Avas Avir selbst in der Unter- suchung kleinster Gegenstnde zu sehn vermgen, noch die Augen Aveitsich- tiger lterer Leute zum Maassstal)e nehmen. So glauben Avir der Mehrheit der Autoren darin beistimmen zu mssen, dass fr gcAvhnliche Augen ZAvar nicht die Trichinen, aber die Kapseln im Fleische zu bemerken sind ; aber nicht mit Hatib- NER das dahin einengen zu drfen, dass diese Kapseln nur dann sichtbar seien, Avenn sie durch die Verkalkung getrbt Avren, Avas zu erreichen die SchAveine Avohl nie lange genug leben mchten. Letzteres meinte auch Kchenmeister. Von vielen Autoren ist darauf Bcksicht genommen Avorden, Avelche Theile des ScliAA^eins oder auch anderer 'i'hiere am meisten inficirt seien. Virchow fand gegen Andere Zunge und ZAverchfell Aveniger durchsetzt, hob dafr aber die kleinen Kehlkopfniuskeln besonders hervor. Zu der Zunge und dem ZAverchfell gesellen die Meisten die Kaumuskeln als Ilauptherd. Man fand die Trichinen an den Enden der Glieder Aveniger, vielfach Avurde eine strkere Besetzung der Muskeln an der Oberfiche und am Sehnenende hervorgehoben. Es lohnt nicht, hierfr an dieser Stelle alle Autoritten anziifhren. 1) Helminthologische Versuche 1S63, Die Geschichte der Kennlniss von den Trichinen. 47 Zur Unterstt/iiiii^' und Controle der X iitprsvu'huuo' mit blossem Auge hat Leuckakt aiiluilteud ' der L()U])e den Vor/.iiii- vov dem Mikroskope gegeben, und um die Erkenntniss der A\ rmeheu mit derselben um s(j leieliter /u ma- chen, schlug er die oben erwhnte Kaliprobe vor. Knocu hielt die Ijefeuch- tung mit Glycerin fr geeigneter. Einige hielten die Untersuchung mit dem zusammengesetzten Mikroskop fr sehr leicht, so Hock,- der es fr geeignete Arbeit fr gndige Frauen und Fruleins erklrte, Ffkiffkr in Jena und Pf ff, ' der, nachdem er sich erst ber den 'rrichinenscliAviudel lustig gemacht hatte, spter meinte, jedes Kind knne die Trichinen aufsuchen und das Mikroskop solle keinem Haushalte mehr fehlen. Andere hielten die Sache fr schwerer, so dass sie nur in die Hnde wissenschaftlich gebildeter oder doch dazu berufener ^Mnner gelegt werden knne. Vielleicht zum Theil dem entsprechend waren die Ansichten getheilt, ob Selbstschutz durch T^ntersuchung itii Hause oder Staatsschutz zu erstreben sei. Fr den letztern aber Avurden Avieder verschiedene Vorschlge gemacht, indem man einmal den Metzger verantAvortlich machte, das andere Mal fr den Fleisch- handel eine regelmssige oder auch unerwartet einfallende Controle verhmgte. So vertheidigte Kchenmeister^ lebhaft eine gesetzliche, regelmssige, mikroskopische Fleischschau gegen alle Einwnde. Er stellte sehr gnstige l>e- rechnungen auf ber Mgliclikeit der Kostenbeibringung fr Schlachthuser fr Dresden, zog die l^erechnung fr die Fleischschau fr's ganze Knigreich Sachsen und glaubte die Lehrer dabei verwenden zu knnen. Hie kranken Schweine soll- ten cassirt, aber bezalilt werden. Viiuriow beantragte eine amtlich eingerichtete Fleischschau, besonders ffentliche Schlachthuser. Auch Vogee hielt die ffentliche Untersuchung fr wichtiger , als die l^rivatmaassregeln in der Be- handlung, von denen gleich die Rede sein soll. Hie Gesetzgebung solle die Fleischer verantwortlich machen , diese mgen sich an die Verkufer halten, solche endlich mgen ihre Sclnveine schtzen. A^ogef. sonderte w'eiter die zu treffenden Maassregeln von den zu gebenden Belehrungen und entwickelte beide Functe in sehr ausfhrlicher und treffender ^^'eise. Auch Kuppkecht war dafr , die Trichinenkrankheit der Schweine als gesetzlichen Gewhrsmangel anzusehn und die strengsten Schutzmaassregeln zu treffen. Die Aerzte Hannovers petitionirten um ffentliche Schlachthuser; ' die I)erliner Uommission zur Jierathung der Trichinenfrage'' benutzte ebenso diese Gelegenheit, um auf das Dringendste die ffentlichen Schlachthuser mit mikroskopischer Fleischschau zu empfehlen. Sie glaubte die Controle auch auf importirte Schinken ausdehnen zu knnen. Lu)x' war mehr fr ein unangesagtes besichtigen durch Sachverstndige und liESNARU,*^ der ein grosses Material in seiner Schrift recht bersichtlich 1) Vogel u. Beneke's Archiv. 1S64. p. (i4. 2) Gartenlaube 1S64, 7. 3) Dresdener Journal. IS. December IStiii. 4) lieber die Nothwendigkeit und Durclifhrbarkeit mikroskopischer Fleischschau. Der in dieser Schrift gemachte geniale Vorschlag fr Aufsuchung von Trichinen in Mumien htte wohl eher Aussicht auf Ih'folg bei mumificirten Katzen. 5) Hannoverscher Anzeiger 1S<)4. 0) Bericht von A. C. Feit. 7) Finnen und Trichinen 1S4. 8) Zur Geschichte, Therapie, Prophylaxis und Sanittspolizei der Trichinen. 48 -^'^ Geschichte der Kennfniss von den Trichinen. zusamincnstellte, hielt, das fr bohevzigenswerth. So war auch das C'ollegium der Bei-hner Thierarziieischiile mehr fr die Beobachtiing- des IVIarktes durch gelegentliche Proben. ' Fiedler- dagegen glaubt den Schweinehndlern \nid Schlchtern ber den Verkauf, Kauf und das Schlachten trichiniger Schweine keinen Vorwurf machen zu knnen; da schon der Genuss einer geringen Zahl von Trichinen schwere Erscheinungen veranlassen knne, hlt er die Ausbung einer exacten Fleischschan weder fr leicht, noch fr einfach. TTaubxer meint, die Einfh- rung einer allgemeinen Fleischschau sei nur da inierlsslich, wo Fleisch, Wurst und Schinken als Ilandelswaare fabricirt werdpn ; er hlt die Schwierigkeiten fr sehr gross und glaul)t , es werde bei der Seltenheit der l>efunde rasch Tjssigkeit eintreten. ])en Vorschlgen der Aerzte ist schon melirfach durch Kegierungsmaassrcgeln entsprochen worden. So machte die kniglich preussische Ecgierung zu Potsdam ' durch amtlichen Erlass bekainit, dass finniges und trichinenhaltiges Fleisch im Sinne des Strafgesetzbuches zu den verdorbenen Esswaaren gehre, das Straf- gesetz aber bedrohe den Verkufer solcher mit namhaften Strafen. In gleicher AVeise usserte sich in einer brigens mehrere Irrthmer aufweisenden l>ekannt- machung die Eegierung zu Kln. ' Die braunschweigische Eegierung bestimmte durch Staatsministerialrescript , ' dass alles Schweineschlachten sechs Stunden zuvor angezeigt und das Fleisch vor dem Zerlegen untersucht werden msse. Die Stadt Braunschweig stellte Aerzte dafr an , Avelche jedoch in etwa drei Monaten unter ;i()O Schweinen kein tricliiniges fanden. Aehnlich bestimmte die ('Oburger llegierung.'' Sehr ausgedehnte Versuche sind gemacht worden ber die Lebens- fhigkeit der Trichinen den usseren Umstnden gegenber und beson- ders unter den Proced\u"en , mit welchen man Schweinefleisch zu behandeln pflegt, mn daraus das eine oder andere landesbliche Gericht herzustellen. Es lag dabei der Gedanke vor , dass diuch genaue ]5elehrung ber den Erfolg solcher Versuche die Consumenten in Stand gesetzt wrden, den fehlenden oder mangelhaften ffentlichen Schutz durch eigene Aufmerksamkeit zu ersetzen, ohne doch gerade alles Fleisch untersuchen zu mssen. Alan beabsichtigte also die Sicherung vor Tri cliinener krankung durch Verbesserung der Gebruche bei Zubereitung der Speisen vnid Ausscheidung solcher ]>eliandlungsAveisen, bei Avelchen die Trichinen am Leben bleiben. Die Trichinen haben sich dabei jedoch in hohem Grade gleichgltig gegen Klte und Wrme gezeigt. Nach RuppREfjiiT und Leuckart haben die Muskeltrichinen eine Klte von IS und 20" 11. ausgehalten; nach Fie])Ler blieben bei usserer Temperatur von 15 bis 17 "R. nur die im Centrum des Fleisches erhalten und derselbe glaubt, dass die Trichinen bei einer Eigenwrme von 1 I " 11. zu Grunde gehn. Pei Erhhung der Temperatur glaubt Hupprecut ihren Tod erst bei -+- <0 " 11. sicher erwarten zu drfen, whrend Hauuner + T) I " R. 1) Deutsche Klinik 1S4. Nr. 8. 2) Wagnkk's Archiv Y. p. 517. 3) Amtsbktt JS(;;(. IC. 7. April. 4) Allgemeine medicinische Centralzeitung 1803. 05. p. 758. 5) ls();i. 1 1. December. ()) isu;}. n. November. Die Geschichte der Kemdniss r^on den Trichinen. 49 fr aiisreiclieiul hlt , um sie l);il(l absterben zu machen. Aehnliclic Resultate geben .andere Untersuehungen an. Fiedler berechnet die Temperatur, bei welcher die Trichinen zu Grunde gehen , etwas niedriger, nach ihm sterben sie sicher bei + 50 bis 55 " R., verlieren die Fhigkeit sich weiter 7AI entwickeln oft schon bei + 45 "R., ertragen aber 10 bis 42 " R. sehr gut. Die Gegen- probe der Temperatur bei der Zubereitung gekochter und gebratener Speisen hat ergeben, dass eine ziu- Tdtmig der Trichinen durch Hitze ausreichende Wihme keinesAvegs in allen Fllen und in allen Theilen der zubereiteten Stcke erreicht wird. So fend Ruppkecut bei sehr schnell gebratener Rstwurst mit verbrannter Schale nur + 23 ", bei gewhnlicher Rstwurst + 42 *, bei schnell geruchertem Fleisch +43", bei Fleischklschen + 47", bei Fleisch, welches Stunden lang langsam kochte -i- 52 bis + 58 " R. Auch Ktichenmeister hat die betreffenden Temperaturen gemessen.' Hauhner erklrte das Kochen und Braten fr unbedingt sichernd , das Rsten , liratwurst- und Klschenbraten, die Zubereitung der Cotelettes , Klopps , das Schmoren uml Eingruten fr be- denklich. Es hat sich im Allgemeinen herausgestellt, dass bei Kochen und Braten eine sehr grosse Verschiedenheit der Temperatur mglich ist und dass nur bei Aufmerksamkeit durch diese Manipulationen einige Sicherheit erreicht wird. Von demselben und anderen Autoren \Aairden dann als besonders ge- fhrlich diejenigen Ikreitungsweisen charakterisirt , bei welchen ein l^estand- theil rohen Fleisches regelmssig oder mehr gleichgltig, besonders beim Stopfen von Wrsten, den brigens gekochten Fleischspeisen beigemischt wird, Fied- ler's^ Versuche mit zubereiteten Speisen hatten fiist alle negativen Erfolg, nur nach kalt gerucherter Knackwurst und 1 4 Tage lang gepkeltem Fleische trat Infection ein. Dass das Austrocknen die Muskeltrichinen tdtet, hat besonders Fiedler gegen Vogel hervorgehoben, dass sie dagegen im Wasser lngere Zeit leben bleiben, ist mehrfach, unter Anderen von ViRCiiow bemerkt worden; Davaine sah sie einen ganzen Monat auf diese Weise ohne Nachtheil zubringen. Viel- fach hat man, und schon in den ersten Zeiten des Bekanntwerdeiis beobachtet, dass sie die Fulniss des sie umgebenden Fleisches sehr gut berdauern. Beim Ruchern des Fleisches kann in den gewhnlichen Rauchkammern die Temperatur die Trichinen nicht vernichten, da dieselbe nach Rupprecht im Winter hchstens + 1 4 " R. ist ; dass auch der Rauch an sich nichts Grosses ausrichtet, zeigte sich in Ilettstdt, wo eine zweimonatliche Rucherung die Trichinen des Schweines aus dem Januar nicht getdtet hatte. IIaiibner glaubt, dass die selten bliche lieisse Rucherung sicher wirke, auch scheine lngeres Aufbewahren kalt gerucherter Speisen sie zu tdten. CoLBERG hat sich sehr viel von der AVirkung des Einpkeins versprochen, da in Kochsalzlsung die Trichinen in einer Viertelstunde strben. Rupprecht sah dagegen die Trichinen in concentrirter Kochsalzlsung mehrere Stunden lang leben, fiind aucli Infection mit Pkelfleisch und Leuckart experimentirte mit Erfolg mit Fleisch, welches in kleinen Stcken gesalzen und geruchert war. Natrlich wird hier auf Grsse der Stcke und Intensitt des Processes ebensoviel ankommen, als beim Kochen, und sich so der verschiedene Erfolg 1) Zeitschr. f. Medicin, Chirurgie und Geburtsh. II. p. 34. 2) Wagner's Archiv, p. 520. P a g e n s t e c h e r , Die Tiiehineii. 50 Die Geschichte der Kenntmss von den Trichinen. der Expciimeiitatorcn theihveise erklren. Im Allg'emeinen scheint man jedoch dabei eine wnschenswerthe Unterscheidung ausser Acht gelassen zu haben. Es hngt , M'ie mir dnkt , die Dauerhaftigkeit der Trichinen allen solchen usseren Schdlichkeiten gegenber vorzglich vom Grade der EntAvicklung der Kapsel ab. Auch Salpeter- und Pottaschelsung, Holzessig und Creosotwasser scha- deten nach KupPRECiiT den Trichinen nichts, man wird also denken knnen, was von der Schnellfobrication der Fleisch waaren in dieser IJeziehung zu hal- ten ist. Fr den Holzessig prcisirte das Fiedler Aveiter dahin, dass in glei- chen Theilen Holzessig und Wasser die Trichinen 21 Stunden gut leben, in concentrirtem Holzessig in 24 Stunden sterben. Versuche, ob auch unvollendete Muskcltrichinen zur Infection geeig- net seien, haben wir besonders Leuckart und Fiedler zu verdanken. Ersterer entschied sich zuerst dahin , dass die Weiterentwicklung von der Eildung der Kalkschale unabhngig sei. Fiedi>er's ^ Experimente haben ergeben , dass, wenn die Muskeltrichinen noch nicht die Lnge von 0,5 (),G mm. erreicht haben, sie noch nicht der geschlechtlichen DiiFerencirung und Weiterentwick- lung zu Darmtrichinen fhig sind. Das Verlangen, Heilstoffe gegen die Trichinen auszumitteln , ist bisher sehr wenig befriedigt worden. Versviche ber directe Einwirkung medicamentser Stoffe auf trichiniges Fleiscli sind gemacht worden, um dadurch Haltpuncte fr den innerlichen Ge- brauch der Arzneien zu gewinnen. Versuche ber die Wirkung von Medica- menten berhaupt verdanken wir zumeist Fiedler, Knoch, Mosler und Err. Die von Friedreich gehoffte Wirkung der Pikrinsure w^urde von Fiedler geleugnet, da in einer Lsung von 3i Natr. picronitr. in % iij Wasser die Tri- chinen jedenfalls ber zehn Stunden lebten.'-^ So hat auch Eriv' die pikrin- sain-en Salze gegen Trichinen beim Kaninchen und beim Hunde vollkommen Avir- kungslos gefunden. Terpentinl war von Kchenmeister und Simon empfoh- len Avorden, Fiedler's Versuche^ ergaben, dass die Trichinen zehn bis zAvlf Stunden darin lebten und dass bei Verabreichungen mglichst hoher Dosis weder die EntAvicklung der Darmtrichinen, noch die Verbreitung der Embryonen gehindert Avurde. Vorzglich von Zenker, Kchenmeister und Kupprecht Avar Hoffnung auf Abfhrmittel gesetzt und Calomel mit Jalappe, Ricinusl und Crotonl empfohlen Avorden. Fiedler '' glaubt nach seinen Versuchen auch diese Hoffnung als trgerisch annehmen zu mssen. Trotz der Erziclung sehr starker Diarrhoen gingen Avenig Darmtrichinen ab und die Infection AA'urde sehr bedeutend. Wir Averden Aveiterhin sehen, dass nach unsern Erfahrungen in einer Anzahl von Fllen, avo die Versuchsthiere von selbst diarrhoisch affi- cirt Avaren , doch die Infection sehr gering Avurde , und es fehlt nicht an ent- sprechenden Erfahrvnigen Anderer. 1) Wagner's Archiv. V. p. 14. 2) VnicuOAv's Archiv. XXVI. p. 573. 3) Die Pikrinsure, p. 27. 4) Wagner's Archiv. V. p. is. 5) Ibidem, p. 21. Die Geachic/ite der Kcnididss von den Trichinen. 51 Kncii' machte eine Reihe von Versuchen hcsouders mit Wuimmittehi au JMu.^kehrichiuou uud Damit richineu mit sehr uuhedeuteudem Erfolj^e. Er fand, (hiss hei directer Einwirkung- auf i\ruskeltricliinen das kahe AVasser, (his Caniahi , die Granatwurzehinde und das Exlr. lici.s inaris heunruhigend wir- ken (fr das Wasser fehU hrii^ens der Nachweis) und endUch die Wrmer ahsterhen machen. Nach Semen Cinae und Kali picronitricuni a\ unlen im Koth keine Trichinen hei Kaninchen luid ITund gefunden. Nacli (yamahi, Cousso und Terpentin entstand nicht einmal Diarrhoe. Es kann uns danach wohl gleichg'iiltig sein, in Avelcher speciellen Weise der Verfasser diese Heilmittel anwenden mchte. MSLER - hatte wie Eiedleh und Em; bewiesen , dass das Natron picro- mfricum, , seihst in sehr grosser Dosis, weder die Darmtrichincn noch die INluskeltrichinen tdtet, noch auch die Einwanderung der Embryonen verhindert. Derselbe glaubte dagegen in dem IJenzin'* ein Mittel aufgefunden zu haben, inn die Darmtrichinen zu tdten und zu beschrnken. Die Hoffnung beruht besonders auf einem Versuche mit einem Rinde, w elclier der Natvu- des Versuchs- thier nach nicht gerade entscheidend sein drfte. In allen anderen Ellen berlebten die Trichinen den durch das Heilmittel herbeigefhrten Tod des Wirthes. Die von solchen Versuchsthieren gewonnenen trichinigen Eleisch- stcke erAviesen sich allerdings , wie auch Leuckart fand , zur Weitcrverftte- rung Avenig geeignet oder unfhig, was immerhin eine Folge des den ganzen Krper durchdringenden Renzins sein drfte. Fiedler* machte hierauf ebenfalls Versuche mit Renzin inid fand, dass ein anhaltender Gebrauch dieses INIittels bei mit trichinigem Fleische geftterten Kaninchen nur bei sehr grossen Gaben die Darmtrichinen zum grssten Theil vernichtet , dass aber solche Gaben , wie sie nach Mosler beim jMenschen zulssig sein Avrden, deren Entwicklung gar nicht beeintrchtigen. Ftte- rungsversuche mit trichinigem Fleische durch Renzin getdteter Thiere gelan- gen. Er verzweifelt demnach daran, dass das Renzin als Mittel gegen Darm- und Muskcltrichinen eine praktische Redeutung erlangen werde. An diese Mittheilungen ber zahlreiche und vielseitige Versuche Fiedler's mssen wir noch die ber seine Ansicht in Retreif der Verbreitvmgswege der wandernden Embryonen knpfen. Fiedler fand , Avie frher Zenker , Embryonen im Rlute und glaubt, bei der embryonalen Grsse vieler in den luskeln befindlicher Trichinen gegen- ber dem raschen Wachsthum dieser Thiere innerhalb der Muskeln, nicht an- nehmen zu knnen, dass solche dorthin gCAvandert sein knnten, Aveil dann doch ein fr die Zeit der Wanderung auszumessendes Wacli^thumsquivalent ber die ursprngliche Lnge hinaus gefunden Averden msste. So glaubt Fiedler fr solche, Avenn auch mehr zufiillig, den raschen Transport in den Rlutgefssen annehmen zu mssen. Der RcAveis ist nicht stichhaltig, weil anzu- nehmen ist, dass die Avandernden Thiere nicht wachsen, Avie auch z. R. jnnge Raupen, Avelche sich von den Eischalen entfernend, kriechen, bis sie das ge- 1) Deutsche Klinik 1SG4. 1. II. IV. VIII. XVI. XVIII, 2) Helminthlogische Studien. ISlil. p. 50. 3) Ibidem, p. 86. 4) Wagnek's Archiv. V. p. 337. 7* 52 Di Geschichte der Kennt niss von den Trichinen. eignete Futter gefunden, oder wie schwrmende Cercarien. Xucli ber die Zeit der Begattung, des Beginns der Auswanderung der Embryonen und ber die Dauer der Darmtrichinen machte Fiedler zahh'eiche Versuche. Ein grosser Theil seiner Experimente fallt brigens in die Zeit unserer eigenen, nur sind dieselben stckweise und dadurch rascher zur Verffentlichung gelangt. Einen lebhaften Vorkm]ifer hat auf der Naturforscherversammlung in Giessen die Verbreitung der Trichinen durch die Lymphgefsse und lUutwege an Tuu- DiCHUM ' gefunden. Der JJeweis sollte dadurch gefhrt werden , dass frher in den Hhlen des Pericardiums und der Pleura Embryonen gefunden werden als im Peritonealraum, und es sollten die frhzeitigen Symptome des Oedems und primre pneumonische Affectionen durch Gegenwart der Embryonen in den Circulationswegen ihre Erklrung finden, Erscheinungen, Avelche Tiiu- DiCHUM in den Epidemieen von Stassfurt und Dessau beobachtet hatte. Wir begngen ims mit dieser Darlegung des vorfindlichen Materials zur Trichinenfrage und enthalten uns, auf eine weitere Anzahl mehr populrer Schriften einzugehen, zu welchen wir selbst auch vor Anstellung unserer Ver- suche einen kleinen Beitrag"^ besonders in der Absicht geliefert haben, die Stellung der Trichinenfrage zu der Parasitenlehre im Allgemeinen zu charak- terisiren. 1) Tageblatt der Versammlung. 4. p. 58. 2) Der Zoologische Garten. ISOl. 2. o u. 4. Unsere Versuche und ihre Ergebnisse. Allgemeine Bemerkungen. Die Nachrichten ber die von nns angesteUten Versuche mit Trichinen suUen den zweiten Abschnitt der vorliegenden Arbeit bilden. Wir haben von nnsern Experimenten fr jetzt Alles ausgeschlossen, was die Frage betraf, Avie weit die eine oder die andere Zubereitungsmethode des Fleisches die Trichinen imfahig mache , eine Infection zu bewirken, weil diese Frage im Wesentlichen abgemacht erschien. Wir haben ferner nicht auf Ver- suche ber Heilmittel eingehen knnen , welche uns weiter gefhrt haben wrden, als die Verhltnisse gestatteten. Es wurden vielmehr im Wesent- lichen solche Fragen untersucht, bei Avelchen nur die natrlichen oder wenig- stens ohne Zwischentreten des Menschen mglichen Verhltnisse fr die Ver- breitung der Trichinen in Rechnung genommen werden. Die Hauptsache bildeten dabei die Ftterungs versuche, doch Avurde mehr- mals auch, als vorbedingend fr den zu erAvartenden Erfolg jener, das Ver- halten der Trichinen unter anderen usseren Umstnden geprft. In Betreff der Infectionsmglichkeit konnten die Ftterungsversuche in zwei verschiedenen Richtungen Aufklrung geben, einmal ber die Infections- fhigkeit geAvisser Thiere, ZAveitens ber die Infectionsmglichkeit durch Tri- chinen in der einen oder der anderen EntAvicklungsstufe und in verschiedenem Zustande des Fleisches. Dabei mussten dann die Trichinen zoologisch in den verschiedenen Altern untersucht, der Art ihrer Ausbreitung an den verschie- denen Wohnstellen und dem Verhalten des Organismus ihnen gegenber nach- gesprt Averden. Die Versuchsreihe Avurde eingeleitet mit einem schon ziemlich faulen, trichinigen Kaninchenvorderbein, von dem Avir uns kaum noch Erfolg ver- sprechen konnten und von da ab bis heute durch etAva acht Monate hindurch vermittelst Kaninchen bestndig im Gange erhalten; auch konnte nach meh- reren Orten hin Fleisch zu Experimenten abgegeben Averden. Wir haben auch noch einen Bestand trichinisirter Kaninchen zu etwaiger Fortfhrung der Ver- suche behalten. Vor den Versuchen und Avhrend derselben sind eine grosse Anzahl von Thieren , Avie - sie gerade in vmsere Hnde gelangten , auf etAvaiges zuflliges Vorkommen von Trichinen untersucht Avorden, jedoch berall ohne Erfolg. 54 Unsere Versuche und ihre Er.u. yo.Auf;'. II. Uclober ('). .Inii 1 I. OlldlllT l:i. October ; e s l o r b e n am 8. Oetbr. Abends : e s 1 1) r li e n am U). Octbr. Morir ffeldlel am >'.). Anj;ust ge s to r hen am 1. September K (!S in rb e n am 10. September Re s 1 o rb cn am 18. Juli ffcldlcl am 1'). Seplember f;eliidlcl am .">. Scpli'iiiiicr ^etiidti;! am 2(i. Ocl(d)cr ge s lo r b e ii am ' 2:i. Juli ^eliidlet am 2'.). ()ct(d)ei- i; e s t o 1' b e n am 7. rs'oveml)er 51 Sluiulcn 00 stunden I res[i. 7 Taj;e :>, 7 resp. 10 Tage 7 u. S Tage I I Tage 12 u. i;i Tage 0, 11 u. I ri'a 15 Tage 17 Tagarmlricliinen mehr vorgefunden. iahlreiehe Parml rieh inen, die 2 mit Kiern u. Jun- gen gefllt. arm diarrhoisch afRciil, nur mit mssij;cr Anzahl V. reifen Ti^ichiiien, un- ter welchen weit mchi-f/'. lurnilrichincn waren \or- handen. Sehr 7ah!i*ciche Embryo- unter denen die grsslen kaum mehr als 0,5 mm. Muskellrichincn bis zu 0,G mm. Lnge. Ziemlieh viel Muskellri- chincn bis zum i?eginne der Hapsclbildnng und 0,75 mm. Lnge. iNoch zahl reiche junge Muskeltrichinen. Die Verkapselung war meist begonnen, die Kapseln gut mit blos- sem Auge siehlbar. neu in di'r liiinchhlile, auch mehrere im l'eri- eardialraum. ' 56 Unsere Versaiche und ihre Ergehnisse. Bedingungen des Versuchs. Ergebniss Nr. Darr 14 15 h; 17 IS l'.l 2u' Art des 'rliiercs, von welclieiii das Fleisch herrlirte. Dala (liT Fiieruiiseii- i, 21 22 2H 24 Mssin; Qiianl. liaiiinchcTillcisoh ilesgl. .{.S"l. desgl. desgl. desj des;; desgl. desgl. desgl. IMssige Oiiaiit. Scliweiiiclleiscli 28. April 24. Mai (;. Juli 2s. .Iiili ;). Juni 27. Mai 28. April -2s. April und C. Juli 27. Mai 24. Mai 28. Juli l:!. Oetoher 'l'ag und Art des Todes. Dauer des \ ersuchs. gestorben am 23. Mai geldlel am 20. Juni es lo r I) en am :!. August es t or 1> eil .am 2(1. August t; (! s I o I' li e n am 5. Juli geldlel am 4. Juli geldlel am '.I. Juni ge s I o rli en am 27. Juli g(;lillet am 22. August l leben iiikIi geslorlieii am 8. Deeemlier 2.') 'I'ase 28 Tage 2'.i Tage :!(; Tage .'!7 Tage 42 Tage , SO Tage \ 21 Tage s7 Tage lo:! Tage 128 Tage .'lO Tage ^'f''!"*>''"'^-T-! Ausgefallen aber sein des unvoll- ! slndig verdau- hn Fleisches. nocli niclil weiU entwickelt. Die Weilerent- wiekiung be- sonnen. !Mil unreiler Brut. ') Diese zwei lianinchen, welche am Leben geblieben waren, w\irden am 3. De<-emli(r diircb Muskclsclinill unlersurbl. II. Versuche an K.aniiioheii mit sehr faulem Fleiseli, mit tririihieiihaltiisjeii Drmen, mit jun^tricliini^cm j Fleisch und ber Selhstinfection. Bedingungen des Versuchs. Ergebnisse des Versuchs. Nr. Art der Ftterungen. Dala der Ftterungen. Tag und Art des Todes. Dauer des Versuchs. Mit Kriol-. Ohne Erfola M) 20 27 2.8 29 Ftterung mit zum Zerlliessen laiilem lianili- elii'uHeiseh Mit jungtriebiii. MusellcMSeb Mit junglrirliini- gem liaiiinclien- lieisch desgl. Mit Iricliinigem lllinerdarm Mit lri(diinigem MViuseilarm IJngeriillerl zu den Irieliinisiricn l>a- ninclieu gesetzt 2. Juni 11. August 2:'.. Juli 23. Juli 3. Juni 1 1 . August 7. Juli . geldlet am 45. August geldlet am 15. August geldlel am l. August geldlel am 10. August geldlet am 13. August geldlel am 13. August g e s I o r li e n 20. Juli 71 Tage 4 Tage 24 Tage 24 Tage 71 Tage 2 Tage 13 Tage Eine massige Anzahl einge- ka|isellei' Muskellrichinen. Keine Spur von Darmlriehinen. Ohne allen F-rfoIg. n II II II II II II II *) Junglriehinig nenne ich solches Fleisch, in welchem die Aluskellrichinen noch nichl die volle licifc erhallen haben. Unsere Versuche und ihre Ergehnisse. 57 es Versuchs. iehinen. Wandernde Em- bryonen. Muskeltricliinen. Erfolglos. Mil reiftT Hnil. (icboi'iK! I'nihi'vo- iieii im D^d'Mi. Uiirei Keif. hr zahlreirho Darmtri- cliiiii'ii mil ri'ilVr Itrul, 5 von '2,3") mm., Iciclile l'ci itduilis. tic rnssi^c Zaiil von narnili'ii'liiiicii, vor/.iij;l, J mit Kici'ii u. Juiif^cii. ii'iiili'icliiiicii in grosser Zahl. i)ci(l(;rloi (icsclil., (lif 5 voll von Brut. innlnciiincii in ;;i'o,ssi'r Mrii^i', J mit Kicrn u. .Iiinf,'rn , schon Ic^criT wrrdcnil, anch noch (/'. I Dann wnrilr'ii nochfnr 5 11. zwei (^ f^cl'uiulen. hlrcichc Darmlrichiiieii voll von Brut. thicil noch \v(Mlilichi' ii, miiiil. Uarniliichincn. In den Muskeln noch jun- ge Thierc von 0,15 mm. Muskeltcichincn in nicht besonders {grosser Zahl. llehec die (jcssc der jiifistcn gcriindnca i'ehll eine Anshe. iMiiskcIlricIiiiicii alh^r Alter. liine der IMuskcllrichineii uiass nur II, 1 mm. (Jciioriic Kniliiyc lun im Dai'iii. Embryonen im Darmscilleim. Aiisj;cw neu in anderlc I der ISaiii' Imhryo- hhh'le. L nreil'e Mnskcllricliiiicii in f;eriii;;cr Zahl, eine von 11,45 mm. Einige noch nicht l'ei'liij eingcka[isell. Ungemein viele Trichi- nen , iiesondei's in Zwcrchreil ii. Zunge. Zum Tiieil ausgewaciisen, Sehr viele iNlnskell richi- nen, meist eingi'kaiisell, liis zur MillendeliMi Kii- ka|iseluiig. Oie meisten waren eiiige- kapscll. Sehr viele meist einge- kapselte Miiskcllrichi- nen, ohne \ Crkalkuiig. Sehr viele iMiiskelli'iilii- neil, ohne \Crkalkiiiig. Sehr zahlreiehe t^inge- ka()selte lMusk(dlrichi- uen mit deutlicher An- sammlung von Kalkeon- crelioncn. Kingekapselle Muskcltri- chiiKM). iMiigekapselte Muskclli'i- cliinen mit Irbeii Kap- sidn. Eine massige Anzaiil IMuskcllrichineii. JMiie ungcheui'e Menge \oii Muskeltrieiiineii. Uei- Daiiri wurde nicht unlersiM hl. lieiiic Dai'mtrichincn mi'lir. Mi. Es scheint, dass man die beiden Versuchsrei- hen desselben Thieres gut \on einander son- dern kann. in. Versuche au Scliweiiieu unter verschledeueu Itedinsuniren der Ftteruu o* Bedingungen des Versuchs. Ergebnisse des Versuchs. Nr. Art der Ftterungen. Data der Fllerungen. ? Ftterung mit Ka- nincliendeiseli mit ausgewach- senen 'rrichiueu desgl. ilesjil. FUllcriing mit junglrichiiiigeni Baninehenlleisch von ]Nr. 8 der Tabelle I. dito von Nr. 7 Ftterung mit tri- chincnhaltigem Haninclieudarm Flleruiig mil junglrichinigem Hauiiiehentleiseh von Nr. 11 22., 24., 30. Aug. 22., 21., 311. Ang. 22., 24., 30. Aug. u. 12. Decbr. Sepibr. 15. Sepibr. 2., 5., 10., 15. Sepibr. 2!)., 31. Oelbr. u, 1. Novbr. Tag und Art des Todes. g e s l o r b e n am 4. Ocihr. gcliidlt'l am i:;. Dcchr. geldlcl am 11. Decbr. getdtel am 14. Oelbr. getdti^l am 15. Oelbr. geldlcl am 7. Novbr. Dauer des Versuchs Mil Erfolg. Ohne Erfolg. 3543 Tage iMsleUnlersuch iiach'jl OOTgn Tod nach 113 114 Tagen 39 Tage 2!) Tage 3013 Tage (j Tage Ausser sehr zahlreichen Muskel- triehiiien wurdc'ii aucli noch sehr viele Darmlriidiineii naehgcwii- seu, unter weleiien mehrfach q^. Beide am 2i). IN'ov. mit der llar- jiune von\V(d)er untersucht eiil- I liiellen Muskellrichineii, in de- \ reu Kapsel eine Trbung durch lialk zu erkennen war; die Ob- duction ergab colossale liifec- liou. Nr. 3 auch unreirc Darm- tricliinen in grosser Mense. Eine massige Zahl von Darmti welche sehr klein wareu, darunter (/", v.0,ij, trchtige 5 v. 1,75 mm., keine jungen Muskeltr., abe ganz wenige, wohl durch zufllige lufeetion, in Zw erehfell u. Zunge in der Eiukapsluug begriffen. Ohne allen Erfolg, es wurden in zahlreichen Proben weder Darm- Irichinen noch Muskellriidiineu gefunden, das Schwein isl ver- zehrt worden. Ohne allen Erfolg. Auch dieses Sehweiu ist verzehrt worden. Pagenstecher, Die Trichinen. 58 Unsere Versuche und ihre Ergelmisse. lY. Versuche an verschieileueu aiiilern SiigethiereL Nr. Bedingungen der Versuche. Ergebnisse Darn Ai't der zu inli- cirendeirriiicre, Ai'l des liirecliiis- vei'suclies. Dalutii ili'P Fl- le ruug. Dil tum II ml Ai'l des Tudes. Diiuci" des Versuches. INiicli in de Hap- Sflii des iiiclil viillsliidifj ver- dauten Fleisches. Aiisf^elalleii aller nicht Weiler eiil- wickell. Weilerenlwieke- lung begunncn. 1 2 ;i 1 5 7 8 II) 11 Lepus timidtis llypiidaeus ar- vulis II II Mus sylraticiis ilJus decumunus Fllcrung mil trichin. Kaniiichcnneiseli II II II II Mus riitlus Mus uiusculus i:i 14 |a u. 1.) 10 17 18 V.) 20 21 22 23 24 25 2r, 27 28 29 30 ni 32 Flli-rniiff iiiil j u n ;; Irieliinigein Mii.sc- lleisch Fllerung inilTiiehi- nenenlhalleiid.Darin der verseliiedeiislen Versueh.sthiere Fllerung inil li-iehi- iiigeni lianiuchen- lleiseh Fllcrnng mit Iriehi- iiigcm Kalzeiifleisch 11 II II II Fllerung mit slark- li'icliinigeni lianin- elieiilleiseh mil liieliiiiigeiii Mu- I waliiselieiiilieli ge sedarin Iresseii am 20. .luli 20. Juni 2. August 11. Deeember 11. Deeember 1 1. Deeember ."). Juli r,. Juli 2'.l. Juli 4. u. (i. August 11. August 2."). u. 28. Juni, I., 4., 12., 13., 15., 23. Juli 11. November 22. Juli dasFleiseli vorgelegt am 27. u. 2S. Juli vorgeli'gl am 2.'). , Fller, mil Irieli. Ka- li i liehen II., walirseh. vor demFrcssen sehr ausgetrocknet Flterung mit Irichiu. Kauinchenlleisch Cavia cohaja II II Cupra hircus Felis domeslica Canis vulpus Canisf amiliar is II II Bos taurusjuv. Flterung mit trichin. Schweinefleisch uud Hauiuchenfleisch vorgelegt seil dem 5. Juli vorgelegt seit dem 5. Juli 15. u. 17. Juli 15. u. 17. Juli 15. u. 17. Juli 10. u. 17. Juli 5. Juli 10., 27., 28. Juli uud 2. August 5. Juli. Voll weiterer Vorlage am 27. u. 28. Juli anseheineiid nicht gefressen. 15. u. 10. Juli 20. u. 21. Juli 10. u. 22. Juli 10. Juni 10. Juni 20. Juni, I., !.->., 20., 22.Juli,2.,5.,S.Aug. 11. Juni, 1., 15., 20., 27. Juli 18., 21. Juli, 5., 0. August 4., 8., 10. Deeember gestorben 25. Juni gcstorbeu 3. August g e s l o r b e n 15. Deeember getdlel 22. Deeember geldtel 30. Deeember gestorben 7. Juli gestorben 7. Juli gestorben 31. Juli gestorben 7. August getdlet 15. August getdlet 8. August gestorben 12. November gestorben 24. Juli g e s t o r b e n 2'.l. Juli gestorben 'J. Juli gcstorbeu 10. Juli gestorben 23. Juli gestorben 23. Juli gestorben 21. Juli gestorben 20. Juli getdlet 22. Juli getdlet 11. August g e s t o r li e II 2. Augusl gestorben 24. Juli g i; s l o r b c n 28. Juli geldtel 12. Augusl getdlet 10. Juni getdlet 20. Juli geldtel 10. August getdlet 30. Juli geldtel 1 1. Augusl getdlet 23. Deeember 5 Tage 1 Tag 00 Stunden 11 Tage W) Tage 30 Stunden 44 Stunden 2 Tage 1-3 Tage 4 TaL-e 10-43 etwa lOStundeii 30 Stunden 1-2 Tag.^ 3 Tage ? 1 Tage V. 5 Tage ? 0-s Tage 0-S Tage 7-11 Tage !) 10 Ta 17 Ta-e 0, 1 I, 15 u. 20 Tage 28 Tage 8 ij Ta 7-8 Tage 21-27 Tag( Tage 10 Tage 251 Tage 3-1'jTage 5-24 Tage 13 Ht Tage Gerollte Trichi- nen im Darm. Daniilr. begath^t aber ohne Fmbr. Junge Darmtii- cliincn. Die Triebinen im Diiiid. selioii aus den lia|is. gelall. Fiiiige l'iei gewor- dene aber noch uiehl Weiler ent- wickelte Darinlr. Tiiehiiiiges Fli'isrli in Magen und Diiiidai'iii, dii; Trichinen nirgends weiter enlwiekelt, zum Tlieil von der Verdauuuir angegrill'en. Wohl 10,000 Dann Ir., Ilaken der r/ die l)\ aiieii d. J \ollkomm. denll. Zahle. Darm'r., Iie einigen Jd. c/z/ei iiDcli nicht oM'en viele mil d. (^ in ni" \ erscliluiig. Uesere Versuche und ihre Ergehnisse. und iiiifor versrliiedoiipii Beai-iiilri('biii('n. Drei !J Daiintricbiiieii niil eiilwickell. lii'Ul. Zablr. ilannlr., dabei wiMiif^o". Das j^r.ssle J l,inini; BrnI in den j bis (1,1 1 nini. lanf(. (ieborne Brut. Colossale Menge von Uarrali'icbinen. 'Jiihryoneii silileiine. im Da Kmbi'yonen i nieii licsoiii dein Zwere ni Abdo- lers anl' ilell. iMnski'ili'icbiiien von (1,12 liis li,l.'> iiini. \ iele Miiskellr. v.ll,l:; bis II, li null, 'rbeiis ein^iTolll. Iia|iselli nii'bl ab"escblossen. Drei eingekaps. Tri- ehiiieii i. Zwerehiell, Zabli'eiebe junge Mliskelliirbilieii. i Muskeln-, iiis bin.ibzu Zaiilreiebe ei'xvaili- 0,2 iiini. , so kleiiii jedoeli seilen. I'"inwanderuiig in\ ZweicblVH ? Andre Muskeln frei. Muskellrirbinen von 0,1t bis 0,05 mm. seile, ineisl eilige- kapselle iMuskellr. Sein- in \er\vesnng. Dann iiielil iiiiler- siiebl, Muskeln (di- lie 'rriebineii. Oiiile allen l-rlbig. Oiine allen KrTolg. Heine Daniilrielli neu iiielir. IVoeJi keine Kiiiwan- deruii". Massig viele meist eingeka|is.Muskellr Oline allen Erfolg. Oline allen Krfolg. Ohne allen Erfolg. 60 Unsere Versuche und ihre Ergehiiisse. V. Versuche mit versehieileiieii Vselii l\r. Bedingungen der Versuclie. Ergebnisse Darm Art der zu iiiiici- reiidtiu Thiere. Art des Infectioiis- versuches. Daliiiii rier Ftteruiiff. D.iliiiii und Ai'l des Todes. I);iii('i' des Versuches. iVocli in den Kapseln des nur unvllslUudig ver- dauten Fleisches. Ausgefallen aluT niclit weiter entwiikelt. 1,a 2|a (i 7 S 9 10 II 12 i:? 14 ir> Ui 17 11) a Gnrrnhis glan- ddiius FWilerung mit Ir Kanitieiieiinei. n f tr tt n n tt tt tt it It II ir tt ti tt u tt II II fi II II II n II It II II II ti 11 tt II ,. 11 II tt II l*ivn cauilahi iMiitieihda fiir- n 1, ruim 21 22 23 21 25 20 Sturnus i'iil^inis Colitmbd liriu (luvt. (lalhis snlloiian ff It 13. .luni Kl. Juni i:i. .Iiiiii 10. Juni 10. Juni l:'>. Juni 10. Juni 10. Jnni getdtel 13. Jnni Ftterung mit Trichi- ncn haltenileni Doli- lendann. Fiillernng niil liicliin Kaninclii'nllriscli. Mclengris gallo- piivo yfnns [insc/iiis doiii. yfiiser cbiereiis iloiii. liuleo vulgaris Syrnium aluco l'Heinng mit li'iilii- nigi-ni lianiiK'licn- und lial/.cnlli'iscli. Piillerung mil Irirliiii S<'lnNcinrni'iS(li. 11. Jnni :10. iMai 17., 22.. 27.Jnli u. ."). August 17. Juli 20. Jnni 20. Jnni 27. Mai I. Jnni 1. Jnli '.). Juni 0. Jnni 0. Juli 31. Mal 1., 1.-)., 21. Juli I., 1.-.., 21., 27. Jnli H., II)., H., 1(1., 1!). iNoveinher s., 10., 14 , k;., 19. iNveinlier geldtcl II. Jnni geldlel 14. Jnni getiidtct 14. Juni getdlet 13. Juni g e s 1 1) r 1) e ii 15. Jnni g e s t o r b e n IN. Jnni g (! s t o r I) e n 20. Jnni g e s l () r I) e li 23. Jnni geliidlet 2:i. Jnni g e s 1 o r 1) e n IT), .luni ge s I o r h e n 31. Mai g r s 1 1> ! b e n :il. Mai gi'liidlel 9. August g e s 1 1) r b e n " 20. Juli geliidlet 2S. .luni geldlel 1. Juli geliidlet 3. Jnni ;'('lildli't II. Jnli geldlel 2s. Jnni getiidicl 12. Juli geliidlet 27. .Inni geliidtel 20. Juli getdlet I. August geldlel 2it. lNc)\emlier 2 Stunden 3 Ta"")' 4 Slundcn 3 Tage 2s Stunden 21 Sinnden '.).") Slundeii 77 Sinnden :> Tage 5 Tage 10 Tage lTage 13 Tage :> Tage 1 l-ag l'ATag 4 19 Tage 3 Tage 5 Tage 11 Tage 7 Tage 2 Tage 7 Tage 32 Tage 19 Tage Tage 27 Tage .') 22 Tage 5, 11,17,28 Tage 37^15 Tage Im Magen Fleisch mit tlieils noch eiiigekapselteu, Im Magen Fleis;iiiiilr. [ Im iiiiliTt'ii Theile des l)iitind:ii'iiies, im |liekd:irm, in den lUind- di'iiien und in der lil(i:ike lliindeile miii 'rrieliinen, meist zur Ziiiind'ii'iii und Hliiid- d"ii'men, reieblieli im Diikdarm 2 bis l.d.'i mm. q^ bis II, s mm. Zur Hej^alliiiif; bereil. I'ilwa 1) J Trichinen iiiil Eiern im iinl(;r(Mi Diiniidariiie I,:! mm. laiif;, liebst sehr i;r(isseii (f. 'rrichiiien iiiil ICiern im Hiinn- darnie. Eiiiiffe Tricliinen mit zahlreieheii Eiern im linieren Dnndrme. Die TrieliiiKMi nur iineli in der untern Hallte des Dnnilarmes, Dnreh den fjanzpii F)niidarm Tri- i-liineii bis zu bef;iiiiiender l-',iii- brynnalenl Wickelung. Im Dnndarm, meist im unlerun Dritt- iheile 5 mit zum Auskriechen reifer Unit, qP ('Iw.is sparsamer, 'm Dniidariii(3^, welche liegatliuiff voll- ziijjen halten, zahlreichere J, llieils mit vielen, theils iiiil aiiiralleiid weni; ICiern. liriil zum Auskri(;ehen reil'. I I Dai'iillriebini'ii \(>n beiilen (iesebleidl lern, die Unit bdiliall und zum Aus kriechen bereil. Im Dnndarm, den unlerslen Theil aus (genommen, sehr zahle. Trichinen, (/ theils mit en der Versuche. All der zu iiilici- reiiilii Tliiere. Arides Inreclioiis- versuches. Da In in (l. Juli 'elillcl 1. .Iniii Seldlel (i. Juli geldlet Ifi.Juli g e s I n r h e II l'l. Juli i^eldlel 15. Aug. [i'eliidlfl nach 10Ta"e 1 Tati I I Tage 1 J Ta- ( :!1 Tage 14 .in Tatieii Fragmente \on Trichinen im Darm Eine todle Trichine im Dnndarm Ti'iehinen im Darm iheils noch in lia|is(!ln, iheils aus denselhen helreil Rine Trichine im Darm Kine aul'gcrollle Trichine im Darm Frass nicht \(in dem \orgeleg- leii l''leisch. Ohne allen Erfolg. Ohne alliii Fl lol". VII. VersHohe mit wirbellosen Tliieroii. Bedingungen der Versuche. Ergebnisse der Versuche. Erfolglos. 1 Ar. Arl der zu infici- Arides Inreclions- Daluni der Dal um und Art Dauer des renden Thiere. versuches. Flteiiing. lies Todes. Versuelies. ' 1-4 Liimlirinis tcrre- In die Krde, in der 2(1. Mai geidlel 22. his 2-S Tage Fnlliiellen ziiiii slris die Tiiiere leh- leii, wurde Iri- cliiniges Fleisch vergralicn :{0. Mai Theil Angnillnii- den, nie Tiiclii- nen. 5 11 Mehrere Larven von Muxcn ery- tlnotriiliiila Mehrere Larven von Sorroji/iiifid carniirid Aiil' Iriehinigein h'aiiineheli- lleisch geiihrl /Kleinere Larven enthiellen zuwei- len nichts, grssere im genosse- nen Fleische Trichinen liald in Kapseln, hald helVcil u. enllallel, aber unliewcgiich. luden Piippeii 11. aus solch. Larven enl ickellen " Fliegen fand sieh nichls mehr vor. 7 Pyticusiiiargial. II II 2s. Ajiril geidlel :i. Mai his zn j Tagen Im Magen Fleisch, dazw ischi'ii Tri- chinen, in denen Kier erkanni werden konnten. S 11 II II II Ohne allen Erfolg. l-'u.lli .liilnis siilcfiliis 1 lu.ir. //i/(/rnp/iilus cii- riilii>i ist am 27. Jan. 18() whrend des Druckes dieser Arbeit getdtet worden. Die sehr zahh'eiclien Tricliinenkapsehi sind sehr gut mit blossem Auge zu sehn und enthalten nach ls;{ Tagen viele Kalkmolecle. Paae n st e eil p r , Dip Tricluen. 9 6 Die ErgeUiisse der Versuche. Scliwund der Musculatur ; auf den TAingen fanden sich eine ziemlifhe Anzalil nadelspitzgvosser scliAvarzer l'uncte, -svelche sich als Reste alter apoplectischer Heerde erkennen Hessen, in denen sich aber Tricliinen nicht fanden. Ich maass drei weibliche ])armtrichinen dieses Kaninchens mit 2, 2") mm., 2,.").") mm. nnd 2.(1 mm. Tvni>e , alle Avaren mit zahlreichen Jnnt^en, reifen Eiern nnd jn<4eren Eiern aller Stadien gefllt. Sie lebten bei kaltem Wetter sechsund- zwanzig Stunden nach Tod des Kaninchens noch im Darminlialt. Ein Mnn- chen maass nur 1,5 mm. an liinge. II. Verbuche mit Kniiiiicheii unter lifsninlerpii limstnileii. Die zweite Tabelle enthlt Versuche, welche auch an Kaninchen, aber miter inigewhnlichen Umstnden g'emacht worden sind. Die wichtigsten imter diesen sind wohl diejenigeu, welche mit Fleisch ge- macht wurden, in dem die Muskeltrichinen noch nicht ihre Aolle Entwickhuig erlangt hatten. Wir bezeichnen solches Fleisch als jungtri cliinig. Tu zwei Fllen iNr. 26 und Nr. 27) rhrte das verwandte Fleisch her \im\ Ivaninchen Nr. 10 der ersten Tabelle, welches 17 Tage nach seiner eigenen Infection ge- tdtet worden Avar. Die INIuskeltrichinen hatten in diesem Falle bereits die Grsse von 0,G mm. erreicht gehabt. Die beiden Versuche schlugen vollkom- men fehl. Ein dritter Versuch Nr. 25^' wurde mit ^Nlusefleisch gemacht. ])as- selbe rhrte von der ]\Iaus Nr. 22 aus Tabelle IV her. In dieser Maus hatte der Zustand der INIuskeltrichinen nachgewiesen , dass die erste Ftterinig vor 24 Tagen nicht geglckt Avar, indem nmlich Avahrscheinlich die Maus von dem ihr vorgelegten Futter damals nichts genommen hatte. Es konnten danach die Muskeltrichinen erst als am fnfzehnten Tage nach der Ftterung stehend erachtet werden inid es kann nicht verwundern, dass dieser Versuch gleichfalls fehlschlug. Da das betreffende Kaninchen nmlich schon vier Tage nach diesem Versuch getdtet wurde, so htte es aus demselben nur Darmtrichinen haben knnen. .Solche hatte es aber nicht. Die in ihm befindlichen eingekapselten Muskeltrichinen konnten damit nichts zu thun haben, sie Aviesen vielmehr das Gelingen eines andern \^ersuches nach. Es Avar nmlich diesem Kaninchen, in Versuch 25'^, lange vorher ein Stckchen sehr faulen trichinigen Kaninchenfleisches gegeben Avorden. INIan hatte dieses Fleisch neun Tage lang so an den Kaiid des Wassers gelegt, dass es immerfort feucht blieb. Es Avar zu einer zerfliessenden, sehr bel riechen- den, faulem Kse auffallend gleichenden Masse gCAvorden , aber die Trichinen liatten sich in ihm bei ErAvrmung noch A'ortrefflich bcAvegt gehabt. Der Er- folg der P'tterung entsprach vollkommen der Grsse des Fleischstckchens, an dem Kaninchen Avaren schon mit blossem Auge auf dem museulus cnmllaris die Trichinenkapseln 72 Tage nach l^eginn des Versuchs zu entdecken. Zur (ontrole fr die Ergebnisse der Verftterung von Darmtrichinen Avurden an Nr. 2S zAvei Versuche gemacht. Dieses Kaninchen erhielt zuerst ein Stck von etAva 2 Zoll Lnge aus der Ciegend des Dnndarms eines ITidnis, in Avelcher sich an benachbarten Stellen eine niclit unbedeutende Anzahl von Darmtrichinen hatte nacliAveisen lassen, unter Avelchen die Weibchen lebliaft bcAvegte Embryoneu enthielten. Dieses Ilini, Nr. 18 der fnften Tabelle, A\ar sieben Tage nach der eigenen Inficirung geschlachtet AVorden und sein Darm Versuche mit Schieinen. 67 enthielt aussen- den Eesullalcn jener 1^'iitteriing- aiieli uoeh in es selbst ber- tragene , iii< lil w(Mter entwickelte Trichinen aus einem Dohlendarm. Die zweite I'Mtleruni;' dieses KaiiinelHMis geschali mit trichinenlialtigem Musedarm. Derselbe rhrte von der Maus Nr. 22 aus Tabelle IV lier, deren schon oben gedacht -wurde, und war voll von Trichinen beiderlei Geschlechts, unter denen die Weibchen mit /ahlreichen h'iubryonen. Die mehrfachen P^tterungcn dieser ]Maus fielen zwischen neun und fnf/ehn Tage vor der Tdtung, nach der oben bes])r()chenen Ausschliessung der ersten Ftterung. Dieser doppelte Ver- stuh der I'ebertragung der Darmtrichinen war erfolglos. Kaninchen Nr. 29 sollte zum Versuche dienen, ol) die verschiedenen etwa gebotenen Mglichkeiten der Selbstiufection sich geltend machen mch- ten. Es starb zufllig schon bald, aber eine Trichinisirung wurde an ihm nicht bemerkt. Es drfte berhaupt scliAvierig sein , durch Experimente dahinter zu kommen, wie hufig wohl solche Zuflligkeiten in IJetracht kommen. III. Versuche mit Schweinen, Die dritte Tabelle unifasst die Versuche, welche mit sechs jungen Schweinen gemacht worden sind, nachdem bereits der grsste Theil der oben angefhrten Studien ber Kaninchen vorausgegangen Avar. Die ersten drei Schweinchen erhielten in verschiedenen Ternnnen Ka-. ninchenfleisch mit ausge-svachsenen Muskeltrichinen. Eins unter ihnen, welchei^ v(ui Anfang au das scliAvchste gewesen war, starb gerade fnf Wochen nach der letzten Infection, frh genug, um neben den sehr zahlreichen Muskel- tiichinen noch sehr viele Darnitrichinen, unter denen nicht -wenige Mnnchen, nachweisen zu lassen. ])ie beiden andern Hessen etAva vierzehn Wochen nach dem Beginn der Versuclie in mit der AVEBEit'schen Harpune entnomme- nen Proben von Schulter und Schinken die Muskeltrichinen sehen, in deren Kapsel schon eine Trbung durch Kalk zu erkennen Avar. Vierzehn Tage spter geschlachtet, zeigten sie eine colossale Infection, Avelche an dnnern Muskellagen sehr gut mit blossem Auge bemerkt Averden konnte. Wir hatten ihnen noch sechszehn, resp. vierzig Stunden vor dem Tode trichiniges Kanin- chenfleisch vorlegen lassen. Es Avar nicht beobachtet Avorden, Avann dasselbe genossen Avorden Avar. Nur im spter getdteten, also nach hchstens vierzig Stunden, fanden sich Darmtrichinen vor; sie Avaren sehr zahlreich, nicht ber l mm. lang , die Haken der Mnnchen , die Vulva der Weibclien noch nicht gebildet; die meisten AA^aren noch gerollt. Wahrscheinlich hatte dieses ScliAvein- chen, Avelches strker Avar, das Fleisch allein gefressen. Bei einem vor neun ^Monaten geftterten, nicht in inisere Versuchslisten gehrenden, ScliAveine Avurde die Trbung der Kapseln ebenfalls bemerkt und durch Essigsure die Gasen tAvicklung nachgeAviesen. Das ScliAveiuchen Nr. 4 AVurde zur Ergnzung der in dieser Beziehung an Kaninchen gemachten Erfahrungen mit jungtrichinigem Kaninchenfleische gefttert. Das Fleisch Avar von ZAvei Kaninchen Nr. 7 und S aus Tabelle I genommen , Avelche hchstens vierzehn Tage nach der Ftterung getdtet Avorden Avaren und junge INIuskeltrichinen besassen. Die Ftterung blieb ohne Ei'folg. Zu einem Aveitern Versuche in dieser Richtung Avurde das ScliAveinchen g Die Errjehmsse der Versuche. Nr. (i veiAvaiidt. JMaii j?ab demselben nahezu die ^anze Fleischmasse des Ka- nineliens Ni . 1 I . Die Tabelle I weist nach, dass dasseljpe achtzehn Tage nach der Ftternnj^ getodtet worden war. Die Ftterung geschah in mehreren Malen uiul neun Tage nach deren Beginn ergab die Obduction des Schweines Darm- trickiuen in geringer Zahl. Unter diesen waren die [Mnnchen nur 0,9 mm. bis hchstens 1 mm. lang, desglei(;hen auch die Weibchen auffallend klein, eines obwohl mit vielen Jungen in Uterus und Scheide nur 1,75 mm. lang. .Tuug(< Embryonen fanden sich nicht im Krper, wohl aber einige wenige ltere, in (Un- Einkapselung begriffene IVIuskeltrichiuen im Zwerchfell und der Zunge. Es ist nichts Anderes mglich, als diesen letzten Befund als das Ergebniss einer wider unsern Willen stattgefundenen Infection durch irgend einen Zufall oder eine Nachlssigkeit zu betrachten. Die angegebene Grsse der Darm- trichinen bleibt hinter dem fr die Daiun- des Versuclit^ zu berechnenden Normal- maass zurck, so maassen die weiblichen Darmtrichinen der Katze Nr. 2 1 aus Tabelle IV sechs Tage nach der Ftterung schon l)etrchtlich mehr, nmlicli 1,'.) mm. Rechnen Avir diesen Versuch mit den andern bisher erwhnten Ftterun- gen mit jungtrichinigem Fleische zusammen, s(j erhalten wir eine durch zwei l^.edingungen gegebene Feststelhmg des Termines , von welchem ab Muskel- trichinen reif genug zu sein pflegen, um verfttert zu Darmtrichinen zu erwach- sen. Zuerst erinnern wir uns, dass das Fleisch des Kaninchens Nr. 10 siebzehn Tage nach der Ftterung durchaus nicht zu inficiren vermochte. Wir sehn dagegen hier achtzehn Tage nach der Ftterung die Trichinen hinlnglich ge- frdert, um den neuen Versuch gelingen zu machen. Allerdings nur in drf- tiger Weise, was eben als zweiter BcAveis genommen werden kann, dass der richtige Termin erst .eben erreicht wurde. Denn einmal zeigen sich die Darm- trichinen bei einer wahrhaft colossalen Ftterung nur hrgeringer ]Menge, einige Avenige, oft gar keine in mehreren Tropfen Schleim und beweisen, dass nur ein kleiner Theil der verftterten Muskeltrichinen fhig war, sich weiter zu entwickeln. Zweitens aber ist diese Entwicklung eine langsamere oder eine krnkelnde, da die Trichinen im Darme kleiner gefunden wurden, als sie der Zeit nach htten sein mssen. Um uns die ^Motive hierfr und dadurch vielleicht das wirkliche ' Wesen des Zurckstehns im Wachsthum zu erklren, mssen wir vorab einer Avesent- lich in den zoologischen Theil fallenden Thatsache gedenken. In dem zur Ftterung gebrauchten Kaninchenfleische fanden sich die Trichinen dort, avo sie am meisten fortgeschritten getroffen Avurden, eben erst mit der IJildung der Kapsel beschftigt, viele eingerollt, aber noch ohne Kapsel. In diesem Zustand sind die Trichinen noch nicht ausgCAvachsen , die lngsten maas- sen nur 0,75 mm. Solche Avaren aber sehr gestreckt und es schien oft, dass nicht sie, sondern andere, mehr kurze \ind dicke, in der Organisation am meisten fortgeschritten seien. In solchen sah ich bei einer Lnge von kaum ber 0,5 mm. schon durch die CHoake und die Hodenumbiegmig die Geschlechts- difFerenz charakterisirt. Es scheint demnach, dass die Cjeschlechtsbildung in der Muskeltrichine sreffeben sein muss , Avenn sie sich zur Darmtrichine soll entAvickeln knnen, soAvie dass die betreffende Differenzirung schon vor der Kapselbildung angelegt Avird. Folgt nun nicht der Einkapselung die W^ichs- thumsvollendung im eingekapselten Zustand, soAveit solche berhaupt im Mus- Wcifrre l^rrsiichv mit verschiedenen Simrfern. 69 keltrirliinonstamU in^licli, so nmss diescllx' nicht alloiii woiiijistens im Darm- trirliinen/.ustande iiaclij^oholt , sondeni es inay- wolil lxMliaupt nie die volle mog'liche (irsse erreicht Averden. So ist dauu die geringe (irsse der Darm- trichiueu in jenem SchAveinchcn nnd der]\Ian<>el von Embryonen im Darmschleim und ani" der Wandernn<>' v.n erklren. Dass iihrii^ens der Anfanji^stermin fr die Verftterbarkeit der INInskeltrichinen ni(-ht berall ,i>enau f>leich in ne/,iehnn<)^ auf d(Mi Anfang- des A'ersuehs sich stellt, sondern wohl auch etwas kiir/(>r bemessen werden kann, werden Avir an der Ratte Nr. 7 aus Tabelle IV sehn. Das Schwein Nr. "> wurde zu einem Versuche der Uebertrai^unn^ von Darmtricliinen verwandt. Es erhielt den Darm von allen viei; im September getdtelen oder gestorbenen Kaninchen, Nr. I, 5, 7 und 8, der in allen Fllen Trichinen mit Embryonen, nnd zwar meist in grosser Menge enthielt. Wie die betreifenden Versuche mit Kaninchen, blieb aucJi dieser ohne Erfolg. IV. Weitere Versuche mit versthiedeneii Sugern. Die vierte Tabelle enthlt die Versuche, welche mit verschiedenen andern Sugethieren und unter verschiedenen Bedingungen vorgenommen Avor- den sind, theils um die Inficirbarkeit der verschiedenen Arten zu prfen, theils um der Bedeutung der schon in den beiden vorigen Versuchsreihen mit her- vorgehobenen besonderen Umstnde bei Uebertragungsversuchen Aveiter nach- zuforschen. Nagethi(n-e und besonders aus der Familie der Muse haben das haupt- schliche (/ontingent geliefert. Leider boten die Versuche mit den gewhn- lichen Musen und den Eatten die ScliAvierigkeit dar, dass diese Tliiere in der Regel nicht direct gefttert Averden konnten , sondern man sich meist begngen musste, ihnen das Trichinen enthaltende Futter vorzulegen. Um zu controliren, ob und Avann die jMuse gefressen htten, Avollte man die einzel- nen isoliren und Avhlte dazu der grossen Zahl halber zum Theil hohe verdeckte Glasgefsse. Dabei gingen jedoch mehrere Thiere rasch zu Grunde, vielleicht Aveil sich eine Schicht irrespirablen Gases bildete. In den grssern Kfigen Avar es schwer zu sehn, ob die Thiere die Speise gefressen oder nur verzettelt htten. Um die Sache annehmbarer zu machen, Avurde, das F^leisch mit Erot und ^Nlilch in grosse Kugeln geformt. Aber zuAveilen blieben auch diese lange liegen, bevor sie benagt Avurden. So Avar einmal der Anfangstermin des Ver- suchs in den meisten Fllen etAvas unsicher und auch das Resultat zuAveilen in Frage gestellt, da, Avenn sehr kleine Stcke Fleisch einige Tage trocken lagen, die Trichinen in ihnen nicht mehr entAvicklungsfhig Avaren. Wenn das Fleisch in Wasser gelegt Avurde, so Avar bei dessen Verunreinigung nach- her gar nicht sicher zu sehn , ob etAvas gefressen Avar. Auch Avurde der Tod der kleinen versteckten Thiere zuAveilen nicht sofort beobachtet, imd die im heissen Sommer rasch fortgeschrittene Fulniss hinderte eine ordentliche Unter- suchung. Die besondern Vortheile, Avelche Avir von den INIusen gehofft hatten, da in ihrem kleinen Krper die Embryonen an allen Stellen leichter mussten gefunden Averden, Avurden so nicht erreicht; man musste sich eben durch- schlagen und zufrieden sein, Avenigstens leidliche Resultate zu erzielen. Von ZAvlf Exemplaren der Hausmaus [Mus msculus) starben neun von selbst Avhren'd des Versuchs und zAvar acht bis zum Ablauf des zehnten Tages. 70 Die Ergehms.se der Verliehe. Zwei Flle waren ganz- ohne Erfolg; wahrscheinlich Avar das Fleii^ch gar nicht oder erst nach dem Vertrocknen gefressen worden. In einem dritten Falle, ]Vr. l, fand sich am vierten Tage nach Vorlegung der Nahrung das trichinige Fleisch erst im JNIagen, Avohei dann die gewiss Aorher vertrocknet gewesenen Trichinen todt und zum Tlieil durch die Verdauung in Auflsung waren. ZavcI Aveitere Flle wurden wegen zu grosser Fulniss nicht mehr auf Darmtricliinen luitersucht. AVenn man, wie Avir schon frher fr nothA\endig sich ergehend (U"klr- ten, in Nr. 22 die erste Ftterung fr chenfalls nicht aufgenommen erachtet, so entsi)richt in allen brigen sieben Fllen die EntAvicklung der Trichinen gut den aus den andern Erfahrungen erkannten Bedingungen der Zeit. ZAvei 3Ial Avuvden Muskeltrichinen erzielt, die bei solchen, Avelche mit neun oder A\eniger Tagen starben, nicht vorkamen. Nach 20 Tagen Avurdcn noch Darm- trichinen beobachtet, nach vier Wochen nicht mehr. Es konnte bei den INIusen ein frherer Termin der Infection beobachtet Averden, als das bei den Kaninchen geschehen Avar, da Nr. 12 schon nach sechs Stunden starb. Die Trichinen Avaren bereits aus den Kapseln herausgetallen. Die Krankheitserscheinungen Avaren bei den ^Musen zuAveilen schon zei- tig , bevor die GegeuAvart der Embryonen in den ]Muskeln nachgCAviesen Aver- den konnte, recht auffllig. Die Thiere hatten trbe Augen, gestrubtes Haar, schleppenden Gang, Hessen den Kopf auf die Erde hngen. ZAvei leider zu frh verstorbene Waldmuse 'Mus sylrafieus beAviesen, dass Avenigstens in sicherer EntAvicklung der Darmtrichinen diese Art sich neben die Hausmaus stellt. Die Todesursache lag brigens schAverlich in Aqu Trichi- nen, sondern vermuthlich, Avie oben cvAvhnt, in Erstickimg. Schon \\() Stun- den nach Vorlegung der Nahrung, vielleicht schon 23 nach deren Gennss, Ava- ren hier die Aveibliche Geschlechtsffnung und die Zapfen der ]Mnnchen ge- bildet, letztere jedoch noch kurz und unfertig. So starben auch von der Wanderratte [Mus decumanus] ZAA'ei Exem- plare zu frh, um Embryonen aus den in ihnen erzogenen Darmtrichinen her- vorgehen zu lassen. Eine dritte erhielt jungtrichiniges Alusefleisch , A^on der- selben Maus, Nr. 22, mit Avelchcr das Kaninchen Nr. 25^', Avie oben erAvhnt, vergebens gefttert Avordeii und Avclche fnfzehn Tage vorher inficirt Avorden Avar. Es gelang in diesem Falle, sechs Darmtrichinen aufzufinden, ZAvei ]Mnn- chen und vier Weibchen, von Avelchen letztern das grsste vier Tage nach der Ftterung inn- 1,1.") mm. niaass, zAA^ar die Begattung vollzogen hatte, aber noch keine gefurchten Eier zeigte. Das zAveite Weibchen maass nur 1,3 mm., das dritte 1,1 mm. an Lnge; das grsste Mnnchen 0,8 mm., das andere 0,75 mm. Ein Weibchen wurde nicht gemessen. Es zeigt sich hier ein Mindermaass der Grsse der Darmtrichinen in hnlichem Verhltnisse, Avie bei Sclnvein Nr. (i,. da Avir hnliche ])imensionen sonst Avohl schon nach 24 Stunden finden. Dass die Ftterung bei der Ratte aa'oIiI, nicht aber bei dem Kaninchen, ber- haupt aber diesmal zu einem Termin glckte , in Avelchem sie sonst versagte, knnte seinen Grund darin finden, dass das Kaninchen Fleisch A^on den gros- sem Muskelmassen der Glieder der Maus erhalten hatte , die Ratte aber das Gerippe mit anhngendem Zwerchfell mul den Hals- und Rckenmuskeln, Avelche zuerst inficirt Averden und auch schon in der grsseren JNIenge sie be- setzender Trichinen am ersten reifere enthalten mochten. Dass Mus decumanus Weitere J^ersf/rhe mif versehiedenei) Sngern. 71 Muskeltrifhinon helieiheroon kunii , unterlioot nacli aiuleiu Evfolininoen , so auch der ohen aus ireidclbors; erwhnten, keinem /Aveifel. Dasselbe Avurde durch (lie I'ntersuchinig fr die Hausratte [Mus raffn.s) nacligewiesen , von (U'r ein E.\em])hir hier am Orte zvmi Experimente iJeliefert werden konnte. Es wur(UMi hei dieser Ratte (hei alte eingeka],selte Trichinen im /A\'erchfell j^e- funden. Leider musste es lur den Versuch unentschieden bleiben, oh diesel- ben eine ltere Erkrankung' oder durch die Fiitterun<^en eingefhrt seien. jNIan hatte dem Thiere seit fast sechs AVochen die ]3rme ziemlich aller Yersuchs- thiere oder doch die Theile derselben, Avelche am meisten Darmtrichinen ent- hielten, vorfiele^ t. Acht verschiedene derarti<^e Ftterunoen sind notirt worden. Das Thier hatte die Gedrme und deren Inhalt leidenschaftlich gern und rasch gefressen und so gewiss viele Tausende lebender Darmtrichinen verspeist, viel- leicht zuweilen auch einige w'eniger entwickelte, welche noch mehr als Mus- keltrichinen zu betrachten waren. Der oben erAvhnte IJefund kann in einem solchen Falle, obwohl mglicherweise ihrer Entwicklung nach die sparsamen Trichinen aus den drei ersten Ftterungen herrhren knnten , fr ein ganz negirendes Resultat angesehn werden, und er enthlt ein solches zuverlssig fr die letzten Ftterungen, da auch nicht eine Darmtrichine angetroffen wurde. Dieser letztere Umstand spricht dringend dafr, dass die sparsame Infection ber- haupt schon anderwrts erlangt war. . Die Geneigtheit der Muse und Ratten, sich mit Trichinen zu inficiren, knnte vielleicht an geeigneten Stellen zu deren Vertilgung benutzt w^erden, da die tdtliche Seuche sich von einem Opfer auf die den Kranken und Tod- ten nachstellenden Gesclnvister fortpflanzen msste. Die grosse Wasserratte lebend zu bekommen, gelang fr diesmal nicht. Eine kleine Feldmaus [Ilypudacus arvalis), die, viel zutraulicher als die Hausmuse, das Fleisch aus der Hand frass, Avurde leider schon am folgenden Tage todt gefunden. Die Trichinen Avaren aus den Kapseln ausgefiillen, aber noch gerollt. Spter wurden noch drei Stck derselben Art mit trichinigem Ka- ninchenfleische ohne Sclnvierigkeit aus der Hand gefttert. Die erste derselben starb nach etAva 90 Stunden. Es fluid sich starke Leber- und Lungenconge- stion, Avelche jedoch Avohl, Avie bei einem andern gleichfalls in der Gefangen- schaft gestorbenen, nicht trichinisirten Thiere derselben Art auf AuAvesenheit der Leberfinne der Muse, des Cysficerctis fasciolaris, geschoben Averden drfen, soAvie geAvaltige Anfllung der Darm- und iNlesenterialgefsse. Die Darmtrichi- nen Avaren zahlreicli vorhanden, hatten die l^egattung ausgefhrt, die Weibchen enthielten jedoch noch keine Embryonen. Die Weibchen maassen 1,5 bis ber 2 mm., eins selbst 27 mm. JJei Mnnchen von 0,9 bis 1,1 mm. Avaren die Schwanzhaken fertig gebildet, ein Mnnchen von 0,8 mm. Lnge hatte die Samenblase leer und zeigte bei bedeutender ('Ontraction starke Ringehnig, Avahrscheinlich den Zustand gleich nach der 1 Begattung zeigend. Die Trichi- nen fanden sich bis an das unterste Ende des Dnndarms. Die zAveite dieser Feldmuse wurde elf Tage nach der Ftterung getdtet. Li den Kaumuskeln und im ZAverchfell fand ich junge Muskeltrichinen von 0,12 0,15 mm. Tiinge. Lu Dnndarm und Fdinddarm Trichinen beider Ge- schlechter. Ein Weibchen darunter maass 2,3 nun. linge, und ber 0,05 mm. Dicke; es war Avie mehrere andere strotzend mit Ihiit gefllt, deren (ieburt 72 J^ie Ergehnisse der Versuche. beobachtet wurde. Ein iMniichen maass nur 1,1 mm., ein anderes weniger als 1 mm. an Lnge, dennoch war ihr ras defereits zur Samenblase erweitert. Das letzte Exemplar von Hijpudaeus arvalis wurde neunzehn Tage nach der Ftterung getdtet. Es war bis zum letzten Augenblicke ganz munter o-ewesen. Die Muskeln zeigten sich bereits stark von Trichinen durchsetzt, deren kleinste mit 0,13 mm., die grssten mit 0,() mm. Lnge gemessen wur- den. In letztern war die Geschlechtsdiiferenz voUkonmien deutlich, auch Avaren sie bereits ein oder mehrere Male umgebogen oder gerollt, die Kapsel war jedoch noch nicht gegen die meist weithin durchgngigen Muskelschluche ab- gesondert. Die Erweiterungen der Muskelschluche waren lang gestreckt, be- trimen aber mit etwa O.US nun. an der weitesten Stelle kaum das Dreifache der normalen Fibrillendicke. So erschienen die grssern Wrmer sehr beengt, sie hatten kaum Eaum sich aufzurollen. Das Wohnthier war nach der geringen Grsse und grauen Frbung ein junges Thier vom laufenden Jahre. Vielleicht ist es daraus zu erklren , dass hier in hnlicher Weise , wie wir das spter beim Kalbe beschreiben werden, die Muskelaffcction wenig charakteristisch war. Die frischerkrankten Muskellibrillen erschienen kaum dunkler, die ver- mehrten Kerne waren weicher, Aveniger scharf contourirt als sonst, die aus dem Zerfall der Substanz resultirenden Molecle wenig dunkel und sparsam. Sein- frh trat das blasse Ansehn der Fibrille aus Schwund des Inhalts ein. Dann klebten an der Innemvand des Schlauchs kleine runde oder lngliche Krnchen- haufen an vuid zeichneten durch ein punctirtes Ansehn die Anschwellungen aus, in welchen reifere Trichinen sassen. Weithin konnten die hell gewor- denen hohlen Schluche verfolgt werden. Im Herzen fanden sich keine Tri- chinen. Im untern Theile des Dnndarms wurde ein Weibchen von 2 mm. mit viel Brut, soAvie ein Mnnchen von 1 mm. Lnge, noch mit ausgedehnter, gefllter Samenblase gefunden. Im Blinddarme und Dickdarme -vNiirden keine Trichinen nachgewiesen. Es sind demnach hier die Darmtrichinen, ohne Er- scheinungen von Darmerkrankung, verhltnissmssig frh nahezu verschwmiden inid Avrde das Thierchen vermuthlich die Affection berstanden haben. lieim Hasen, [Lepus timidus) gelang es nur, das Leben so lange zu erhalten, bis die Darmtrichinen anfingen, ihre Brut in den Darm abzusetzen. Es wurde das hier schon nach kaum fnf Tagen beobachtet. Die Gegen- wart der zahlreichen Darmtrichinen begann eiwa drei Zoll initer dem Magen im Dnndarm; sie wurden durch eine Strecke von fast drei und einem halben Fuss in allen Proben nachgewiesen, fehlten aber im letzten Ende des Dnn- darms, dem Blinddarm und dem Dickdarm, soweit der massige Inhalt unter- sucht werden konnte. In Betreff der Muskeltrichinen Avird sich bei der grossen Uebereinstimmung anderer, viel mehr Avhlerischer Helminthen der Hase gCAviss dem Kaninchen gleich verhalten. ZAvei Meerschweinchen [Ca via cobaja] bekamen Avenige Tage nach der in zAvci Malen gegebenen Ftterung sehr heftige Krankheitserscheinungen: Diarrhe, ^langel an Fresslust, triefende, trbe, kleine Augen, kalte Fsse und Ohren, lahme, unsichere UeAvegimgen. Zuletzt lagen sie auf der Seite, (h'u Kopf in das Heu eingegraben, Avaren in den Fssen ganz gelhmt, schrieen bei lierln-ung und hatten raschen pfeifenden Athcm. Das erste, ein sehr starkes Mihnichen , starb neun Tage, das andere, etAvas schAvcher, acht Tage nach der Ftterunu'. lU'i sclir zaldreichen Darmtrichineu zeigten sich Embryo- Weitere Vermrlie mit versrhiedenev Sugern. 73 nen am Zwerchfell. Die den Thieren verftterten Fleisclnnenoen waren immer- hin geringer als solche, deren Folgen mehrfach von Kaninchen ohne Schaden ertragen wurden. Die Section ergah hhitiges Serinn in der Leiheshhle und starken Dnndarmkatarrh. Der Dickdarm war mit harten schmierigen Faeces g-efllt, die Leher sehr hlutreich. Bei der Hauskatze wurden die Trichinen der seit der Ftterung ver- flossenen Zeit entsprechend entwickelt gefunden , Darmtrichinen schon nach sechs Tagen mit erwachsener Ih-ut, spter Muskeltrichinen, deren Ka])seln he- sonders gross und klar erschienen. Bei einem sehr krftigen, etwa vierjhrigen Ziegenhocke gelang- es, drei und vier Wochen nach zwei reichlichen Ftterungen fjede etwa ein Viertelpfund starktrichinigen Kaninchenfleisches) drei Darmtrichinen aufzu- finden. Die gerade verwendhare Zeit war der ungeheuren Menge von Darm- inhalt zu wenig- entsprechend, als dass Avir nicht annehmen mssten, es seien vielmehr Darmtrichinen vorhanden gCAvesen. Die gefundenen Stcke waren alle Weihchen und enthielten reife Embryonen. Muskeltrichinen konnten nicht nachgewiesen werden. Von grossem Interesse war der Versuch mit einem Kalhe, Avelches bis zur Einleitung- des Versuchs nur mit ]\Iilch genhrt worden war, Avhrend des- selben jedoch ausser der zur Nahrung schliesslich mit etAvas JJrot gemischten Milch, Avie die Section nachwies, ziemlich von der Streu gefressen hatte. Das Thier erhielt erst etA\a ein Mertelpfund trichinigen ScliAveinefleisches , in Avel- chem etAva nur 5 00 Od Trichinen enthalten sein mochten, dann etAva andert- halb Loth viel strker trichinigen Kaninchenfleisches und endlich noch kaum ein Loth von Zunge und ZAverchfell desselben Kaninchens, in Avelchen beiden Mengen zusammen 70000 Aveitere Trichinen sein konnten. Das Thier Avurde 19 Tage nach der ersten F'tterung getdtet. Im Darme Avaren die Trichinen in sehr grosser Menge vorhanden, unter av eichen Weibchen mit einer unge- heuren Menge von Eiern und Jungen nahezu bis 3 mm. gross. In den Mus- keln Avar die EinAvanderung bereits tchtig begonnen und maassen die Trichi- nen im ZAverchfell schon bis O,!;,") mm. an Lnge. Solche rollten sich schon ein. Daneben kleinere bis herab zu 0,11 in allen ZAvischenstufen. Im Darme fand sich eine Trichine, anscheinend ein junges Weibchen von nur 0,425 mm. Lnge. Ich kann das nicht anders deuten, als dass Avir hier es Avieder mit einer solchen Trichine zu thun haben, Avelche, Aveil im Muskel nicht reif gcAvorden, auch spter nicht gehrig Avuchs. Das Kaninchen Nr. 24, dessen Fleisch zur Ftterung verAvandt Avorden Avar, hatte ja solche unreife Muskeltrichinen nach AusAveis der Tabelle besessen. Ich Averde unten noch auf einige Besonder- heiten im Befunde beim Kalbe zurckzuk(mnnen habei:. Da Avir bei der Ziege Avohl Darmtrichinen, aber keine Muskeltrichinen fanden, so kann nicht allein in der Verschiedenheit des Magens der jungen und der erAvachsenen Wieder- kuer der Grund gefunden Averden, dass dieser Versuch gelang, auch Avohl kaum in der Ernhrimg, vielleicht in der geringern Soliditt der DarmAvnde. Zahlreichere Versuche mssten das entscheiden. Mit einem jungen Fuchse [Ccifiis riilpes) und ZAvei Haushunden, von Avelchen der eine jung , vom selben Jahre und von inibestimmter Eace, der andere ein mehrjhriger Pinscher Avar, Avurden ebenfalls Versuche ange- stellt , Avhrend Avelcher der Fuchs ausschliesslich mit Fleisch gefttert Avin-de. Pa ge n s t p eil p r , Die Triiliien. 10 74 -/e Ergehmsse der Vei'suche. Die Versuche Avimlen durch vielfaches Wiederholen der Ftteruno- mit trichi- nigem Fleisclie im "S^rlaufe mehrerer Wochen so "eordnet, dass bei etwaigem Gelinoen ehensogut Darmtrichinen als Muskeltrichinen htten erwartet werden mssen. Der Fuchs erhielt ausser ungeheuren Mengen trichiuigen Fleisches auch die Eingeweide sehr vieler trichinisirter Thiere, in welchen hiitig die Danntrichinen nachgewiesen Avaren. Es gelang in keinem der drei Flle, auch nur eine Darmtrichine oder Muskeltrichine nachzuweisen. Ich hahe augen- blicklich noch einen weiteren "S'ersuch mit einem Hunde eingeleitet, welcher erst eben entwhnt ist und nur mit Milch, l>rot und Wasser genhrt wird. V. Versuche mit Vgeln. Die fnfte Tabelle enthlt die Versuche, Avelche mit Vgeln gemacht Avorden sind. Es ist in denselben nie gelungen , Muskeltrichinen zu erzielen oder Embryonen auf der AVanderung zu ertappen. Auc-h im Darraschleim wur- den keine Embryonen gefunden, obAvohl kein Zweifel sein kann, dass die Ge- burt derselben vor sich geht und dieselbe unter dem ]Mikrosko])e bei im Truthahne erzogenen Darmtrichinen beobachtet AAurde. 15eachtenswerth ist es, dass die Versuche gar keinen Erfolg ergeben haben bei den ausschliesslich von thierischer Nahrung lebenden Raubvgeln , dem liussaar [Btifeo vulgaris) und dem Waldkauz {Syrirtum aUico], obAvohl diese Thiere schon nach Aveniger als vier Tagen nach der letzten Ftterung getdtet Avurden, einem Termine, bis zu Avelchem mehrere andere Vgel die Trichinen im ])arme zu behalten im Stande Avaren. ])esgleichen Avar bei der Elster [Fica ruudata) fnf Tage und bei einer Dohle [Monedula turrium) vier Tage nach der letzten Ftterung keine Spur der Darmtrichinen zu finden. Fr die Dohlen Avurde in einem ZAveiten Falle, in Avelchem das Thier schon vor Ablauf eines vollen Tages starb, nach- gCAviesen, dass die Trichinen um diese Zeit aus ihren Kapseln befreit Avaren. Sie befanden sich in einem dritten Versuche nach anderthalb Tagen schon nicht mehr in der obern , sondern nur in der untern Hlfte des Dnndarms, zeigten aber krftiges Leben. Wie viele Tage genauer sie im Darme zu bleiben und Avelche Ausbildung sie zAvischen den gegebenen Terminen daselbst zu er- reichen im Stande sind, bevor sie den Darm verlassen, bleibt fr alle die ge- nannten Vgel noch unentschieden. l]ei einem Staare [Sfurnus vulgaris) Avurde schon nach drei Tagen keine Spur der genossenen Trichinen mehr gefunden. So Avaren auch bei der zahmen Ente in zAvei Fllen, von Avelchen der eine schon fnf Tage nach der letzten Ftterung abgeschnitten Avurde , keine ])armtrichinen aufzufinden. T'nd doch machte der geringere Umfang des ])armcanals bei allen Vgeln eine grssere Genauigkeit der Untersuchung mglich, als bei den meisten Suge- thieren erreicht Averden konnte. l)ei allen brigen in Ftterung mit trichinigem Fleische genommenen Vogelarten AVurden Trichinen im Darme vorgefunden und nur in denjenigen Individuen vermisst, die zu spt zur Untersuchung gebracht Avurden. Eine grssere Anzahl junger Hher Garrulus ghi nd a rius) gab Ge- leo-enheit zu einer anzen Reihe von Versuchen, durch Avelche man vermittelst Tdtunu" zu verschiedenen Terminen sehen konnte, in Avelcher Zeit die Trichinen Versuche mit Vgeln. 75 aus den verdauten KM])soln ausfallen, wie rasch sie wachsen, Avie hald sie sich befj^atten. Es wurden (laniil. die Lcken unserer IJeohachtunf^fMi an Kaninchen, welche nie vor zwei Taj^eu erleiden waren, in ])assender Weise ausgefllt. Es ergab sich , dass schon nach zwei und vier Stunden ein Theil der Trichinen aus den Kapseln gelst Avar, und dass sich nach vier Stunden schon junge Danntricliinen im Dnndarm befanden. Nach vierundzwanzig Stun- den hatten die Weibchen erst 1,05 mm., die Mnnchen (),S3 mm. Lnge, die Thiere zeigten sich zur IJegattung bereit. Nach drei Tagen wurden die Weib- chen schon l,.") mm. lang gefunden, die Begattung hatte vielfach stattgefunden, die Geschlechter lagen in dichten Knueln verwirrt und Eier w^aren im Uterus der Weibchen in Menge zu erkennen. Unterdessen waren aber die Wrmchen stark im Darme herab"edrnsrt. Erst noch zahlreich im untern Ende des Dnndarms gelangen sie nun in den Dickdarm, die kleinen Blinddrme, die Cloake. Sie vermgen sich nicht zu halten, ihre Zahl vermindert sich rasch, whrend die brigbleibenden, wenn weiblich, stark mit Eiern gefllt waren. Nach dem fnften Tage wurden noch einige wenige Individiien , schon nach dem achten Tage nicht eins mehr ge- funden. Die Anwesenheit der Trichinen im Darme ist also auf etwa so viele Tage beschrnkt, als sie beim Kaninchen Wochen betrgt. Von einer Aus- wanderung der Embryonen hier Avie berall keine Spur. Alle diese Hher waren unterdessen, Avenn auch nicht ausschliesslich, doch stark mit Fleisch gefttert Avorden. Ihr Darminhalt Avar oft mit Blutstreifen durchzogen, der Dickdarminhalt fters sehr belriechend und muss es wohl der ungeeigneten Dit zugeschrieben Averden , dass vier unter zehn Stck starben , als sie doch keine oder fast keine Darmtrichinen mehr aiifzuAveisen hatten. Es ist denk- bar , dass bei sorgfltigerer , besonders mehr vegetabilischer Ernhrung die Darmtrichinen nicht so rasch A^erscliAvunden sein Avrden. So Avurde bei der Haustaube die Anwesenheit der Darmtrichinen nicht allein nach acht , sondern noch nach elf Tagen erwiesen. Schon im ersten Falle enthielten die Weibchen Brut, Avelche zum Auskriechen bereit Avar. Die meisten Trichinen fanden sich etAvas unter der Mitte des Dnndarms, Aveiter unten sparsamer, keine im Dickdarm und den Blinddrmen. Auch im ZAveiten Falle Avaren sie auf eine Stelle etAvas ber dem untern Drittheil beschrnkt, die Weibchen knapp 2,5 mm. lang, die Mnnchen sparsamer mit gespreizten Haken inid entleerter Samenblase. In hohem Grade auffallend Avar die ausser- ordentlich geringe Menge von Brut, Avelche einzelne Weibchen enthielten, Avhrend andere mit Eiern und Jungen Avie gewhnlich sehr gefllt Avaren. Eine Gans Avurde viermal mit tiichinigem Fleische gefttert und fnf, elf, siebzehn und achtundzAvanzig Tage nach den betreffenden Terminen ge- tdtet. Die Trichinen des Fleisches aus den beiden letzten Ftterungen, von Katze Nr. 2S und Kaninchen Nr. 20^, Avaren jedenfalls vollkommen geeignet zur Infection gewesen. Im Dickdarme fand sich ein Mnnchen, im Dnndarm ctAva zehn Mnnchen, Avovon jedoch mehrere halb verdaut, Avas, da das Thier sofort nach dem Schlachten untersucht Avurde, nicht eine nach dem Tode ein- tretende Verndenuig sein konnte. Weibchen fanden sich in zahlreichen Pro- ben des Darminhalts nur ZAvei von noch nicht 1,5 mm. Lnge. In einem Theil der Uterineier lagen schon bis zur spiraligen Aufrollung entAvickelte Junge, in dem zAveiten Fall Avaren im Uterus schon freie Embryonen von fast 10* 76 Die Ergebnisse der Versuche. 0,09 mm. Lnge enthalten. Es scheint, dass diese Darmtrichinen von der letzten Ftternng vor fnf Tagen herrhrten ; stammten sie aus der vorletzten so htten sie grsser sein mssen und sich neben ihnen eine grssere Zahl von aus der letzten herrhrenden finden mssen. Es wrde zu den sonstigen Erfahrungen stimmen , dass die Gans , welche mehr Yegetahilienfresser und omni vor ist, als die mehr auf thierische Nahrung erpichte Ente die Uarm- trichinen etwas lnger zu l)ehalten vermag. Wir sahen oben, dass die Ente deren nach fnf Tagen keine mehr hesass. Bei einem jungen Truthuhne wurden sechs Tage nach der Ftterung zahlreiche Darmtrichinen beiderlei Geschlechts im Dnndarme mit Ausnahme von dessen unterm Abschnitte gefunden. Die Minichen hatten zum Theil das Sperma entleert, der Eterus der Weibchen Av;ir mit iSamen gefllt, viele ent- hielten schon lebende lirut. Das letzte hierher gehrige Versuchsthier war das Huhn, von welchem drei Exemplare zu fnf Versuchen verAvandt wurden. Nach einer Ftterung mit Trichinen aus dem Darme einer Dohle Avurden diese noch nach vierundvierzig Stunden ohne Lebenszeichen im Darme des Huhns wiedergefunden. Sieben Tage nach Ftterung mit trichinigem Fleisch wurden einmal die Darmtrichinen nur bis zur beginnenden Embryonenentwick- lung , das zweite Mal bis zu deren Vollendung gefrdert gefunden , so dass knstlich accouchirte Embryonen sich lebhaft bewegten. Die Zahl Avar in beiden Fllen raw eine massige. Ein Motiv zu der verschiedenen Entwicklung der Darmtrichinen konnte aus der Natur der verftterten Muskeltrichinen nicht entnommen Averden. Vielleicht hatte in einem Falle das Fleisch lngere Zeit im Krpfe gelegen , als im andern , bevor es in den Magen gelangt Avar. Das Thier, in Avelchem sich die Darmtrichinen rascher entAvickelt hatten, Avar ein altes Huhn, das andere ein diesjhriges , kaum halbAvchsiges Hhnchen. Nach neunzehn und ZAveiunddreissig Tagen Avin-de auch beim Huhne keine Spur der eingefhrten Trichinen mehr vorgefunden. Eine lilaumeise 'Parus coeruleus], AA'elche seit einer Reihe A^on Tagen regelmssig ihre Nahrung von einem vor das Fenster gelegten, stark trichi- nigen ScliAveinskopfe genonnnen hatte, Avnrde gefangen und starb vor Ab- lauf von vierundzAvanzig Stunden. Es Avurde in ihr nichts von Trichinen gefunden. Das ScliAveinefleisch Avar allerdings unterdessen Aviederholt Nachts einer Temperatur vm in dem geftterten Fleischstcke von der Oberflche aus eindringenden Zerfall durch Verdauung parallel ging. Wo in klterer Zeit die Verdavnnig der Amphibien ganz still steht, mgen die Kapseln Avohl lnger ungelst blei- ben und somit die Trichinen im Zustande der jMuskeltrichinen lnger leben und mag dann solcher Darminhalt zu inficiren vermgen. VII. Versuche mit wirbellosen Thieren. Die siebte Tabelle fhrt einige Versuche auf, Avelche mit Avirbellosen Thieren angestellt Avurden. Es haben hierbei gedient: RegenAvrmer , Fliegenmaden, verschiedene Kfer und ein Flusskrebs. Das vorgelegte Fleisch ist, Avie es scheint, vom Flusskrebs, obAvohl der- selbe ungefhr eine Woche am Leben erhalten Avurde , nicht berhrt Avorden. Derselbe enthielt in seinen Gedrmen nur JSand und Reste von KegenAvrmern und Insecten. Von vergrabenem Fleische gingen niemals Trichinen in die in dieser Erde lebenden RegenAvrmer ber. Es Avurden in diesen nur mehrfach die bekannten Anguilluliden gefunden. Von den Kfern , Avelche zum grssten Theil Landraubkfer und Wasserraubkfer Avaren und von denen die meisten tchtig- von dem vorgelegten Fleische frassen, ergab nur ein Dyticus mar- ginalis ein beachtensAverthes Resultat, von dem ich schon an einer andern Stelle kurze Nachricht gegeben habe. ' Das Avesentliche Ergebniss Avar, dass fnf Tage nachdem das trichinige Fleisch vorgelegt Avorden Avar, sich im iNIagen dieses Kfers im gefressenen Fleische Trichinen fanden, Avelche grsser Avaren , als geAVhnlich die Mnskel- 1) Verhandl. d. natui'hist.-medicin. Vereins zu Heidelberg. III. H. 4. p. 151, vom 13. Mai 1864.- 78 I^i Ergebnisse der Versuche. trichiiiPii sind, und in welchen /iiweilen junge Eiev erkannt Aveiden konnten. Die Bewegungen dieser Wrmer schienen lebhafter und anhaltender zu sein, als sie frher im I-^leische gefunden Avorden waren. Es musste nun fraglich erscheinen, oh Avirklich im Kfer ein AVachsthum und ein IJeginn der Entwicklung der Trichinen eingetreten war, Avelche bri- gens meist nicht einmal zur Sprengung der Kapsel gefhrt hatte, oder ob Avenig- stens im Kfer fr einige Zeit die gefressenen Trichinen ebensogut aufbewahrt bleiben mchten, als im AVasser. In KetreiF des ersten Punctes habe ich seitdem in lnger fortgesetzten Beobachtungen sicher bemerkt, dass berhaupt ncx'h ein Wachsthum der einge- kapselten Trichinen stattfindet, dass solche also nicht gleiche Grsse haben, auch abgesehen A'(m der Verschiedenheit der Geschlechter. Man kann also ber ein Wachsthum aus nach einander g^esehenen verschiedenen 'Jliieren sehr schAver entscheiden. Namentlich habe ich mich aber aiu-h berzeugt, dass bei schon lteren Muskeltrichinen im Eileiter oder Eierstock abgelste blasse Eier liegen knnen. Was den ZAveitcn Punct angeht, so Avurde derselbe (buch A'cr- gleich mit den Trichinen der l^leischreste im Wasser geprft und es scheint sich aus dieser Prfung herauszustellen, dass die Trichinen in den aus dem Magen des Dyficus genommenen und Avieder ins Wasser geAvorfenen Eleisch- resten noch krftig lebten und sich ebenso verhielten, Avie oben angegeben, Avhrend die im Wasser die ganze Zeit, nmlicli zehn Tage, A-erbliebenen nicht mehr lebten und zum Theil anfingen zu zerfallen. Spterhin gelang es nie Avieder, in Kfern derselben Art oder in andern die Trichinen im Magen zu finden. In Larven von Schmeissfliegen und Ihaimmfliegen Sarcoplia(ja car- naria \n\([M^lsca eryihrocephala] Trichinen mit der Fleischnahrung ein- zufhren , gelang leicht , Avenn die Maden schon gross Avaren und grssere Bissen auf einmal mit ihrem ITak(Mi abreissen konnten, nicht aber bei kleinen und stdchen von mittlerer Grsse. Nie wurde eine Spur dieser Trichinen Aveiterhin in den Puppen luid den ausgeschlpften Fliegen gefunden. Auch Avaren an den aus dem Magen der Maden genommenen Trichinen keine Zeichen von Leben zu entdecken. Es kann demnach nur durch Verschleppinig eine AlitAvirkung der Avirbel- losen Thiere zur Verbreitung der Trichinen erAvartet Averden. VIII. Versuche ber Verhalten nicht verftterten Tleisches. Ich lud)e schon soeben auf den Umstand hingedeutet, dass die Trichi- nen im Fleisch, Avelches zehn Tage bei khler Temperatur, vielleicht -H 1(>" R.) im Wasser gelegen hatte, nicht mehr zu Lebenserscheinungen zu bringen Avaren , zum Tlieil sogar schon dem Verfall entgegengingen. Es zeigten sich dabei einige Trichinen aus ihren Kapseln frei geAvorden; selbst an diesen Avar keine Quelhnig zu bemerken , Avelche sonst so leicht in das Wasser gCAvorfene RundAvrmer zu zersprengen ])flegt. Diese Trichinen Avaren nicht verkalkt. Durch A'erkalkung erhrtete Kapseln mgen vielleicht die Trichinen lnger erhalten , Avorauf die Beobachtungen Anderer hinzudeuten scheinen. Einen Monat s])ter Avurde der Versuch Aviederholt luid gelang es ebenfalls nicht an Trichinen, Avelche elf Tage im Wasser gelegen hatten, BeAvegung zu veran- Versuche i'iher Verhalten niehf rerffierteii Fleisclies. 79 lassen. Ja 8(),i>av war gegen Mitle Juni es nicht niglich, in Fl(iseh , welches nur fnf Tage und sechs Stunden im Wass(u- gelegen hatte , die Trichinen zu heieben. Noch auffallender war der Versucli mit jungtrichinigeni Fleisch. Im November waren in demselben hinnen sechs Tagen die Trichinen im Wasser alle gestorben, ihre Hute geschrum})ft oder die liciber zerfallen. Der S(thutz durcli die (Jyste hatte hier nahezu ganz gefehlt. Desgleichen ist oben eines A'ersnches ber die Einwirkinig der Fulniss des Fleisches auf die Trichinen erwhnt worden, ans welchem sich ergab, dass ein Grad der Fulniss, welcher kaum bertroffen Averden kann , die Trichinen nicht getdtet hatte , sondern ein Infectionsversuch mit denselben gelang. In diesem Falle war jedoch das Fleisch Aveder dem Austrocknen, noch einer zu intensiven EinAvirkung der Feuchtigkeit ausgesetzt gCAvesen. Wo Fleisch , sei es an den Gerippen , sei es in kleinen Stcken , Ver- suchsthieren vorgelegt und einige Zeit verschmht, stark ausgetrocknet Avar, gelang es nicht, die in demselben enthaltenen Trichinen Avieder ins liCben zu rufen. Fleisch, welches im Monat Juli in der anfangs feuchten, allmhlich aus- getrockneten Erde eines Blumentopfes eingegraben Avorden Avar und sich nach fnf Tagen usserlich mehr brchig zeigte , innerlich ein speckiges Ansehn darbot, enthielt noch krftig lebende Trichinen. Der Versuch Avurde Avieder- holt und ergab selbst bei starker Wrme, durch Avelche die Erde sich an einer der Sonne ausgesetzten Stelle auf 4-22,.')"' R. erhitzt hatte, nach fnf Tagen ein hnliches Resitat. Dis Trichinen lebten krftig und Avaren zum Theil vuiter Zerfall des Fleisches und der Kapsel frei gCAvorden. Wenn nach lngerer Zeit die Fleischfaser ganz zerfallen und unkenntlich Avar, konnten auch keine Tri- chinen mehr aufgefunden Averden. In knstlichen Verdauungsversuchen mit Magensaft die Trichinen zin- EntAvicklung zu bringen , ist nicht gelungen. Einen Tag lebten dabei die Thiere, nachdem aber die Kapseln aufgelst Avaren , gingen sie rasch zu Grunde, ohne sich irgendAvie fortgebildet zu haben. Der Inhalt eines Stckes mit trchtigen Trichinen gefllten Dnndarmes roch , nachdem dasselbe vier- undzAvanzig Stunden z\igebunden in ZuckerAvasser der Wrme des Digestions- apparates ausgesetzt Avar , hsslich , die Darmtrichinen Avaren todt inul man fand im Darmschleime keine von ihnen geborenen Embryonen. Eigenschaften und Lebensverhltnisse der Tvichina spiralis. Die systematische Stelhnig. Aus den voraiisoeh enden Mittheilungen liaben Aviv liinlno-Hch Gelegen- heit gehabt zu ersehn , (hiss die Trlchina spiralis einer der Rundwrmer mit vollkonnnenem Verdauungsapparat ist, Avie wir sie in der Unterordnung der Nemafodea Sfrongyhidca oder rera .zusammenzufassen pflegen, indem Avir neben sie die Gordiarea mit unA(dlkommenem Yerdauungsapparat reihen. ])ie Trichine bildet in dieser Gruppe eine der durchaus parasitisch lebenden Arten , Avhrend einige andere ganz frei leben , fr die meisten es aber vollkommen unbekannt ist, in Avelcher genauem Weise sie aus einem von ihnen parasitisch beAVolinten Thiere in das andere gelangen und einen Avie grossen Theil ihres Lebens sie Avhrend der EntAvicklung im Ei oder auch nachdem sie dieses verlassen haben, in freiem Leben zubringen knnen oder msscTi. Es bervdit diese Eigenthmlichkeit der Trichine auf dem im Ganzen fr EingCAveideAvrmer nicht so hufigen Umstand, dass die jungen Thiere sich im selben AVohnthiere entwickeln, in Avelchem ihre Eltern lebten, jedoch nicht in dem von jenen bewohnten und ihre Geburtssttte bildenden Darme , sondern im eigentlichen Fleische, der Muskelsubstanz. Dadurch, dass dann die jungen Thiere in den ISluskeln in einen Zustand der Eulie gerathen und nicht zum Darme, in Avelchem allein die Geschlechtsreife erreicht Avird, zurckkehren knnen, Avird auch fr diese Helminthen ein Wechsel des Wohnthiers notliAven- dig', Avie Avir ihn fr andere in der Regel schon in einer frhem Lebensperiode, fr die Eier oder die ganz jungen Embryonen eintreten sehn. Derselbe braucht jedoch hier nur einmal stattzufinden, Avhrend z. R. b(>i den RlasenbandAvrmern erst das Ei in ein neues Thier gelangt, um einen RlasenAvurm zu bilden, und dann dieser Avieder in den Darm eines andern Wohnthiers gebracht Averden muss, um liandAvurm zu werden. Wir haben ferner erfahren, dass das Verhalten der Trichinen dabei der Art ist, dass sie im Darme zahlreicher Suge thiere im geschlechtsthtigen Zustande leben und von dort aus ihre Rrut in deren Krper verbreiten kn- nen, A\hrend sie sich in andern Thieren hchstens als ])armtrichinen zu ver- schiedener Reife entAvickeln , die R)ildung von M\iskeltricliinen aber nirgends weiter mglich zu sein scheint. Die syateniaacJie S feilung. 81 Tn der Vollkommoiilicit iiusoror Kenntniss der Trichinen sind wir jetzt der Kenntniss des Yerlialtens fast aller andern Nematoden ebenso voraus, als wir, so lange A\ir nur jMuskeltrichinen kannten, /uriick wai*en. Die Sclnvierig- keiten , welche frher aus der ITnkenntniss der Geschlechtstrichinen fr die Einreihung- dieser Wnnnart im Systeme entstanden, wiederholen sich jetzt, Avenn wir bei dieser Einreihung dem ganzen, nur fr sie, nicht fr sonst hn- lich ersclieinende Formen bekannten Entwicklungsgange neben der Organisa- tion gebhrende Rechniuig tragen wM)llen. Mssen wir nicht in der That bei der Systematik auf eine Uebereinstimmung in so -wichtigen Beziehungen den- selben und mehr Werth legen , als darauf, ob der Krper etwa gleichmssig dick oder vorn fadenfrmig verengt, ob der Mund dreilappig oder einfach, ob das Tlinterende stumpf oder von einem Schwnze berragt, ob der mnnliche Geschlechtsapparat mit Spiculae versehen ist oder nicht? Bis Avir jed(jch hierber auch fr andere Nematoden mehr Aufklrung haben, scheinen auch solche krperliche , leicht sichtbare Eigentlimlichkeiten der Trichinen hinlnglich ausgezeichnet, um aus dieser Art ebensogut eine eigene Familie zu bilden , wie deren eine Anzalil anderer aufgestellt w^orden sinrut enthielt und vielleicht nur mehr gestreckt Avar, mit um 0,35 mm., sie betrug dann bei einem von 2 nun. Lnge 0,0 13 mm.; als Maximum habe ich endlich einmal 0,05G3 mm. gemessen. Wir Averden die grsste Breite im Allgemeinen zAvischen 0,03 und 0,0G mm. setzen mssen. Das Hinterende verjngt sich sehr allmhlich und meist Avenig, um sich dann stumpf abzurunden;! doch kann bei solchen Thicren, die im Mittelleibe sehr stark ausgedehnt sind , der Unterschied aufflliger sein ; so maass ich die Dicke des Hinterendes bei einem eben eiAvhnten Weibchen von 0,0503 mm. grsster ]>reite mit luu- 0,025 mm. Der vordere Theil spitzt sich ebenso gleich- massig aber bedeutend zu bis auf etAva 0,01 oder 0,0125 mm. Dicke, um dann in eine durch eine leichte Ausrandung etAvas abgeschnrte Papille zu enden (Tafel n. Eig. 1 u. 2). Die usserste Hlle des Krpers Avird bei allen Nema- toden von einer feinen, strncturlosen , durchsichtigen Haut, der sogenannten C'hitinhaut, gebildet. Dieselbe ist hier nirgends verdickt oder mit Spitzen oder dergleichen Gebilden besetzt, jedoch leicht geringelt. Diese Eingelung Avird bei Austrocknen des Wurms oder Entleerung seines Inhalts deutlich , sie ver- streicht bei praller Ausfllung und bedingt Avesentlich die lglichkeit je nach der lenge der im Krper enthaltenen Geschlechtsproducte dessen Grsse zu Avechseln. - Die Ringelung Avird bei Darmtrichinen nie so leicht erkannt als 11* 84 Ei f/ensrJt ffen und Lchensrcrhidfnisse der Trkh'um spiralis. bei Muskeltrichinen , aber doch ohne Mhe besonders an der trockenen Seite des eingekrmmten Hinterendes erwachsener Mnnchen bemerkt. Die Dicke der Chitinschicht oder Cuticnla messe ich bei einer seit vier Tagen im Darme lebenden Trichine kaum auf 0,001 mm. Unter dieser Umhlhmg Avird der Hautschlaucli gebihlet von einer sehr dnnen, musculsen Haut, Avek-he Leuckart als lngsstreifig bezeichnet hat. A\\i derselben liegt nach innen eine Schicht feingekernter, ovaler, dicht ge- drngter Zellen. Diese Zellen haben etwa 0,0025 mm. im kleinen, 0,0035 mm. im langen, in der Eichtung des Krpers liegenden Durchmesser. Sie bilden die Auskleidung der Krperhhle. In der Muskelhaut verluft ein ]]and von sehr eigenthmlichem ])au. Dasselbe kann als auf der einen Seite nahe dem Vorderende neben dem mus- culsen Theil des Oesophagus l^eginnend gedacht werden, da es ganz vorn nicht mehr unterschieden werden kann , vielmehr mit der Muskelhaut zu verschmel- zen scheint. A'on dort zieht es ganz nach hinten, schlgt sich an der conca- ven Seite des Hinterendes ber den After Aveg auf die andere Seite und ver- luft auf dieser Avieder genau so nach vorne. Im Allgemeinen misst dieses Band ungefhr ein Viertel, vorn vielleicht eher ein Drittel der Breite des Kr- pers ; seine Grenzlinien erscheinen jederseits als ZAvei scharfe Striche. Eine genauere Untersuchung ergiebt, dass dieses Band aus Zellen zu- sammengesetzt ist, welche, Avenn sehr gestreckt, bis zu 0,02 mm. in der mit der Ijngsaxc des Bandes verlaufenden lngeren Dimension messen, sich aber auch kleiner und rundlicher erAveisen knnen und berhaupt eine sehr vern- derliche Gestalt zeigen. Diese Zellen enthalten kleine, sehr scharfe Kerne und sind durch eine glashelle ZAvischensubstanz getrennt. Die Zellen liegen in der Kegel nur abAvechselnd je eine einmal rechts , einmal links , bei strkerer Zusammenschiebung zuAveilen etAvas gedrngter. Nach innen von diesem Bande bemerkt man noch die Schicht kleiner Zellen , Avelche die Leibeshhle aus- kleidet (Taf. I. Fig. 12 u. 13). ZuAveileh scheint eine scharfe, Avellige Grenz- linie in der Mitte des Bandes die rechts imd links liegenden Zellen zu schei- den imd man knnte dieselbe Avohl fr einen usserst feinen C'anal ansehen (Taf. I. Fig. 11). Ich habe diese Linie meist A'ermisst, nie daselbst ein Lu- men oder einen Inhalt gesehen. Jedenfalls hat das Band eine sehr geringe Dicke im Verhltniss zur Breite des Querschnittes und macht nicht den Ein- druck eines (liefsses; eine OefFnung, Avelche am Halse erAvartet Averden msste, ist nie beobachtet Avorden. Dagegen ist die (-ontractilitt und die Vernder- lichkeit des Ansehens der es zusammensetzenden Elemente bedeutend; das Band knickt sich nicht passiv bei den Formvernderungen des Wurmes, es ist A^ollkommen mit der Muskelhaut verbunden. So neige ich dazu, es fr nius- culs zu halten. Dann scheint es mir, bedingt die Gesammtmuskelhaut die leichteren Gcstaltvernderungen , denen man am besten folgen kann , Avenn man das Avie zngelnd suchende Vorderende betrachtet, an Avelchem die Ivin- gelung bald erscheint, bald verscliAvindet ; das Band hingegen die raschen, geAvaltigen Einbiegungen und Einrollungen. Damit mchte in Verbindung stehen, dass bei den Embryonen, Avclche mehr eine schlngelnde BcAvegung haben, dieses Band vermisst Avird , d;iss es sich bis zu der Zeit, avo die Ein- rollung mit Einkapslung stattfindet, krftig entAvickelt, dass es noch in voller Energie zur Zeit der Begattung persistirend gefunden Avird, dass es aber nach- Die DarnUrirlihien. 85 her, 1)cs(ii(l(>rs hei mit Eiern iil)erfiilll(Mi Weil)c]ien , ein etwas ersehlafFtes An- sehn helvoninit mul viel Aveniger anffUt. JSoUte sich dennoch eine OefFnnng finden niid somit ein Canal und ein Secretionsorn^an anzunehmen sein, so -winnh? man dann allerdings auch denken knnen, dass d(>mselhen gewisse, hau])t- schlich hei der Einkapslung luid dem intracapsulren Lehen in Betracht kom- mende l'uiictionen ohliigen. Die Zellenlage an der Innenflche des ITautsehlauches entwickelt sich am 8chAN an/ende hetrchtlich; die Zellen sind dort auffallend grsser, drsenartig, und bilden einen nach dem IJinnenraume vorragenden AVidst. Die ussere Hlle stellt am Munde und After mit dem Darme durch dirccten Uehergang der Hute in Verbindung. Soweit dabei zAvischen der usseren Haut und dem l^arme ein Zwischenraum bleibt, wird derselbe zum grssten Tlieil von den Geschlechtsorganen in Anspruch genonnnen. Nur ein, nach hinten zu etwas reichlicherer, sonst sehr sparsamer Theil bk'ibt verwend- bar zur Aufnahme einer geringen Menge von Ernhrungsflssigkeit oder farb- losem ])]ute, in Avelchem nicht selten einzelne geformte Elemente in Gestalt granulirter Krn(>r als sogenannte farblose fUutkrperchen erscheinen inid um- hergesplt werden (Taf. I. Fig. K^sa]. Da, wo hei den jMnnchen das samenausfhrende Gefss sich in den Mastdaim kurz vor dem After ergiesst und so jenen zur Cloake umwandelt, entwickelt sich ein INIaschenwerk von feinen Verbindungen zwischen Muskel- haut und Darm, in welchem in der Regel deutlich ein Paar krftige Strnge erkannt Averden (Taf. II. Fig. Wrr). Deren Function muss sein, die hei der liegattung umgestlpte Cloake Avieder zurckzuziehen, imd Avir Averden sie als iimscuH rcfractorcs cloacae bezeichnen drfen. Vom lmule an bis hierher ist der Darm ohne alle Verbindung mit dem Ilautschlauch. An der Scheidenffnung schlgt sich die Haut einfach zu den Aveiblichen Geschlechtsorganen ein. Es Avird natrlich hei diesen Einschlagimgcm an den verschiedenen Oeffnungen des Krpers die usserste umhllende Schicht, die ('hitindecke , bergehen in die innerste Auskleidung der Verdauungsorgane und der Geschlechtsorgane , und so kann denn deren Hohlraum von einem Chitin- rohr ausgekleidet gefunden Averden. Der Mmid liegt vollkommen terminal. Der Krper ist meist nach einer bestimmten Eichtung mehr oder Aveniger eingekrmmt. Sehen Avir dal)ei die Aveibliche GeschleehtsfFnung als ein Criterium fr die Bauchseite an, so ist die Concavitt jener Krmmung dorsal und es Avrde dazu stimmen, dass die ScliAvanzhaken des Mnnchens an der entgegengesetzten Seite angebracht und vom Krper ab, also ventral, vorgestreckt sind. Dann ist ZAvar die After- ffnung im Wesentlichen wie der Mund terminal, der dorsale Eaiul derselben jedoch, also an der concaven Seite des gekrmmten Wurmes, bei Weibchen ganz deutlich etAvas bergreifend. Es ist das eine geringe Spur einer sonst bei Nematoden so geAvhnlichen , den After berragenden Sclnvanzbildung. Entgegen der allgemein dorsalen Einbiegung in der Mitte streckt sich bri- gens das Hinterende der Mnnchen in der Regel Avieder mehr gerade und biegt sich Avohl auch, besonders zur Zeit der Geschlechtsthtigkeit, etAvas ven- tral ein. Es ist dann brigens in seiner Haltung, obAvohl steif, doch vern- derlich, begehrlich suchend, Avie sonst das Vorderende (Taf. IL Fig. 2). Als charakteristisches Kennzeichen der Mnnchen sind von den ersten 8(3 Ei(jcjiscJiaflcii und LabcnsccrhUnissc der Triclnna spiralis. ]}e()l)acliteni der Darmtricliinen eben jenes Paar leichtgebugener, kurzer JTaken oder Zapfen erkannt a\ orden , wek-lie an beiden Seiten des Hinterleibendets neben <\q\ Oeftnung der C'loake auf breiter, runder Basis eingesetzt sind und deren ]Ihe nicht der Dicke des Ilinterendes gleicbkommt. Da die C'hitindecke auf ihnen nicht verdickt ist, erscheinen sie ebenso hell und farblos als die Haut an anderen Stollen des Krpers. Die Haken sind drehbar, docli im Gewhnlichen ihre C'onvexitt mehr nach vorn und aussen ge- Avandt, die Spitze nach unten und hinten gerichtet. An der Wurzel dieser Ilaken, imvendig neben der Coiicavitt, steht jedesmal ventral und dorsal eine kleine S})itze , S(j dass die C'loakallfnung von diesen vier Spitzchen umfasst' wird (Taf. I. Fig. IS u. 19). An inneren Organen sind nur der Darmcanal, das Gehirn und die Ge- schlechtsorgane zu erwhnen. Der Darmcanal ist fr die l)eiden Geschlechter, mit Ausnahme des letz- ten, nur bei den Mnnchen zur Cloake verwandten Abschnittes, ganz gleich. Derselbe besteht aus melireren Abschnitten. Der erste Abschnitt Avird gebildet durch einen musculsen Munddarm. Derselbe ist, nachdem das Chitinrohr in ihm am Anfange eine kleine, ring- frmige Erweiterung gebihlet hat, von diesem zunchst in sehr geringer Weite durchzogen und selbst sehr eng (Taf. I. Fig. 4 u. 5). Er schwillt weiter- liin , nachdem er liinter das Gehirn gelangt ist, diirch Erweiterung des J5innenraumes und A^erdickung der Wandung , in Avelcher mm Zellen recht deutlich werden, bedeutend an und wird durch diese Umwandlung allmhlich in den zweiten Abschnitt bergefhrt. Der zweite Theil des Darmcanals, ein wenig abgeschnrt gegen den ersten, wird gebildet durch jenen eigenthm- lichen A])parat, ber den die Autoren sehr verschiedener Ansicht Avaren und der von Luschka fr das Ovar gehalten Avurde. Wir haben in demselben zu- nchst deutlich die Fortsetzung des Chitinrohrs, Avelches den ersten Abschnitt iuAvendig auskleidet, vor uns. Die umhllende Zellenschicht desselben hat dann aber eine sonderbare Wandlung erfahren, sie ist einseitig, colossal ent- Avickelt Avorden. EtAva fnfzig colossale Zellen mit einem oder mehreren Kcrn- krperchen haltenden Kernen und vielen dunkeln, feinen Krnern gefllt, legen sich in einfacher Reihe oder einerseits breiter inid andererseits schmler und dadurch querber in einander eingreifend, so um das Chitinrohr dieses ])armtheils herum, dass dasselbe ZAvar allseitig von ihnen mnlagert Avird, aber doch stark excentrisch verluft (Taf. IL Fig. 2 u. a. a. ().). Mit der zuneh- menden Dicke des Wurmes nehmen auch die Zellen an Grsse zu und liegen dem Muskelschlauch dicht an. Diese beiden Darmabschnitte zusammen nehmen bei jungen Thieren etAva ZAvei Drittel, spter etAva die Hlfte der ganzen Lnge des Krpers in An- spruch. Wenn der Krper sich durch Lngszusammenziehung verkrzt, knickt sich der vordere engere Abschnitt hufig schlingenfrmig ein. Der allmhliche Uebergang dieser beiden Darmtheile in einander lsst annehmen, dass Avir es hier in der zelligen Lndilluug des Speiserohrs nicht mit etAvas so gar Absonderlichem zu thun haben. Zeigen doch auch andere Wrmer, so TrichocephaJus dLspar, dasselbe, und die vergleichende Untersu- chung entfernterstehender giebt bei durcliAveg geringerer EntAvicklung dieses Zellkrpers doch verniittelnde Formen. Die Darmtrichinen. 87 Teil lecluu' den /.wcnteii J)anual).schnitt ehoiiso -wie IjKuckak'L' und Avic Fii'.Kiirii den L^an/ iinalo^- gebauten bei Trichoeephalus dem Oesophagus zu, so dass dieser cincii lueliv inusculsen und einen zelligen oder drsigen Theil be- sitzen Avilrde. Es ist dann nicht wohl anders anzunehmen , als dass die ge- schilderten I^mhllungszellen eine Absonderung liefern, welche in das Kolir tritt und sich den- aufgenommenen Speise beimischt. Man knnte dieselben vielleicht am ersten den Speicheldrsen oder Vormagendrsen vergleichen, ob- wohl ein Ausfhrungsgang ebenso wenig zu bestehen scheint, als eine andere Verbindung der Zellen zu Gemeinsamkeit der Function. Jede Zelle muss ihr Secret fr sich in das Kohr des Oesophagus durch dessen Wandung durch- treten lassen. Es muss brigens hervorgehoben werden, dass fr diesen A])pa- rat wie fr das Tjngsband das am meisten charakteristische Ansehen und die Hhe der Thtigkeit schon im luskeltrichinenstand erreicht ist und dass in demselben spter die zusammensetzenden Elemente oft weit weniger deutlich und charakteristisch erscheinen. ]^ei beiden Geschlechtern findet sich gleichmssig am Uebergange des Oesophagus in den solcher Umhllungszellen entbehrenden dritten Darmtheil ein Paar kleiner, l)irnfrmiger Schluche anhngend (Taf. I. Fig. 11. Taf. 11. Fig. 2cc.), welche in hnlicher Weise Avie der nachfolgende jMagen mit fein- gekernten, kleinen Epithelzellen ausgekleidet und so von den Zellen des den Oesophagus umhllenden Zellkrpers sicher verschieden sind , obwohl sie sich ihnen in Grsse und allgemeinem Ansehen nahe anschliessen. Ich kann eine Unregelmssigkeit h\\ Vork.). Er setzt sich mit betrchtlicher Erweiterung des Hohl- raums inid verdickter Wandung birnfrmig gegen den bis an sein Ende von den grossen Zellen umkleideten ZAveiten Abschnitt des Oesophagus ab und es klemmen sich zwischen die letzten dieser Zellen und den birnfrmiiJ'en An- fang des Magens jene besonderen 1 Uindsckchen ein. Sehr bald verengert sich dieser Magen, so dass man ihn Aveiterhin seinem Umfange nach eher als Darm betrachten knnte. Dabei bleibt sein J>au im Wesentlichen derselbe, er zeigt sich berall nnt kleinen, fein gekernten Zellen ausgekleidet, nur lagern sich Aveiter hinten mehr feine Molecule in die ZAvischenzellenmasse und die Zellen selbst ein und lassen die Wandung dunkler erscheinen (Taf. II. Fig. 3/ u. a. a. ().). Die ForniA^ernderungen dieses Darmabschnittes, unabhngig von Krpercontractionen, lassen annehmen, dass er ausserhalb der Epithelschicht eine jMuskelhaut besitzt, und der untere Theil giebt zuAveilen Bilder, Avelche, Avie es scheint, Strnge dieser Muskelsubstanz und licken ZAvischen densel- ben erkennen lassen (Taf. II. Fig. 5?"). Whrend der von Zellen umhllte Oesophagus nahezu den ganzen Hohlraum des Wurmes fllt und der vorderste Theil des Magens noch ber die Hlfte des Querschnittes mit seiner Breite einnimmt, hat der hinterste Darmtheil bei einem erAvachsenen Weibchen nur 0,0125 mm. Breite. Am hintersten Ende AA^ird dann, mag sich bei den Mnn- chen in der oben geschilderten Weise die (oake bilden , oder mag das bei den AVeibchen nicht der Fall sein, die Ohitinauskleidung Avieder deutlich mid ZAvar bei den Mnnchen in viel grsserer Ausdehnung. AVenn der Wurm sich 88 Eigenschaften tmd Lehensverhaltnisse der Trichina sj)iralis. verkrzt inid dabei der vordere Abschnitt des Oesophagus sich schleifenfrmig einbiegt, sucht der hintere, sich schliingebid , neben den ilm bei Seite schie- benden Geschlechtsorganen Phitz zu finden und higert sicli dabei in vernder- licher Weise in leichten Krmmungen. Gefiirbten Inhalt habe ich im Darme nie gesehen; es -werden -wahrschein- lich die Secrete der Darmschleimhant , nicht Speisereste, von den Wrmern genossen. Die Yernnithung TjEiickart's ber die AnAvesenheit eines Geliirns kann ich auf das Gewisseste besttigen. Es bildet dasselbe dort, wo in den Wnden des Oesophag-us Zellen deutlich zu werden anfangen, einen das Speise- rohr umhllenden Haufen kleiner, rundlicher, gekernter Ganglienzellen und es strahlen an beiden Seiten von dessen Zipfeln vorn und hinten eine Anzalil sehr feiner Fden aus, Avelche nicht weit verfolgt werden knnen. Der Gang- lienzellhaufen ist von einer besonderen Umhllung umgeben (Taf. I. Fig. i re. Fig. 5)._ ^ . . . Die inneren Geschlechtsorgane der mnnlichen Trichinen werden schon whrend des Aufenthalts in den Muskeln vollstndig angelegt, so dass weiter- liin nur nocli im Darme ihre Producte gereift und die Haken ausgebildet w^er- den mssen. Die weiblichen Geschlechtsorgane werden zum Tlieil im INIuskel- trichinenstande, zum Theil im Darmtrichinenstande gebildet. Wir Averden also in dieser l>eziehung verschiedene Zustnde der Reife bei den Darmtrichinen vorfinden knnen. Die mnnlichen Geschlechtsorgane (Taf. I. Fig. 9 u. Ul. Taf. IL Fig. 4) bestehen zunchst in einem unpaaren Hoden. Der Grund desselben liegt immer in einiger Entferrumg vom Hinterende und ist mit dem Hautschlaucli in keiner Verbindung. Der Hoden ist lang, schlauchfrmig, erweitert sich vom Grunde aus zunchst , zieht verengt nach vorn bis in die Gegend , wo die beiden kleinen l)lindsckchen den Uebergang zwischen Oesophagus und ('hylusmagen vermitteln und biegt sich dann, noch strker verengt, nach hinten um. ]?ei einem ganz reifen Mnnchen finde ich den Hoden im Allgemeinen ,035 mm. breit; diese Breite steigt stellenweise bis auf 0,375, sie fllt in der Nhe des rcts deferens bis unter 0,02 mm.; der Hoden ist 0,575 mm. lang. Derselbe zeigt in seiner ganzen Lnge als innere IJekleidung und Ausfl- lung kleine , stark lichtbrechende Ilodenzellen , w^elche als jNIutterzellen noch kleinere Samenzellenbrut mit hellen Kernchen in sich erzeugen (Taf. I. Fig. 20]. Weiterhin geht der Hoden in einen Samenleiter ber, der nun stellenweise, besonders am hinteren Ende, bevor er in die C^loake eintritt, mit Samenele- menten gefllt und dadurch ausgedehnt sein kann, so dass er als Samenblase auftritt. Die dort vorfimllichen Samenelemente sind dann eben die genannten kleinen Zellen mit Kernen, an denen ein w^eiterer Zerfall oder Entwicklung nicht beobachtet wird (Taf. I. Fig. 21 . Das tas deferens einschliesslich der Samen- blasenerweiterungen ist dann 0,3 mm. lang, wo es nicht aufgetrieben ist 0,0125 bis 0,015 mm. breit; wo leer, zeigt es sich hell und mit Zellen ausgekleidet. Drei Viertel dieser iJlnge nimmt aber die Samenblase ein , welche tlieils leer, theils gefllt, mit einer mittleren Einschnrung sich bis auf 0,05 mm. erweitert. Findet man solche L^rweiterungen des ras deferens, siiul sie dabei aber leer uiul die Haken ausgebreitet, gesperrt, so kann man folgern, dass Samen entleert worden ist. Bei der grossen Hartiickigkeit^ mit der auch die Mnnchen Die DarmfrirJihioJK 89 durch viele Woclieii im Davine verweilen, bei der Tiebliiifti<>keit , mit welcher man Weibchen, welclie doch schon S])erma in sich enthalten, den Mnnchen begegnen sieht , glaidie ich annehmen zu mssen , hiss die Begattung wieder- holt stattfinde. ]3en vollstndigen Act der l^egattung habe ich bei (hm Trichinen nie gesehen. Ich habe jedoch mehrmals ganze Haufen von Mnnchen und Weib- chen in mannichfacher Verschlinginig gefundeiij bereinander hinschl])f"end, einander lungreifend und hnliche IJeweginigen ausfhrend. Dabei ist das Hinterende der Mnnchen mehr gesteift, Avird rhythmisch entfernt und gen- hert, das Vorderende des Mnnchens \md der ganze Krper des Weibchens sehr beweglich , sich vielfach einrollend mid wieder lsend. ])as IJenehmen der ^lnnchen, welches der Begattung zunchst zu kommen scheint, besteht '\\\ einem Gleiten der Minichen ber den Krper der Weibchen in der Tings- richtung hin mit dem eigenen Hinterende , wobei sie den Leib des Weibchens mit den gesperrten Haken umfasst halten. Wenn man solche Yerschlingungen lst, findet man zuw^eilen die C'loake des Mnnchens in Ciestalt einer zarten Glocke oder lilase umgestl])t und ausgetretene Samenelemente hinten anlij\n- gend (Taf. I. Fig. II) . Kin l)egattmigsglied , Samenrinne, spiculae . kommen dabei nicht vor. Es scheint, dass die Haken am Hinterende des Mnnchens sich sehr rasch entwickeln , man findet sie nur selten in unvollkonnnenem Zustande , krzer mid stumpfer. A Or ihrem Vortreten zeigt sich die Krperwand an den betref- fenden Stellen verdnnt , dann wird sie vorgetrieben. Findet man Mnnchen mit gespreizten Haken , so kann man annehmen , dass sie nahe vor f)der nach dem l'egattungsacte sich befinden. Es ist zuweilen deutlich zu erkennen, dass das Hinterende des \\'eibchens sich neben einer Kerbe zur Seite des Afters mit ZAvei sclnvachen liuckeln erhebt, welche mehr der Bauchseite angehren und eine Art Analogie fr die Haken des Mnnchens darbieten. Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen in einem unpaaren Ovarium, welches schon im luskeltrichinenzustand angelegt worden ist, in einem Uterus Avelcher sich vom vorderen Ende des Ovariums aus entwickelt , und in einer Scheide , welche von einer selbststndig in der Haut entstehenden Vulva aus jenen Theilen entgegen wchst. Ovarium und Uterus sind durch eine Einschn- rving bestimmter gesoiidert als Hoden und ras deferens, Uterus und Scheide gehen ganz allmhlich in einander ber, bei vollendeter EntAvicklung kann der Uterus geradezu als Erweiterung der Scheide betrachtet werden. Ein Um- biegen des Geschlechtsapparats findet bei den Weibchen nicht statt. Der Eierstock (Taf. II. Fig. l u. Fig. 5 oc] hat in Gestalt und Lage grosse Aehnlichkeit mit dem Hoden , er reicht jedoch Aveiter nach hinten , Avas um so mehr angeht, Aveil dort keine Samenblase Platz in Anspruch nimmt und der letzte Abschnitt des Darmes eines sehr geringen Eaumes bedarf. So tritt die hintere Spitze des Ovariums fast bis in die terminale Abrundung des Kr- pers, Dafr reicht das Ovarium nicht ganz so weit nach vorn als der Hoden, ein grosser Theil des Uterus liegt noch hinter dem Anfange des Magens. In dem Ovarium ist, Avie Claus ganz richtig beobachtet hat, die Eipro- duction nicht, wie es Avohl beim ersten Anblick scheinen drfte, auf die Ge- gend nahe dem blinden Ende beschrnkt, dieselbe findet vielmehr in der ganzen Lnge des Ovariums an der einen Seite der Wand statt. Es sitzen Pagenstecber, Die Trichinen. 12 90 Eigenschaften und Lehensverhltnisse der Trirhma sjiiralis. daselbst die jiinoen Eizellen dicht gedrngt auf einem Kandstveifen Taf. IL Fig-. hov), "welcher infolge der ZAvischen den Zellen liegenden feinen Mole- cuLe ein dunkleres Ansehen erhlt, als der Eierstock es sonst hat. Danehen liegen dann abgelst und A^oran geschoben die grsseren und reiferen Eier, so dass die grssten an der entgegengesetzten Seite der Wand und dem Ausgange zu gefunden werden. Es liegt also im selben Querschnitte dieses Organes neben der Brutsttte der Leitungsweg der weiblichen Geschlechts- producte oder der Eileiter (Taf. IL Fig. hod). Die fertigen Eierstockseier sind rundlich und enthalten ein Keimblschen mit sehr grossem Kern, umgeben von einer Avasserhellen Dotterschicht und ganz dnner L^ihaut (Taf. IL Fig-. 8). Zwischen ihnen werden im unteren Abschnitte des Ovariums wohl auch Samen- zellen gefunden. Durch eine Einschnrung ist der cylindrische L'terus von dem Ovarium getrennt, so dass der verengte l^ebergangscanal etwas geknickt ist und seine Einmndung in den ITterus von einem blinden Ende des letzteren berragt wird. In diesem Theile des Uteriis iulet sich hauptschlich nach der Begattung- das Sperma, so dass die aus dem Eierstock bertretenden Eier din-ch dasselbe hindurcJigehcn und so dessen befruchtendem Einfiiiss unterzogen wer- den (Taf. IL Fig. Im). Im Icterus findet dann, wie nachher zu schildern ist, ein weiteres Wachsthmn der L^ier mit Streckung in der Lngsaxe und in diesen Eiern die Entwicklung des Embryo statt. jVIit solchen verschieden entwickelten Leiern ist der Uterus angefllt , bis in den reiferen Darmtrichinen an deren Stelle g'egen das Ende des Schlauches hin die nach Sprengung" der Eihlle frei gewordenen, meist noch gerollten Embryonen treten. "Wo der Iterus neben den zellenumhllten Theil des Oesophagus tritt, oder etwas "^veiter nach dem Yorderende hin verengt sich derselbe allmhlich, so dass nun bald die Embryonen , Avenn auch noch eingebogen liegend , doch in die lingsaxe gestellt werden; Aveiterhin nimmt die Verengerung so zu, dass die durch die so gebildete Scheide zur Geschlechtsffnung hindrngenden jungen Thiere nur eins hinter dem andern und ganz ausgestreckt im Quer- schnitte Platz finden und einzeln zur Geburt Ivommen (Taf. IL Fig. 6 u. 7). Bei und nach der Geburt der Embryonen ragt der Rand der Geschlechtsff- nung zapfenartig ber die Oberflclie des Krpers hervor. Die liintere Li])pe ist strker entAvickelt. .\lle diese Geschlechtswege sind mit kleinen gekernten Zellen ausgekleidet, Avelche in der Scheide etAvas in der Lngsrichtung ge- streckt sind. Nur an dem allerletzten Theil der Scheide sind dieselben Avohl wegen zu grosser Dehnung nicht mehr deutlich. A\\ der Aveiblichen Geschlechts- ffVuing linden sich gar keine Aveiteren Vorrichtungen, dieselbe ist sehr klein, so dass sie gerade fr den Durcktritt eines einzelnen Embryo Baum hat. Den Uebergang ZAvischen Ovarivnn und 1 terus fand ich bei Tliieren von 1,4 mm. etAva in der Mitte des Krpers. Die Stelle, wo die Aveibliche (ieschlechts- ffining liegt, ist vernderlich inid ZAvar nicht voUkonnuen im Verhltniss zur Grsse und zum EntAvicklungszustande. Ich habe bei einer Grsse der Trichinen von etAva 1,2 bis 1,4 rnm., bei Avelcher in der Kegel die Vulva zum Durchbruch gelangt, obwohl ausnahmsAveise scliou Befruchtung bei (i,U nun. gesehen Avurde, die Entfernung dieses Punctes vom Vorderende zwischen 0,175 und U,;i mm. gemessen; bei einem von l,3Smm. Lnge und fast U,U4 nmi. Dicke mit 0,35 mm.. Die Darmtrichinen. 91 bei einem von 1,0 iiiiii. mit 0,35 mm., bei einom von 2 mm. linge mit weniger als 0,5 mm. (wobei dann der Utcrns nnd die Sclieidc /nsammen 1 mm. maassen) bei einem von 2,3 mm. Lnge mit 0,1 nnn. Avobei das Ovarinm bis an den Ute- rus 0,3 mm. maass), bei einem von 2,1 nun. Lnge endlich mit 0,55 mm. Die Art, wie die Vulva nnd der untere Abschnitt der Scheide entstehen, konnte ich bei einem jungen Thicre von 1,15 mm. Lnge gut beobachten. An der zum Durchbruch bestimmten Stelle lag damals der Innenwand des Hautschlauchs ein nach hinten ausgezogener Haufen kleiner Zellen auf (Taf. I. Fig. 8). Ein Durchbrucli war noch nicht erfolgt. ])em entgegen wchst von dem im INIuskeltrichinenzustande angelegten Ovarinm aus, innner weiter vor- iredrnet durch bereits abgelste , au Zahl und (grosse zunehmende Eier, der Uterus nach vorn. Die Abschnrung des Uterus vom Ovarium nmlich ist deutlich gebildet, bevor die Vulva zum Durchbruche gekommen ist, zu einer Zeit, wo die Thiere zumeist noch die spiralige Aufrollung des Kapselzustands beibehalten haben; ja sie besteht, Avenn auch Aveniger deutlich, schon in alten Muskeltrichinen. Tu solchem Zustande liegt neben dem Magen in der Ver- lngerung des Ovariums , von ihm durch Einschnrung und Farre's Krner- haufen getrennt, eine kleine einfache Keihe von etwa sechs oder sieben Kugeln mit deutlichen Kernen, Avelche ich fr junge Eier halte (Taf. L Fig. 7). Nach kurzem Aufenthalte im Darme wird das entschiedener. Es sind dann schon abgelste Eier von lnglicher Gestalt zu sehn , bevor die Vereinigung der keimbereitenden und der ausfhrenden Abtheilung des Geschlechtsapparats zu Stande kommt. In zweimal vierundzwanzig Stunden ist diese Entwicklnngs- phase abgelaufen und kann dann die r>egattung vollzogen Averden, jedenfalls in fnf Tagen die Geburt der Embryonen erfc^lgen. jNLan hat sich viel damit beschftigt, dass mehr Aveibliche als mnnliche Trichinen im Darme gefunden Avrden. Es ist das nur in sehr bedingter Weise richtig. ObAvohl gCAviss beim Durchsuchen das Auge viel leichter auf die grs- seren und durch die Flhnig mit Brut dunkleren Weibchen fllt, sind mir im Beginne der Aufenthaltszeit oft im Gegentheil mehr Mnnchen unter die Hnde gekommen. Sie scheinen ferner bei den diarrhoischen Affectionen Aveniger leicht zu verschAvinden, als die mehr schwerflligen Weibchen. In einem Falle kamen an zehn Mnnchen auf ein Weibchen. Solche Extreme hebe ich nur zur Aus- gleichung hervor, denn auch mir sind in andern Fllen viel mehr Weibchen begegnet. Ich glaube, dass im GeAvhnlichen anfangs die Zahl ziemlich gleich ist, dass aber die Mnnchen, deren Verrichtungen naturgemss eher vollendet sind, auch frher zu Grunde gehn, somit in sptem Perioden strker decimirt sind, als die Weibchen. Ein Beispiel bei Kaninchen hat uns belehrt , dass noch nach mehr als acht Wochen Trichinen im Darme gefunden Averden knnen. Fr jenen Fall darf man Avohl annehmen , dass immer noch ein paar Wochen vergangen sein Avrden , bevor die letzten Spuren der Parasiten A^erschAvunden Avren. Es ist Avobl mglich, dass unter Umstnden die Dauer eine noch grssere sei. Dabei mgen Avohl Organisation der Wohnthierart und Individualitt sehr Avichtig sein. Am Ende ihrer Lebensdauer gehn dann in der Regel die Darmtrichinen mit dem Kothe ab und gerade die treibende Kraft im Darme mag oft genug die einzige Veranlassung sein, Avelche das sonst noch nicht zur Auflsung ge- kommene Leben abschliesst, 12* 92 Eigenschaften und Lehensccrhltnisse der Trichina spiralis. Beim Kalbe habe icb eine beachteiiswertlie andere Weise des UntergauL^s gesehn, welche fr die Darmtrichinen bisher noch nicht beobachtet worden zu sein scheint. In einer gTossen Strecke des Dnndarms schienen durch die Darmwand vorzglich an der der Mesenterialbefestigung abgewandten convexen Seite der Schlingen zahlreiche gelbe Fleckclien durch, welche so dicht standen, dass kaum auf die Lnge einiger linien keins gefunden wurde, im Durchschnitt aber vielleicht zehn Stck auf einen /oll Darm kamen. Diese Fleckchen er- wiesen sich als TnfaiTte von Darmfollikeln von etwa 0,5 bis 1 mm. Durch- messer, eitrig gelbgrnlicher Frbung mid brcklicher Consistenz. In den ver- fetteten Residuen des Yereiterungsprocesses lagen meist drei oder vier , in den kleinsten Infarcten auch wohl nur eine, in den grssten bis gegen zehn weib- liche Trichinen. Dieselben waren mit Eiern und Jungen gefllt, aber todt und in mehr oder Aveniger fortgeschrittener Verfettung begrifFen. ]^)ei einigen war noch die ganze Organisation deutlich , bei andern umschloss die Haut ausser einer Anzahl ebenfalls todter, sehr dunkel contourirter Jungen nur noch aus dem Zerfall der Organe entstandene feine Molecule, bei andern endlich lagen Reste der Haut in stark geringelten Stcken bei brcklichen Klumpen dunkelrandigen amorphen Fettes. Der Inhalt der Follikel Hess sich in dem Darme drcken und es fanden sich einigemal innerhalb des Darms Trichinen in Klumpen, Avelche deutlich als frherer Inhalt solcher Follikel erkannt werden konnten. Es war seltsam, dass alle Trichinen, Avelche unter diesen Umstnden noch erkennbar geblieben Avaren, sich als ^V^eibchen erwiesen. Sie Avaren sehr gross, eins nahezu 3 mm. lang, bei 0,05 mm. l^reite. Es ist be- kanntlich gar nichts Seltenes, den verfetteten Resten anderer Helminthen oder ihrer die einstige AiiAvesenheit jener verrathenden Eier in solchen eingedick- ten und vernderten Exsudaten innerhalb der GcAvebe zu begegnen und das endliche Resultat der INIuskeltrichinen ist wenigstens ein hnliches. Die Embryoiialeiitwickluiig. Die EntAvicklungsgescliichte der Trichinen im Ei kann man, da die Zahl der gelieferten Eier sehr gross ist und die Production derselben lange anhal- tend geschieht, gut verfolgen. Man ist nicht selten im Stande, fnf bis sechs Hundert Embryonen und abgelste Eier gleichzeitig zusammen im Uterus vnid im Ovarium zu zhlen, und das zu Zeiten, in Avelchen die Ablage schon seit Wochen begonnen hat und voraussiclitlich auch noch Wochen hindurch fortdauern kann. Haben Avir doch nach mehr als achtAvchentlichem Aufenthalt im Darme an der eiererze\igenden Wandstelle des Ovarialschlauchs zahlreiche' noch nicht abgelste Keime erkennen knnen. Ich glaube demnach die Zahl der Em- bryonen, Avelche mgliclierweise von einer Trichine abgesetzt werden, atif ein paar Tausend schtzen zu drfen, so dass etwa alle halbe Stunden oder alle Stunden ein Jiuiges geboren werden muss. Unter den oben erAvhnteu , von dem I lande abgelsten Eierstockseiern messen die jngsten etAva 0,01 mm. im Durchmesser, das Keimblschen etAva die Hlfte davon und der KeimMeck Avieder etAva die Hlfte des Keimblschens (Taf. II. Fig. 8 u. . Das Aveitere Wachsthum , Avhrend dessen die Eichen mehr nach der andern Seite liinber und nach dem Uterus zu vorrcken, triift Die Enihryonalentwirklung. 03 soAvolil den wasstn-hellcu Dotter als das Keiiublsclien. Wenn der Durchmesser auf mehr als das Doppelte gestiegen und die (jlestalt etwas lnglichrund ge- Avorden ist, sieht man im Dotter einige dunkle Molecule auftauchen. Um diese Zeit befindet sich das Eichen schon im Uterus und unterliegt der ]^efruehtung (Taf. IL Fig. Kl . Ich habe hier Uilder gewonnen, welche mich annehmen lassen, dass die Bildung der Dotterzellen unter direct vom Keimblschen ausgehender Fur- chung stattfindet. Man sieht zunchst das Keimblschen liedeutend vergrssert und seinen Umriss Aveniger scharf geworden. Der Fleck in demselben wird jetzt nur bei EiuAvirkung \o\\ Wasser deutlich. Man findet in wenig grssern Eiern daneben zAvei entsprechende Blasen mit Kernen , oft aou A^erschiedener Grsse , Avelche , sicli an einander abplattend , fast den ganzen l^innenranm fllen Taf. II. Fig. I l u. 12 . Die Theilung der auch hier erst bei Wasser- einAvirkung deutlicliAverdenden Kerne Avurde nun beobachtet (Taf. II. Fig. 13; ; sie fhrt zur Bildung von drei, vier, fnf, ZAvanzig , fnfzig und mehr Zellen (Taf. II. Fig. 14 u. 15 . Waren etAva zAvanzig Dotterzellen gebildet, so Avaren die Kerne in denselben auch schon ohne EiuAvirkung des AVassers deutlich (Taf. II. Fig. 1(3 u. 17). Wenn Avider meine Yermuthung das Keimblschen vor J^eginn der Furchung verscliAvnde, so Avrde ZAvischen den Eiern, Avelche unter Fig. 13 und 10 abgebildet sind, Avie Robin es ausdrckt, der Austausch des Keimblschens gegen einen Dotterkern stattgefunden haben. ^ Die Eier sind unterdessen auf etAva 0,02.") mm. Lnge und etAvas ge- ringere Breite gewachsen. Der in einen Zellenhaufen umgeAvandelte Eiinhalt schnrt sich nun zuerst birnfrmig, dann Avvu-stfrmig ein, Avobei dann die Streckung durch Knickung und spiralige Aufrolhing mglich wird iTaf. IL Fig. IS u. 19). Auf der Oberflche des so entstandenen jungen Wurms be- merkt man eine dnne C/hitinschicht , das Innere ist zunchst von berall gleichen Zellen gebildet, die Gestalt plump, die Lnge kaum vier bis fnf Mal grsser als die lireite (Taf. IL Fig. 20 . In immer grsserer Streckung vervollkommnet sich die Organisation durch die Entwicklung des Ver- daunngsapparates. Erst sieht man Avie querausgezogene Vacuolen die Stelle bezeichnen, Avelche spter der Zellkrper des Oesophagus einnehmen soll. Der hintere Abschnitt erscheint dann noch nicht aus der unentAvickelten Dotter- masse herausgebildet (Taf. IL Fig. 21). In vorderer Streckung und Verfeine- rung bildet sich der musculse Abschnitt des Oesophagus aus, das Chitinrohr Avird durch den ganzen Oesophagus deutlich , der Zellkrper vervollkommnet sich und der C!hylusmagen sondert sich Aon dem Ilautschlauche (Taf. IL Fig. 22 u. 23). Auch im AListdarm erscheint jetzt schon das Chitinrohr und bezeich- net sein Lumen (Taf. IL Fig. 24). So erlangt die Trichine im Ei vollkom- men denselben Verdaunngsapparat , Avelchen sie spter hat. Das Gehirn habe ich gleichfalls schon in solchen Embryonen aufzufinden vermocht. Die Em- bryoneu nehmen Avhrend der Zeit, in Avelcher sie nach Sprengung der Eihlle noch im Lterus und der Scheide verAveilen, an Grsse und Reife zu. Die Grsse der zur Geburt reifen Embryonen , Avelche dann schon die Eihaut seit einiger Zeit, vielleicht seit einem halben Tag oder einigen Stunden, gesprengt haben, betrgt 0,0b bis 0,12 mm. Die ganze EmbryonalentAvicklung muss 1) Xaissance de la substance urganisee. .Journ. du l'anat. et de la physiol. I. 4. !S(i4. 94 Eigenschaften und LebenscerhUnisse der Trichina siralis. etwa drei Tage in Anspruch nehmen. Es Avrde die hieraus luid aus der Zahl der im Uterus gleichzeitig anwesenden Eier zu geAvinnende Rechnung hnliche Resultate ergehen fr die Zahl der berhaupt erzeugten Jungen, Avie wir sie oben schon gewonnen haben. Eine Zerstrung der INlutter durch die in ihr enthaltene Rrut, Avie sie mehreren Anguilluliden zukommt, findet sich bei Ti'ichina spircdis nicht. Die wandernden Embryonen. Es ist uns Aviederliolt gelungen , die Geburt der in oben geschilderter Weise entAA ickelten Tricliinenembryonen zu beobachten und sie im Darmschleim der inficirten Thiere aufzufinden. Die Zahl der so zu entdeckenden jungen Tliiere ist jedoch eine geringe und es ist deshalb anzunehmen, dass sie nur eine sehr kurze Zeit im Darm A'erAA'eilen und sich bald im Krper zerstreuen. Es sind von mehreren l^eobachtern einzelne Embryonen im Blute gefun- den Avorden und man liat darauf die Annahme mit mehr oder Aveniger Sicher- heit gegrndet, dass die AVanderung oder Verbreitung in dem Krper passiv durch die RlutAvege geschehe. Wir haben nie Embryonen im lUute des Her- zens, der grossen Gefsse oder bei Durchmusterung feiner Gefsse im Zusam- menhang beobachtet, Avhrend Avir sie doch im Darmschleim, in der Bauch- und Brusthhle und im Pericardialraume fast immer auffinden konnten, Avenn Avir, Avo Avir berhaupt sie zu erAvarten berechtigt Avaren , nur ausdauernd suchten. Ich bin auch deshall) Aveuig geneigt, eine Wanderung mit dem Jilute anzu- nehmen, Aveil ich glaube , dass die GegeuAvart der Embryonen in den feinen Blutgefssen Verstopfungen hervorrufen msste, denn jene haben doch etAva 0,005 bis 0,008 mm. Dicke, und dass ihre AusAvanderung aus den Gefssen Extra- vasate bedingen Avrde. Von solchen Dingen findet sich aber nichts. Es Avird also Avohl die AnAvescuheit in den Blutgefssen die Ausnahme sein, allerdings aber, Avenn sie eintritt, eine neue Gefahr erzeugen und Gelegenheit zu pneu- monischen und cerebralen Affectionen geben knnen. Es ist geAviss zu hoffen, dass Avir ber das Wesen der Wanderung der Embryonen noch Aveiteren y^^ufschluss und mehr Sicherheit bekommen. Grnd- liche Durchmusterungen von Musen Averden dabei am Avei testen fhren mssen. Wir erAvhnten oben, Avie wir in deren Ausfhrung vielfacli behindert Avurden. Vorlufig ist es luis ebensoAvenig gelungen , den Embryonen im BindegeAvebe zu begegnen, avo dasselbe nicht INhiskeln berhrt, als im Blute. Es muss also auch hier die Wanderung eine sehr rasche sein ; vielleicht mag sie nicht rein activ, sondern unter ^NlitAvirkung der MuskelbeAvegung und dadurch geschAvin- der stattfinden. Wir denken dabei an die passiven Wanderungen von Nadeln im Krper. Es ist thatsclilich , dass die Verbreitung der Trichinen in die Spitzen der Extremitten und in (h;i;R und Andern neuerdings Fiedler^ eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ich kann jedoch seine Ansicht nicht theilen, dass ausser den von Trichinen be\\()hnten Fibrillen auch die benachbarten ergriffen seien. Man vermag nicht immer die Trichine zu finden ; zahlreiche sind dmch Verletzungen ausgetreten, kleinere Averden durch den verdunkelten Inhalt der Fibrille verdeckt, aber zu oft liegt eine einzelne, sichtbar durch eine Trichine erkrankte Faser lang hin ZAvischcn lauter gesunden, als dass man die Affection nicht als jedesmal localisirt betrachten sollte. Wenn man einmal diese Erscheinung gesehn hat , so erkennt man sie sehr leicht Avieder und bemerkt, soAveit nicht etAva Psorospermien vorhanden sind, oft unter der Loupe bei zehnfacher Vergrsserung daran eher die vor- handene Krankheit als die GegcnAvart der Wrmer selbst. Die Vermehrung der Muskelkerne ist sehr auffallend; man findet ihrer sehr viele und hufig zwei Kernkrperchen in den einzelnen. Sie sind meist lnglich, zuAveilen auch kreisrund, nur 0,01 mm. lang, einzelne gegen das Ende der Affection bi-ig- bleibende doppelt so gross. Wenn man ein so Acrndertes Muskelbndel ffnet, so quillt der Inhalt heraus luid es lassen sich die Bestandtheile gut untersuchen (Taf. IL Fig. 27). Es ist sehr erklrlich, dass bei Verletzung solcher ^Muskel- fibrillen die Spannung des Sarcolemma den hihalt und auch die darin befind- liche Trichine leicht austreibt, denn die gan: e Faser ist durch die ppige Ver- 1} ViRCHOw's Archiv. lSi;4. XXX. p. 4G4, Die Musheltrichlnen. 97 mehrung' dos Inhalts infolge des Reizes iluicli den anwesenden Wnrm prall ausgedehnt. Es gelingt oft, etwas entfernter vom Wunn, noch in derselhen Faser die normale Anordnung des Inhalts zu erkennen und an den Grenzen zu heoL- achten, wie derselhe ungleich iibhreehend dem Zerfalle in der Nahe des Wurms Platz macht. Ich glaube auch, dass, obwohl spter die Trichinenkajjsel sammt ihrer bindegewebigen Hlle vollkommen abgegrenzt ist von den umgebenden Sar- colemmaschluchen, doch daraus, dass deren einzelne entschieden, statt als be- nachbarte an ihr vorbeizugehen , in feste Verbindung mit ihrer Oberflche treten, folgern zu drfen, dass solche entferntere Partieen der Fibrille erhalten bleiben knnen. Indem sie dann spter sich ausdehnen und von beiden Seiten her bei der I indegewebsverkrzung in der Heilung an die Kapseln heran- treten, wrden sie den Defect ausgleichen. Der Zerfall innerhalb der kranken Stelle sieht gar nicht aus , als Avenn aus ihm Muskelumhildung zu erwarten wre, solche kann Avohl niu- von der Nachbarschaft ausgehen. AVhrend also anfangs die erkrankten Fibrillen dunkel erscheinen, kehren sie bald zu dem gewohnlichen Ansehn fr den oberchlichen Anl)lick zurck, ja sie werden sogar uni die Trichinen herum blasser und durchsichtiger als sie zuvor gewesen. Es bildet sich um den unterdess voran gewachsenen und nun die Einrollung beginnenden Wurm nmlich eine Art leeren Raums , in welchem in flssigem Inhalt weniger Kerne und dunkle Molecule gefunden werden , ein heller Hof. Dabei ordnen sich in nchster Nhe die briggeblie- benen Kerne und die ihnen anhngenden INIassen in concentrischen Lagen und die Regelmssigkeit der Anordnung macht auch diese Partieen durchsichtiger. Weiterhin aber schrumpft die Faser und cliung ausgezeichnete Kerne von etwa 0,0(15 mm, mit sehr fei- nen glnzenden Kerukrperchen. Das blasse Ausehn der blasigen Auftreibung der Faser zu einer Zeit , wo der .Schwund des Inhalts noch nicht eingetreten ist, entspricht dem INIangel des dunklen Ansehns auch bei den noch weniger geblhten Fibrillen. Ob diese Differenz, entschieden eine geringere Neigung ziun Zerfall , in der bei dem jugendlichen Alter des Thieres noch lebhafteren Neubildung von Muskelsubstanz beruht und vielleicht darauf die geringere Schwere der Erkrankung bei Kindern basirt? Innerhalb der INIuskelfasern machen die INIuskeltrichincu sehr geringe Be- wegungen, die Menge des sich um sie vermehrenden Inhaltes scheint zu ihrer Ernhrung vollkommen auNreicheud. Dieser Fnlialt wird durch den Parasiten verbraucht und verndert. Unter seinen spiraligen, bald eingeleiteten Bewe- gungen bildet sich die erwhnte concentrische Lagerung der immer durchsich- tiger werdenden Ueberreste jenes Inhalts um ihn immer bestimmter aus. Gegen die so gebildete, erst Aveiche, spter mehr erhrtende Kapsel schliesst sich der Sarcolemmaschlauch oben und unten erst durch hirnfrmige Einschnrung, dann durch Verwachsung mehr und mehr ab Taf. I. Fig. 2). Es ist demnach ohne allen Zweifel in der Umhllung der eingekapselten Trichinen der immer- hin verdickte , sehr stark lichtbrechende Schlauch des Muskelfaserchens und die eigentliche , aus dem vernderten Inhalte unter EinHuss der Trichine ge- bildete schalige Kapsel zu unterscheiden. In dieser Kapsel sind die ursprng- lichen Inhaltselemente der Faser nur sprlich eingebettet, sie ist hauptschlich eine homogene, erstarrte Masse. Wie Aveit die Entstehung derselben von Aus- S(;heidungen aus der Haut oder dem Munde des Wiu'mes beeinflusst gCAvesen sei, muss dahin gestellt bleiben. Solche Kapseln haben fr das blosse Auge das Ansehn kleiner durch- sichtiger Krnchen. Wo die Trichinen sehr dicht bei einander liegen, kommt es vor, dass mehrere in derselben jNIuskelfaser in eine gemeinsame Kapsel gelangen; fter jedoch entsteht der Anschein solchen Verhaltens durcli neben oder ber ein- ander liegende Kapseln verschiedener Fibrillen. Es ist mir nicht mglich gCAvesen, an vollendeten Kapseln einen ein- fachen Uebergang ihrer Umhllung in die persistirender Fibrillen nachzuAveisen, hufig jedoch jene oben erAvhnte seitliche Anlage , so dass Muskelfasern flach auslaufend sich an Trichinenkapseln ansetzten. Die strangfrmigen Verlnge- rnugen der Kapselumhllungen lassen sich brigens ziemlich Aveit von den benachbarten Fasern isoliren. Ob durchaus alle Wrmer sich nur innerhalb der Schluche einkapseln, bleibt natrlich unerAviesen. Whrend der ersten Zeit ihres Aufenthaltes in den Muskeln haben die Wrmer in einfacher Streckung, spter umgebogen, endlich sich aufrollend ihr Dir MusJ^rJ/rifltuirii. 99 Waflislliuni wc'ilrri^x'liilul imd ^\ ari'ii ilalx'i Noii der zcrfallciulcM MiiskcLsub.stanz; uiii,mdi(Mi. Die Kai)so]l)il(luni; l)('<>inu( dann vor Yollciuluii;^- dos dieser Lebens- periode zid^orniueuden Wachstlmins , uamentlicli aber Avird iiiuerhall) der Kap- sel noch eine weitere Reifung- er/ielt. Da wir schon bei den ungel)ornen Embryonen (h'u Verdauun<^sapparat und (bis Ciehirn sahen, so l)elriff"t die Orgunisationsvollendung' der Muskeif richi- n(Mi vorzglich die Generalionsoryane. Wir haben oben erwhnt, dass wir deren Anfange schon vor der Einkapselung saheu und dass bei (,5 nmr. die Geschlechtsdifferenz scliou deutlich zu Averden beginnt. Die Gegend um den ]\Iagen , dessen Hohlraum allerdings langst deutlich geworden war, hatte dabei immerhin noch mehr den Anschein eines Lagers neutralen . weiter organisir- bar(Mi Materials behalten. Dort entwickelt sich nun die anfangs unbestimmt bleibende Keimdrse, beiden Geschlechtern gemeinsam, um bald durch die vordere Uinbiegimg- des Hodens zum Samengefass die Mnnchen erkennen zu lassen. Ob hier, wie bei der Entwicklung der weiblichen Darmtrichinen von der Haut aus, ein Jlntgegenwachsen A^on der Cloake aus stattfindet oder ob von Anfang an in der Abhebung der Geschlechtsdrse vom Darm fr die INInu- chen die Verbindungsstelle erhalten bleibt, Avelche nur spter sich ausziehend und aushhlend zum ('anal Avird, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls Avird die Verbindung sehr frh hergestellt und es tritt auch die Durchgngigkeit zeitig ein (Taf. L Fig. 10). Die Aveibliche Keimdrse dringt, Avie schon oben erAA'hnt, spitz ausge- zogen nach vorn vor. In dieser Spitze lassen sich frh abgelste Eier erken- nen, deren Zahl zunimmt. Ich habe deren einmal sechs, einmal sieben ge- funden, deren erstes an den den Oesophagus begrenzenden IJlinddrmchcn lag. Dieser Abschnitt bildet spter den Lterus. LIinter jenen abgelsten Eiern vor dem vordem Ende des eigentlichen Ovariuras, dort avo die verengte Uebergangs- stelle ZAvischen Ovarium und Uterus jetzt schon angedeutet ist, zeigt sich, jedoch erst nach vollendeter Einkapselung und allmhlich angesammelt, der sogenannte FARRE'sche Krnerhaufen. Derselbe bezeichnet somit, avo er vorhanden, das vordere Ende des Ovariums oder den Grund des Uterus, aber keinesAvegs die ]^age der spteren Geschlechtsffnung. Es ist das eine Anhufung von dunklen Moleculen innerhalb der Aveiblichen Geschleclitswege , Avohl entstanden , Aveil an dieser Stelle, nach erfolgter hinlnglicher Vorbereitung zur Geschlechtsorga- nisation, nun eine secretorische Thtigkeit beginnt, Avelche erst dann ihre volle Bedeutung erlangt, Avenn dort nach Uebergang der Trichine in den Darm zu befruc-htende Eier durchtreten. l'ei lteren Muskeltrichinen ist der Haufen grsser, bei frisch eingekapselten fehlt er ganz, bei Mnnchen kommt er ber- haupt nicht vor. Ich finde ihn sehr ausgebildet beim Sclnveine nach etAva fnfzehn Wochen. Da in der Organisation der Muskeltrichinen brigens nichts gefunden A\ird, dessen nicht schon frher gedacht Avorden Avre , brauchen A\ir auf die- selbe nicht Aveiter einzugehn. Die oben geschilderten Darmabschnitte erschei- nen vollkommen Avie bei den Darmtrichinen ; der Hoden und das Ovarium sind kleiner; der Icterus, mit Ausnahme des geschilderten Anfangs, Scheide und Vulva fehlen; ussere (leschlechtsunterschiede bestehen nicht, in der Muskel- haut liegt der beidseitige Bandstreifen, das Gehirn ist gerade so beschaffen Avie bei den Darmtrichinen. 13* lOf) Eigenschaften und Leheitscerhltnisse der Trichina spiraUs. J)ie A'crk.ilkung der Kapseln haben, wir nicht weiter gefhrt gesehn, als dass in der Kapsel, vorzglich an den Polen, feine Kalkmoleeule bis zu deut- licher Verdunkelung abgelagert waren. Es war dieser Process bei einem Kanin- chen nach SO Tagen an den Enden der Kapsel sehr deutlich eingetreten, wh- rend bei Schweinen nach fast 100 Tagen nur eine unbedeutende gleichmssige Verdunkelung entstanden Avar , deren Wesen dadurch klar wurde , dass auf Zusatz von Suren Gasblasen entstanden. Vernderungen des Kapselini laltes luid Zerfall [des Wurmes nach Verfet- tung und Verkalkung habe ich in der Zeit, welche unseren Versuchen zu Oe- bote stand, nie eintreten sehen. Auch wurde nicht 'ein Zugrundegehen des Wuruies in einzelnen Fllen beobachtet. Der Vorgang der Verkalkung ist wohl als der Anfang des Endes des ganzen Processes zu betrachten, da derselbe aber nur langsam von der Peri])herie her vorschreitet, knnen die Trichinen noch lange in den dabei viel dicker, hart und s})rde gewordenen luid Schutz ver- leihenden Umhllungen leben. Wir werden erst durch lngere Erfahrungeu in Stand gesetzt werden, zvi entscheiden, wie lange wohl die Muskcltrichinen in diesem abgeka})selten Zustande lebensfhig bleilien knnen. Als ein ziemlich normales Maass fr die Trichinenkapseln knnen Avir etwa 0,3.5 mm. Tjnge und 0,25 mm. TJreite und Dicke annehmen. Wenn sie mehr gestreckt sind , so sind sie meist schmler. In einigen Fllen haben sie sich berhaupt etwas grsser erwiesen, so scheinen die Trichinen' in den Mus- keln der Katzen einen bedeutenderen freien Pamn ZAvischen ihren Windungen und der usseren Hlle zu behalten. Meist an beiden Enden zugespitzt, in der Richtung der Fasern mit dem Lngsdurchmesser gelegen , haben die Kap- seln hufig eiiu^ citronenfrmige Gestalt, nicht selten sind sie oval, birnfrmig, kreisrund. Das hngt wohl \on Zuflligkeiten ab, besonders von der Art der Haltung des Wurmes whrend der Abschnrung der Kapsel und von der Ein- wirkung des Drucks der Umgebung. Sehr scharf contourirt liegt in der Kapsel die Trichine in mehreren dicht aufeinanderliegenden Windungen spiral gerollt. Zuweilen ist an einem od(^r den beiden Enden der ( 'yste vor der Abschnrung eine kleine , halsfrmige Einschnrung. Die Lnge der Muskeltrichine wird in der Regel 0,7 bis l mm. betragen, ihre Gestalt ist eher ])lum])er als die der Darmtrichinen, die grsste Breite bis 0,0:^5 mm. Aeltere Autoren haben schon mehrfach erwhnt , dass die dreieckigen LckfMi ZAvischeu den ^luskelfasern ber inid unter den Kapseln durch Huf- chen \on Fettkugelu ausgefllt Averden. Es kommt das auch vorzglich bei lteren Erkrankungen und nicht bei allen Wohnthieren gleichmssig vor. Ueber einige von den Trichinen zu nntersclieidende Vorkommnisse. Wir liaben schou im historischen Theile dieser Arbeit darauf aufmerksam gemacht, diiss bei Wirbelthieren sehr verschiedener Art eingeka])selte Rund- Avrmcr vorkonunen knnen, Avelche nicht Ti-idiiiKi spiralis sind. Nur ein kleiner Theil von diescni lebt in den ^Muskeln und zAvar im Innern der Fi- brilleu , namentlich ist das, wie oben cvzidt Avurde, von einer beim Aale und einer beim MaiAvurfe schmarotzenden Art l)ekannt. Heim Menschen und beim ScliAveine , den biuiptsclilTcli In'er in Retntcht kommenden Gesch])fen , ist bis Uehei' einige von den Tfich'uicn zn un /er scheidende Vorhommntsse. \()\ jetzt mit Siclieiheit keine aiuleie Art iiuter hiilieheii Umstnden unterschie- den worden ; es muss jedoch immer noch der Aveiteren l^eohachtung' herlassen hleiben , ob nicht etwa doch das Schwein ZAveierlei Trichin(>n enthalte , von wek-hen die eine dann die von TjEidy beobachtete mit grsseren Kapsehi sein wrde. Nachdem jetzt die Organisation der Trichina spiralis so genau bekannt ist, wird es keine Schwierigkeiten haben, sok-he falsche Trichinen, wo sie etwa vor- kommen, auszusclieiden und ihre Stellung neben TrirMna spiralis zu bestimmen. Nur bei der Untersuchung mit dem blossen Auge knnen die Psorosper- mien enthaltenden Kapseln und Sclduche , welche unter dem Namen der EAiNEv'schen Schluche bekaimt sind, mit solchen Muskelhbrillen verwechselt Averden, welche von Trichinen besetzt und dadurch umgCAvandelt sind. Es sitzen diese Krper allerdings ebenfalls sehr deutlich im Innern der Sarco- lemmaschluchc der Muskelfasern und lassen sich leicht aus denselben heraus- prpariren. Sie sind miter anderen bei Ratten, Schweinen, Rehen, Ochsen, Klbern, Scliafen gefunden Avorden. Wir haben sie hier miter unseren Ver- suchsthieren bei Ratten luid Musen gesehen. Rei einer Hausmaus zeigten sich die iNIuskeln schon fr das blosse Auge mit dicken, Aveissen Streifen durch- zogen. Diese Schluche hatten Avie auch sonst eine eigenthndiche Hlle, Avelche hufig lngsgestreift erschien. . Her Tnlialt wurde gebildet von kleinen, rundlichen, ovalen, nierenfrmigen, oder auch durch Einbuchtung zur Theilung und Versfelung hinneigenden Krperchen, in Avclchen meist mehrere Kerne zu erkennen Avaren. Diese Krperchen Avaren fcherartig in Scheiben um eine mittlere Axe geordnet, so dass der ganze Schlauch fast wie bandwurmartig ge- gliedert erschien. Auch bei Mus ratfus Avurde sicher nacligcAviesen, dass solche Scliluche in den Frimitivbndeln steckten. Rings um sie und ber und unter ihnen Avar der Inhalt der Fibrillen vollkommen erhalten und Tjngsstreifung und Querstreifung sichtbar. Die Rndelchen Avaren sehr erAveitert. Wenn man den Psorospermienschlauch entfernte , blieb die Muskelsubstanz in der Umhl- lung liegen, es scheint also jener Schlaiu-h sich langsam und gleichmssig im Hohlraimie der Fibrille zu ent.Avickeln , ohne die Sidistanz zu zerstren. Bei Zusatz austrocknender Flssigkeiten runzelte sich die Hlle des Fsorospermien- schlauchs quer. Uebertragung auf ein Kaninchen durch Impfung gelang nicht.' Es ist bekannt, dass an andern Stello.i solche Schluche oder Kugeln mit gleichem Inhalt aus den bei Avirbellosen Thieren sehr verbreiteten sogenannten Grega- rinen hervorgehen, Avelche in gleicher Hlle einen theils klaren, theils krni- gen Inhalt neben einem oder mehreren grossen Kernen enthalten und Form- vernderungen zeigen. Es ist ferner bekannt , dass die anfangs mehr Aveichen Inhaltskrperchen Avenigstens in andern Fllen , so in den Gallengngen der Kaninchen, spter eine harte Schale und spindelfrmige Gestalt besitzen. End- lich hat Lieberkhn aus solchen spindelfrmigen Kr])erchen, den sogenannten Pseudonavicellen , den Inhalt in der Form der hchst vernderlichen Amoeben freiwerden sehen , und solche hat man Avieder im Rlute gefunden. Es ist hier nicht der Ort, nher auf die Untersuchung dieser eigenthmlichen Orga- 1) Ich will nicht ermangeln, bei dieser Gelegenheit darauf aufniei-ksam zu machen, dass neuerdings LiNDEMANN aus Nisniy-Newgorod Psorospermienkugel-Colonieen an den" Herz- klappen und in der tunicd ulhiif/iiien der Xieren des Menschen, soMie auch Psorospermien und bewegliche Gregarinen an den unverletzten Haaren eines Mdchens gefunden hat. Bull, de la Soc. Imper. des Naturalistes de Moscou 1864, vA l02 Eiyenschaftcn und Lehvnsvvrlillinsse der Trichi/ta sjjiraJis. nismeii einzii*;eheii , deren Lebensverhltnisse somit ziemlich zu bersehen sind und welche ich mit v. Siebold fr pilzartige Endophyten ansehe, um so mehr, nachdem uns l)er die hei hnlichen l'flanzenformen mglichen ])ewegungs- erscheinungen neuerdings so merkwrdige Thatsachen erschlossen worden sind. Die Folgen der Anwesenheit solcher Psorospcrmienschluche im Organismus scheinen hnliche zu sein Avie die der Trichinen. Die Maus -war einige Taire nach einer Trichinenftterung gestorben, bevor die ]rut der Trichinen abgesetzt Avurde mul Avar gleich sehr elend gCAvesen. Es zeigte sich im Unterhautzell- geAvebe und in den Muskeln auf Schenkeln und Kreuz bei der Section star- kes Oedem. Es ist denkbar, dass solche pflanzliche Parasiten hufiger das epidemische Wegsterben der Muse veranlassen als thierische. llei der mikro- skopischen Untersuchung Avird sofort der ganz verschiedene Charakter der Af- fection erkannt Averden, uud namentlich Averden in' den erkrankten Fasern die Wrmer fehlen. Es sind uns bei unsern Untersuchungen ein l^aar den l)ar)u bewohnende Kundwurmarten anfgestossen , Avelche Ixn oberflchlicher Prfung mit Trichiim spiralis verAvechselt Averden und so ber etAvaiges (elingen von Trichinenver- suchen irrige Ansicht veranlasseu knnten. Ik'i einer Art Avar Avirklich fr nicht ausgeAvacliscne Thiere die Aehnlich- keit nicht gering. Es ist das Tricltosoma fritoiii.s . Avelchem Avir in meist nicht geschlechtsreifen Individuen in den zu Trichinenversuchen beruitztAi Wasser- salamandern, aber auch in solchen, Avelche nicht inficirt Avorden Avaren, fast immer begegneten. ])iese jungen , geschlechtsvnireifen Trichosomen haben <,<) bis 0,9 mm. Lnge. Sie sind nicht unbedeutend schlanker und gleich- massiger breit als Trichinen. Das Kopfende ist ganz Avie das der Trichinen gestaltet und bewegt sich in gleicher Weise; die Oesophagealzellen sind gross, der After liegt ganz hinten. Die erAvachsenen Mnnchen dieser Nematoden- art, Avelche bisher unbekannt geAvesen zu sein scheinen, sind 1 bis 5 mm. lang. In ihrem Hintertheile liegt eine feine Spicula von etAva 0,2 5 mm. Lnge, Avelche quergerippt ist und gerade am Hinterende heranstritt. Das Hinterende ist dann einem Hufeisen lndich abgeschnitten , so dass in der ]Mitte von diesem dorsal eine Art von Haken vortritt und auch die l^asen der hufeisenfrmigen Umfangslinie sich ein Avenig erheben. ])ei den Ftterungsversuchen mit Tritonen knnen diese jungen Trichosomen leicht fr solche Trichinen gehalten Aver- den, deren EntAvicklung nicht fortschreitet. Man findet sie schon vom Magen an. Im Darme fast aller ScliAveine, Avelche zu unserer Untersuchung gekom- men sind, habe ich einen RundAvurm entdeckt, Avelcher, Avie es scheint, bis- her unbeschrieben , bei der Durchmusterung des Darminhalts mit der Loupe leicht fr eine Trichine angesehen Averden kann. Die Aehnlichkeit ist jedoch mir eine sehr oberflchliche , besonders auf die geringe Grsse und haarhn- liche Feinheit basirte , da die mikroskopische LTntersuchung alsbald ergiebt, dass diese Nematoden einen kurzen ScliAvanz und doppelten Eileiter und Ova- rien haben, aiich sonst mit den Trichinen keine Avesentliche Aehnlichkeit besitzen. In vielen hundert Exemplaren habe ich diesen Wurm gefunden, aber stets nur in Avciblichen Individuen; dieselben fangen schon sehr ji mg an Eier abzulegen, Avelche man dann einzeln im Darme findet, Avachsen nachher noch bedeutend, MitAvickeln ihre Geschlechtsorgane immer ausgedehnter und gehen endlich in Prodiiction der IJrut in der Art zu Cjirundc, dass man langen Weher ei/u'f/e mii, den Trichinen zu unter sei leidende J'orkommnlsse. \{)\\ Schnren ihrer Eier, hefVeit von dem mtterlichen Kr])er, in verscliieckmen Entwicklungsphasen im Schweinedarme begegnet. Der ^Mangel der mnnlichen Individuen hindert vor (U-r Hand, diese Wrmer einer (attung /uzutheilen, und knnen wir l)er sie mir wenige Worte sagen. Da von den Scliw einchen , welche diese Wurmart hargen und sehr jung in unsere Hnde gekonnnen waren , nur die erst geschlachteten jngere In- dividuen, die spter geschlachteten nur die gereifteren enthielten, scheint die Infection nicht whrend unserer Pflege dieser Versuchsthiere , sondern schon frher stattgefunden zu haben. Da sich nun aber auch neben jenen jungen Weibchen keine Mnnchen fanden , so knnte wohl die Annahme gerechtfer- tigt sein , dass wir es hier mit Nematoden zu thun haben , welche schon be- fruchtet , wahrscheinlich beim Gensse von Pflanzenstoffen in den Verdauung-s- apparat gelangen. Der innere Pau der gefundenen weiblichen Thiere wrde nicht hindern, sie mit den Anguilluliden zu verbinden, von denen wir ja mehrere Flle kennen, in welchen bald ein endo])arasitisches, bald ein freies Leben gefhrt wird. Durch den gestreckten Kr[)er hneln sie auch den Stron- gyliden. Die kleinsten, welche ich gesehen habe, bertreffen die grssten Darmtrichinen doch schon etwas an Lnge, und man kann schon unter der Loupe das kurze Schwnzchen erkennen. Die (Tieschlechtsffiiung- liegt hinter der Mitte und es geht von ihr aus eine kurze Scheide senkrecht auf der Axe des Krpers nach innen ; diese verbindet sich mit einem nach vorn und einem nach hinten laufenden Uterinhorn, letzteres geht wieder jederseits in das Ovarium ber. Anfangs finden sich nur zwei bis drei , spter viel mehr Eier in jedem Uterinhorn. Das Ovarium ist anfangs sehr kurz und einfach, gerade in der Rich- tung des Uterus gestreckt, es ^^chst aber allmhlich sehr lang aus, so dass es sich in Schnren vorn und hinten um den Darm wickelt. Der Mund ist unbewaffiiet. Die Mittel gegen die Trichinen. Bei den Versuchen , welrlie im zweiten Ahsclmitte dieses Eviohes ver- zeichnet worden sind , hlieben alle Experimente ber Anwendung- von Heil- mittehi gegen die Trichinen ausgeschlossen. Es kann sich also in diesem letzten Abschnitte nicht darum handeln , ein specifisches Heilverfahren und Arznei- mittel anzugeben , durch welche den aus den Trichinen unserer Gesundheit so sichtlich erwachsenden Gefahren begegnet werden knne. Es ist auch wohl nicht viel Aussicht , dass auf solchem Wege die l^eseitigung des I'ebels ge- lingen werde. Wir beabsichtigen vielmehr, nur unsern Platz einzunehmen in dem gegen diese neu erkannte aber nicht neue Krankheit sich organisireil- den Widerstnde auf Grund der whrend unserer Arbeiten gewonnenen An- schauungen ber die Natur und die Verbreitvnig der Trichinen, und glauben, dass aus der Erkenntniss des IJebels in dieser Richtung auch die Eingerzeige fr die Wege zu seiner Abhlfe sich ergeben. Die vorausgehenden Mittheilungen haben den Nachweis gegeben, dass mehrere der am gewhnlichsten auf unsern Tisch gelangenden Sugethierarten, nmlich das Schwein, das Schaf, das Rind, wenigstens in jugendlichem Zu- stande, soAvie der Hase und das Kaninchen der Trichinenkrankheit in der Art unterworfen sind, dass die jungen Wrmer in ihre iNIuskeln eindringen und, dort bis zu einem gewissen Grade gereift, nachher bei Genuss solchen Eleisches die Krankheit auf den Menschen zu bertragen vermgen. Es m\iss uns nach diesen Erfahrungen sehr mglich erscheinen, dass auch Ziegen, Hirsche, Rehe ergriffen werden knnen; fr das Wildschwein ist das gewiss keinem Zweifel initerworfen. Wenn die Infection sich vielleicht des einen oder des andern dieser Sugethiere nur im jugendlichen Zustande zu bemchtigen vermag, so verringert das natrlich die Wahrscheinlichkeit, aber man rauss bedenken, dass die Gefahr der ^Verbreitung der erlangten Erkrankung nicht mit der an- scheinenden Genesung luul dem Alter schwindet. Gewiss vermgen deren rro'ducte, die ]Muskeltrichinen, so hinge lebend und infectionsfhig zu bleiben, bis das Thier in die Hnde des Met/gers oder des Jgers fllt. Es darf dem- nach fr zweifelhaft gelten, ob uiclit alle Sugethiere, welche uns zur Nahrung zu dienen pflegen, mciglichenfalls M\iskeltrichinen enthalten knnen. AVenn \ms so alle diese Thiere direct eine Gefahr drohen, so geschieht das indirect noch durch eine bestinnut weit grssere Anzahl von Sugethieren, Die M'fel gegen die Tricldnen. 105 welche nicht von uns selbst verzehrt werden. Dadurch, (hiss dieselben tri- cliinio- zu werden vermf^en , ^eben sie dieser Krankheit, welche, wenn bloss zwischen dem Menschen und den ilm ernhrenden Tliieren sich bewegend, nacli der Art ihrer Ilebertragung keine sehr verbreitete sein wrde , eine Ge- wissheit des Bestehens. Sie theilen , \nis unl)enierkt, die Krankheit hin und her einander mit und sichern ihre Existenz durch den Tiauf der Generationen, whrend wir selbst vielleicht lange Zeit nicht durch dieselbe beunruhigt wer- den. In die Reihe der so erzeugten Erkrankungen wird dann der Cyclus der den Menschen ernhrenden Thiere und des Menschen selbst zeitweise mit hineingezogen, wenn nmlich eins der oben angedeuteten Geschpfe vom ScliAveine oder einem anderen, uns selbst zur Speise dienenden Thiere verzehrt worden ist , oder zufllig seine Nahrung verunreinigte. Vorliifig sind uns aus dieser fr gewhnlich dem Menschen nur secun- dr gefhrlichen Reihe als den Muskeltrichinen unterworfen sicher bekannt : Hund, Katze, Hansratte, Wanderratte, Mans, Waldmaus, Feldmaus, Meer- schweinchen; etwas fraglich sind der Dachs und Marderarten. Der Wahr- scheinlichkeit nach ist jedoch noch fr viele andere Nager, reissende Thiere, Dickhuter und Yierhnder diese Erkrankung mglich. Es steht zu erwarten, dass bald darber mehr Aufklrung erlangt Avird. Es ist, Avie es scheint, zur Erzielung einer Trichineninfection in der Regel nthig , dass Muskeltrichinen und ZAA-ar von einem bestimmten Alter, nm- lich Avenigstens bei beginnender Einkapslung, in den Magen gebracht Averden. Nur unter dieser Annahme drfen Avir eine Aveitere, sehr grosse Zahl von Tliie- ren bei miseren ]^etrachtungen ausser Acht lassen , Avelche zAvar ])armtriclnnen entAvickeln , aber eine EinAvanderung der Embryonen in ihre Muskeln nicht gestatten. Dahin, scheint es, knnen Avir vielleicht einige Sugethiere, jeden- falls sehr viele Vgel stellen, so unter den Hausvgeln sicher die Hhner, Truthhner, Tauben, Gihise. Wenn eine Uebertragung der ebensoAvohl von den oben erAvhnten , als auch von diesen Thieren nach ihrer knstlichen In- fection in den Drmen entAvickelten , auch hufig mit dem Kotli abgehenden Darmtri chinen und deren noch nicht aus dem Darm ausgCAvanderter Krut in der Art mglich Avre, dass dieselben, Avenn in den Darm eines neuen Wohn- thieres gelangt, dort so Aveiter lebten und sich verhielten, wie das in dem vorigen Wirthe geschah, dann Avrde die Gefahr der Ansteckung fr die Haus- sugethiere noch Aveit grsser sein. Wir drfen jedoch nach unsern Beobachtungen diese unter besonderen Umstnden und in geringem Grade sich vielleicht verAvirklichende Gefahr ebenso- Avenig hoch anschlagen , als die , av eiche etAva daraus entstehen knnte , dass, Avie Avir gesehen haben, die Trichinen im Darme noch niedriger stehender Wirbelthiere aus der Gruppe der Amphibien zu einem geringeren Grade der EntAvicklung gelangen , oder im Darme Avirbelloser Thiere , Kfer und Fliegen- maden, einige Zeit vuibeschdigt aufbeAvahrt Averden knnen. Das letztere namentlich kann im ungnstigsten Falle in den Folgen sich nur einer zviflligen Ausstreuung trichinigen Fleisches gleichstellen, beide Mg- lichkeiten der Verbreitung drfen aber vielleicht in einigen sonst dunkel er- scheinenden Beispielen von Infection mit herangezogen Averden. Wenn es sich demnach bei der Trichineninfection vorzglich um den Genuss trichinigen Fleisches handelt , so ist es bemerkensAverth , dass es nicht Pageustech er, Die Tricliineu. 14 lOG Die Mittel gegen die Trichinen. gerade die rein fleischfressenden Thiere sind , welche vorzglich oder gar ans- schliesslich der Trichinenerkrankung unterworfen sind. Ist uns doch beim Fuchse , wenigstens fr diesmal , eine Infection nicht gelungen mid sind doch auch aus andern Quellen trotz vieler IJemhungen nur sehr sparsame Flle be- kannt, in Avelchen man beim Hunde Muskeltrichinen erzeugen konnte. Die Katze freilich Avird sehr leicht trichinig. Man knnte vielleicht danach den- ken , dass zunchst zwischen Katze einerseits mid Musen \nid Ratten anderer- seits, also Nagern, welche auch ihrerseits das Fleisch todter Thiere nicht ver- schmhen, oder vielleicht noch eher geradezu allein zwischen solchen Nage- thieren das Voranleben der Trichinen von Generation zu Generation gesichert sei. Wird doch kamu irgendwo ein todtes Thier liegen knnen , ohne dass eine oder die andere Ratte, Alans oder Whlmaus den Weg dahin findet und von dem Fleische nagt. Die grosse Neigung der ScliAveine Aas zu fressen, Muse auszuwhlen, thierische Reste ans dem Schmutze und Dnger heraus- zusuchen, muss dann gerade das Schwein l)es(mders geeignet machen, zeit- weise in den Kreis der Infection einzutreten und die IJebertragung des Giftes auf uns zu vermitteln. Obwohl es bekannt ist , wie gern Kaninchen ebensowohl als junge Wie- derkuer an thierischer Kost nagen, besonders wenn einmal die Gewohnheit sich ausgebildet hat, initerliegt es doch keinem Zweifel, dass fr alle 8ui]^- thiere, welche uns zur Speise dienen, nach Art der Tvcbensweise und der Ft- terung , die Gefahr der Ansteckung mit Trichinen eine sehr viel geringere sein muss als fr das omnivore Schwein. Dieselbe drfte vielleicht fr die Wieder- kuer so gering sein, dass trotz der nach Fiedler's luid unseren eigenen ^'er- suchen erwiesenen M g 1 i c h k e i t der Infection doch die W a h r s c h e i n 1 i c h - k e i t nicht gross in Rechnung gesetzt werden darf. Dass aber das Schwein mit grosser Ijeichtigkeit diu-ch den Genuss rohen J'leisches , mag dasselbe bis zur vollkommenen I'^ulniss in der Erde imd im Wasser gelegen haben, oder mag es von einem soeben ergriffenen und getdte- ten Thiere herrhren, eine Krankheit zu erlangen vermag, welche durch sein Fleisch auf zahlreiche Menschen bertragen werden und Siechthmn und Tod bringen kann, das, meinen wir, sei ein Satz, der fr den IJauern und Vieh- zchter im hchsten Grade beherzigenswerth wre. Es ist Avirklich recht zu beklagen, dass das ScliAvein von dieser Krankheit Aveniger in seinem Befinden gestrt zu Averden scheint, als der Mensch. Der liauer Aveiss recht darauf zu achten, dass sein IIoruAdeh nicht von Stoflen frisst, Avelche ihm schdlich siiul. Das Schwein, in seinem Koben versteckt, berhaupt von Avenig ausgeprgter Individualitt und deshalb ohnehin in seinen Erkraiikungen Avenig beachtet, Avrde rasch zu hnlicher Aufmerksamkeit zAvingen , Avenn die Trichinenerkran- kung bei demselben leicht tdtlich Avrde. So gelten Steifigkeit mid hnliche Krankheitserscheinungen fr natrlichen Gharakter und strriges Wesen und zum Schlachten erscheinen auch Thiere von verdchtig gcAvordenem Gesund- heitszustand noch gut genug. AVir glaid)en , dass gerade eine ordentliche Kennt- niss des Wesens dieser und hnlicher V(mi Thiere auf den jNIenschen und von einem Thiere auf das arulere bertragbaren Schmarotzerthierc im Elementar- unterricht und besonders auf dem Lande angestrebt Averden muss, Avenn nicht unsere Volksbildung auf eine sehr empndliche Weise hinter den Ansprchen, welche auf den Avissenschaftlichen Fortschritt der NaturAvisscnschaften begrndet Die Mittel gegen die Trichinen. 107 Avcrilcii ki'niui'ii, zurcklilcihcu soll. Dass aus der Fiimc ein IJaudwunii wird, kann ein Kind gerade so <;\it leriu-u, Avic dass aus dem Ei ein A^)i^el schlpft, und was von .Iu,mMid Hilf erlernt Aviire, Avrde allmhlieli in der Praxis seine Frclile trafen. In dieser AuCklrun^ des l^andvolks knnen wir hoffen, ein Mittel zu erlanficn , (hncli welches das Scliwein vor der Trichinencrkrankunj^- im Allge- meinen bewahrt bleibe. INIge man die Schweine vom Anne abhalten, am Aiis- Avhlen der jNluse hindern , ihnen nicht allerlei Fleischabfalle roh hinAverfen, berhaupt genauer beaufsichtigen Avas sie fressen und ihnen die Reinlichkeit der Pflege zuAvenden, die auch l)ei anderen Schlachtthieren so vollkommen lohnend sich erAveist. Eine mglichst grimdliche Vertilgung der Ratten und ]Muse in Ilaus und Hof Avird jedenfalls die ScliAveine vor mancher Ciiefahr be- Avahren. Das Al)halten der Sclnveine von den Orten , an Avelchen die Excre- mente anderer Thiere und besonders des Menschen niedergelegt Averden, ist schon aus anderen (t! runden, besonders AA'egen der Finnenerzeugung, so noth- Avendig , dass, oljAvohl Avir eine Trichineninfection durch Darmkoth nicht fr geAvhnlich halten knnen, Avir doch nicht verfehlen Avollen, darauf auch hier Avieder aufmerksam zu machen. Es muss die Frage aufgeAvorfen Averden , ol) nicht der Eifer der Vieh- zchter in dieser Angelegenheit dadurch geschrft Averden knnte, dass die Trichinenerkrankung fr eine einen GeAvhrsmangel bedingende erklrt Avrde, der Art, dass der Metzger, Avelcher dieselbe zur Anzeige bringe, den Hecins an den Verkufer Avegen des Preises habe. Ich glaube mich unl)edingt dahin aussprechen zu mssen. Trichiniges Fleisch ist Gii't und soll nicht verkauft Averden. Es liegt im Interesse der ffentlichen Sicherheit , dass dem Metzger aus dem fr ihn ohnehin scliAvierigen Auffinden der Erkrankung kein Schaden erAvachse , Aveiin er gebhrende Anzeige macht. Wenn irgend Jemand , so ist derjenige , der das Thier gefttert hat, verantAvortlich fr dessen Zustand. Es ist gewiss, dass in der Ausfhrung eines solchen Gesetzes ScliAiderigkeiten ent- stehen AA iu-den, aber das darf Avohl die Hauptsache nicht ndern xuid es knnte solchen Sclnvierigkeiten die Spitze genommen Averden , Avenn in allen ]<'llen dem Metzger gegenber die Gemeinde eintrte, so dass dieser, nun sicher ausser Verlust gesetzt , ein unbetheiligter Zeuge sein und bereitAvillig die Anzeige machen Avrde. Das Opfer der Gemeinden Avrde klein sein und ganz ausser Verhltniss stehen zu dem dadurch verhteten Unheile. Wir haben schon crAA'hnt, dass die Sachverstndigen nicht glauben, am lebenden ScliAveine knne aus den Krankheitserscheinungen mit Sicherheit die Trichinenerkrankung gefolgert Averden. Nach Analogie einiger anderen Thiere sollten anfnglich Durchfall, spter lichtscheu, iNIangel an Fresslust, Trgheit der KeAvegungen, Temperaturverminderung, Schmerzhaftigkeit bei Herhrung, Yev- nderung der Stimme beobachtet Averden, aber man merkt nicht viel davon. Die Erscheinungen der ScliAvellung sind bei keinem Thiere so merkbar als beim ^Menschen, beim ScliAveine knnen sie Avegen der Fettlage unter der Haut gCAviss nvn in ganz ausserordentlichen Fllen Avahrgenominen Averden. ])er ge- ringe Muskelreich tlnmi des ScliAvanzes der SchAveine Avird nur selten gestatten, in zur Probe abgeschnittenen Stcken Trichinen zu sehen, die Muskelprobe kann dagegen an Schulter oder Schinken leicht ansgefhrt Averden und Avird, Avenn einmal Verdacht entstanden ist, die Entscheidung leicht machen. Auch die Art, Avie ScliAveine vom Metzger behandelt Averden, Avird viel 14* j 08 D^f' Mittel gerjen die Tri eh inen. Aveniger leicht die bereits im Fleische vorhaiulenen Trichinen wahrnehmbar Averden lassen , als bei den anderen .Schlachtthieren. Ein iSchweiii wird in der Eegel nicht abfi;^ehntet , es kommen also grosse Mnskeloberflchen , Avelche bei anderen Thieren frei liegen, gar nicht znr Ansicht. J>ei anderen abgehnteten Thieren habe ich die jNInskeltrichinen vom A'ierniulzAvanzigsten Tage nach der Infection an stets mit blossem Ange erkennen knnen. Die beste (Stelle Avar immer fr diese Untersnchnng die ussere Partie des Ka])])enmiiskels, m. cueuUaris, axo derselbe flach ausgebreitet nach der Schulter hinberzieht. Aber auch auf anderen flachen Muskeln, besonders Avenn die Oberflche ein klein Avenig trocken gcAvorden oder in der Todtenstarre gespannt ist, heben die Kapseln den l)iudegeAvebigen , sonst mit dem gespannten ]\Iuskel zurckgezo- genen leberzug durch ihre grssere Resistenz deutlich lierA'or und erscheinen dann halberhaben , Avie Avenn kleine Sandkrnchen unter der JMuskelscheide lgen. Denselben Anblick nun habe ich beim ScliAveine gewonnen, Avenn ich ein Streifchen der J^auchmusculatur , Avie man nach dem Erffnen des Unter- leibs in gewhnlicher Weise dieselbe erreichen konnte , abschnitt mid nun so ZAvischen den l'^ingern spannte, dass die natrliche Oberflche zur Ansicht kam. Wo die Trichinenerkrankung nur etAvas bedeutend ist, kann sie von Jedem, der nicht Aveitsichtig ist, inn jene Zeit auf diese Weise mit blossem Auge erkannt Averden , vorbehaltlich der l^esttigung durch Yergrsserungs- glser. Dass das so frhzeitig geschehen kann , ist sehr Avichtig , da es da- durch feststeht, dass die Krankheit ziemlich zur sell)en Zeit schon mit blossem Auge erkannt werden kann , avo sie auch bertragbar Avird. Spter, Avenn die Kalkablagerung in den Trichinenkapseln beginnt, Avird allerdings die Erkennt- niss Aveit leichter. ]Man sieht dann die Aveisslichen Krnchen bei jeder Art der ]^eleuchtung und ohne Anspannen des Muskels. Eine ZAveite Art der IJesichtigung ist die kleiner Proben des Muskel- fleisches , Avelche zAvischen zAvei Glsern plattgedrckt Averden. Dabei ist es Avichtig, die betreffende Fleischprobe sorgfltig so zu schneiden und zu legen, dass die Fserchen geordnet liegen bleiben , Aveil nur dann die AliAveichungen von der regelmssigen Anordnung die Kapseln verrathen , Avenn man das kleine l^rparat gegen das Licht hlt. Wer geAVohnt ist, kleine Gegenstnde zu luitersuchen, sieht bei diesem Verfahren mit blossem Auge die Trichinen in den Kapseln und bedarf keiner Controluntersuchung mit dem AergTsserungsglase. Verkalkte Kapseln fallen natrlich auch hier um so mehr auf. Wenn man bei dieser Probe nach Leuckart's Vorschlage das Probestck- chen mit Aetzkali behandelt , so Avird der ]Muskel diu-chsichtiger. War die Kapsel vorher auch diuchsichtig , nicht verkalkt, so sieht man sie danach Aveniger, aber den kleinen gerollten Wurm in derselben um so besser; Avar dagegen die Kapsel verkalkt, so erscheint sie nun bei dm'chfallendem Jiicht auf dem hellen (innule um so dunkler, bei auffallendem hebt sich ihre weisse Frbvmg um so deutlicher ab. Diese ProbirAveise erleichtert jedenfalls die'Er- kenntniss der Trichinen. Audi knnen bei verkalkten Kapseln die Suren Vortheil bringen , indem die nach ihrem Zusatz frei Averdenden Gasblascn die Natur der Kapsel klar machen und die nun erlangte grssere Durchsichtigkeit derselben den darin verborgenen Wurm erkennen lsst. l">s ist natrlich , dass diese Ocularinspectionen durch den (ilebrauch der Lou])e sehr untersttzt Averden knnen. Mit einer zehn Mal vergrssernden Die j\Tiffcl gecjen die Trichinen. \ 09 Stativloupe leisleu wir oififo'ntlicli mehr fr die lTiitcrsii(*1iiiiii> eines l'liieres auf 'rriehineu als mit dem besti-ii y(Mi>Tss(>niii;s<^lase. Eine solche Jiuupe mit ihrem kleineu 'J'iseh gcstallel das /(M-faseni des J<'leisehes mil heideii 1 lihiden unter (h'm A'eri;rssernui>s<;lase und man kann sowohl die t;an/e Probe, als aueh den umsplenden Trojjf'eu Wasser, in Avelehem man jene uniersucht, vollkommen bersehen. Dabei kann man nicht allein die Trichinenkapseln mit einliepi'enden WrnuMii, sondern auch (b'c jngeren, iiocli nicht eiuf^ekapselten Individuen, ja die jngst eingewanderten Embryonen schon mil tSicherheit erkenncMi. Man sieht dann alle diese freien Wrmer und diejeiiij^en , welche elwa aus den Kapseln ausgelst wurden , im Wasser umherges])lt und wenn der Wassertropfen, oder besser das (ilas})lttchen , auf welchem man untersucht, gewrmt ist, auch selbststndig bewegt. Es ist natrlich , dass fr Leute von geringerer wissenschaftlicher 15ildung der Umgang mit derartigen Instrumenten leichter ist, als der mit dem Mikroskope. Solche Ap})arate aber knnen in einer fr den beabsichtigten Zweck ganz aus- reichenden iVusfhrung, im Grossen ganz gewiss fr fnf Gulden hergestellt werden. Er die erste Untersuchung verarbeiteter Fleischwaaren wrden sie jedenfalls weit geeigneter sein, als zusammengesetzte JNIikroskope. Was nun den Gebrauch des Mikroskops bei der Untersuchung auf Trichi- nen betrifft, so ist kein Zweifel, dass dieses Instrument bei jeder wissenschaft- lichen Bearbeitung unerlsslich ist, da, wenn man auch Wesen von so geringem ])urchmesser mit blossem Auge sehen und an der Hand anderer Erfahrung mit vollkommener Sicherheit vermittelst schwcherer Instrumente erkennen kann, doch eine genaue Prfung ohne strkere "\"ergrsserung nicht mglich ist. Es sollte ims auch nicht verdriessen , wenn die Trichinen zum Mittel Avrden, den billigeren Mikroskopen eine gr.^ere Verbreitung auch im Volke , besonders bei den Lehrern, zu verschaffen. Es kann diese Verbreitung jedoch nur AVertli haben , Avenn sie Hand in Hand geht mit Ausbreitung der Kenntniss dessen, zu dessen Erlutennig der Durchblick durch das Mikroskop dienen soll. Es Avrde nun die Frage vorliegen, ob man die Metzger fr den Zustand des Fleisches, Avelches sie verkaufen, soAveit verantwortlich machen darf, dass man von ihnen auch die Erkennung der Trichinenerkrankung vermittelst der angegebenen Verfahrungsweisen verlangt, damit dasselbe vom Verkaufe und der Verarbeitung ausgeschieden werde. Ich glaube, dass das nur eine Frage der Zeit sein darf. Wir wissen, dass solches Fleisch ein hchst gefhrliches Gift ist, Avir knnen ferner behaupten, dass die Erkenntniss der Erkrankung ohne grosse Schwierigkeiten xon Jeder- mann gelernt und die Prfung im Einzelfalle ohne erhebliche Oi)fer an Zeit und Mitteln ausgebt Averden kann. Eine solche Prfung vom Verkufer zu verlangen, ist demnach gcAviss ein Recht der Gesellschaft. Es kommt dabei namentlich ein Um>stand zu Statten. Glcklicher- Aveise A'Crbreiten sich die Trichinen nicht in einer ungeregelten Weise in den Muskeln des Krpers, so dass etAva einmal ein Schinken trichinig Avre, ein anderer desselben ScliAAeines nicht, sondern sie finden sich in allmh- licher Ausstrahlung von der Einnpfhhle um so seltener , je Aveiter Avir nach der Peripherie vordringen. Wenn Avir in einigen Proben aus gCAvis- sen Muskeln keine Trichinen finden , so knnen Avir sagen, dass ein solches Thier nicht in einem bedenklichen Grade trichinig sei. Denn es ist ohne \ 1 TJie Mittel gegen die TrieJiinen. Z%veifel von keinen bemerkenswerthen Folgen, Avenn einige Avenige Trichinen in unseren Verdannngsapparat gelangen. Unter solchen Muskeln, deren Avir oben schon gedachten, Aviirden Avohl allgemein das ZAverchfell oder ein Stckchen von den Kanmuskeln oder vom Jlalse entnommen, znr rro])euntersucliiing am ireeiffnetsten sein. Es ^^ird A\()hl kainii vorkommen, dass Trichinen in andern Muskeln gefnnden Averden, Avcnn sie in den fleischigen Theilen des Zwerch- fells oder in den andern genannten Partieen ganz fehlen. Der Metzger htte also beim Schlachten eines ScliAveines ein Stck ZAverchfell auszuschneiden, mit blossen Augen zu prfen und einige kleine Proben initer der Loupe zu zerfasern, (ilaubt er das selbst nicht mit Sicherheit lernen zu knnen, so Avrde nichts im Wege stehn , dass er es durch geschicktere Personen fr sich ausfhren Hesse. Wir sagten jedoch, es msse die betreffende Verpflichtung eine Frage der Zeit sein, denn Avir knnen nicht verlangen, dass ein Cilegenstand, dessen, sich eben erst die Wissenschaft bemchtigt hat, sofort in l>lut und Leben des Volkes bergehe und hinlngliche Grundlagen biete , \m\ gesetzliche Bestimmungen darauf zu basiren. Wenn Finnen und Trichinen als GeAvhrsmngel hingestellt werden sollen, Avenn Avir den Metzger zu Strafe und Schadenersatz heranziehen wollen, Avelcher finniges und tri'chiniges Fleisch verkaiift und dadurch Unglck gestiftet hat, so mssen Avir gleichzeitig und , da es die , Avie es scheint, hier- orts noch nicht so drngende Gefahr gestattet, lieber noch zuvor sorgen, dass die Kenntniss dieses Gegenstandes und seiner Consequenzen mglichst ver- breitet Averde. AVo die Verhltnisse grsserer Orte es gestatten, namentlich avo Schlacht- huser sind oder hergestellt Averden knnen, sollte alsbald mit entsprechenden Einrichtungen der Fleischschau vorgegangen, namentlich von den Aufsehern gc^fordert Averden, dass sie sich mit der Untersuchung solcher Zustnde hinlng- lich vertraut machen. Mit geringen Opfern knnten in Avenigen Monaten smmtlichen Amtsrzten unseres Landes lebende Muskeltrichinen zugesandt werden, damit sie die betreffenden Angestellten und die ]\Ietzger in der Sache unterAviesen. Man knnte nachher eine kleine Ijelohnung fr die Auffindung trichinigen Fleisches setzen und Strafen fr Nachlssigkeit eintreten lassen. So Avrden Centren ebildet Averden, von Avelchen aus sich die Aufklrung b ber diesen Gegenstand verbreiten A\iirde. Ohne neue Gesetze knnte man dann bald, Avie das mehrere Provincialregierungen des ])reussischen Staates ge- than haben , die Ijestimnmngen ber den Verkauf verdorbener Nahrungsmittel auch fr diesen Fall auAvendbar machen. Wenn Avir im Vorstehenden hervorgehoben haben, in Avelcher AVcise ctAva Schutzmaassregeln durch Gesetz und VerAvaltung gegenber den Producenten und dem zAvischen diesen und den (Jcmsumenten vermittelnden [NletzgergeAverbe ergriffen Averden sollen , so legen Avir doch einen nicht geringern Werth auf das, Avas die ("ousumenten selbst in dieser Angelegenheit thun knnen. Die IliiiAveisung auf die hier obliegeiulen Pflichten erscheint jetzt , nachdem Avir gezeigt haben, dass aucli das Kalb, ja dass A'ielleicht alle ims zur Nah- rung dienenden Suger den Tric-hinen luiterAvorfen sind, um so notliAvendiger. Ers(-heinen doch die danach an die Fleischschau zu machenden Ansprche um so viel grsser, dass eine volle Erfllung derselben viel Aveniger leicht und bald erAvartet Averden darf Auch hier mssen die (ebildetcren und Unterrich- teten mit gutem P)eispiele vorausgehn, damit schlechte, alt eingCAvurzelte Die Mlllcl gegen die Trichine?!. \ \ 1 Gewohnheiten, deren Gemeini>efiUivlichkcil mm uufgeliellt ist, beseitigt wenkMi und bessere an ilire Stelle treten. Wenn es anf der einen Seite sicher ist, dass eine gewisse Art der Pflege die Scliweine eher als eine andere in die (Jefaln- setzen wird, triehinig zu werden, und in dieser lleziehung- geAvisse Ortsgewolmheiten fi'iv die ^ evbreituug der Krankheit unter den Schweinen von grsster IJedeutung sind, so mssen auf der andern Seite die Verschiedenheiten , welche nach landesblicher Sitte fr die liehandlnng des geschlachteten Fleisches und die Art des Verbrauchs sich geltend machen, nicht Aveniger fr die ITebertragung der Trichinen vom Schweine auf den Menschen in Rechnung kommen. Die Erfahnmen des reichlichen Ueberganj^s von Zerfullproducten ins Blut. Fr (Uis Krankheitsbihl verweisen wir auf die oben nach den l^eschreibungen der l*athoh)gen, beson- ders Friedreich's und Rupprecht's gemachten jMittheihuigen , da uns eigene l^eobaclitungen am Krankenbette abgehn. ])ie Nach Weisung der jMuskeltrichinen (Uirch Entnehmen einer kleinen Probe vermittelst eines stiletartigen Instrumentes ist nach unsern Versuchen bei Thieren, wenn das Instrument gut ist , leicht und wenig schmerzhaft luid demnach auch beim Menschen ohne bedenken. Am besten sind die kleinen Stilete ohne Canle , an welchen ein wenig hinter der Spitze ein Stckchen durch einen senkrechten vuul einen von dessen tiefstem Puncte aus in der Riclitinig nach der Handhabe zu schrg nach aussen zurckgefhrten Schnitt ein titenschnabelartiges Stck ausgeschnitten und von diesem Ausschnitte aus die Spitze scharfrandig ausgebohrt ist. In der so entstehenden Canle bleiben beim Zurckziehen die vom scharfen' Eande des Ausschnitts gefassten Muskel- faserchen in ausreichender Menge liegen und knnen zur Untersuchung ge- bracht Averdeu. Von Halle aus ist diese wesentliche Verbesserung der Midel- DORPF'schen Harpune in den Handel gebracht worden. Fr den jMenschen ist der musculus hiceps eine gute Stelle fr die Entnehmuug der Probe am Lebenden. Aus eiternden Wunden, deren Heilung, Avie wir in mehreren Fllen ge- sehn haben, zuweilen Avhrend der Trichinenaffection , vermuthlich wegen des Oedenis, nicht zu Stande konunen Avill, kann man nur dann Trichinen zu er- halten erwarten, Avenn Muskeltheile zerstrt Avmden. Die Behandlung kann , Avenn die charakteristische jNIuskelaffection be- gonnen hat, noch lngere Zeit gegen die Darmtrichinen gerichtet Averden, Avelche fortAvhrend Jk-ut nachsenden. Die Darmtrichinen besitzen niclit im Entferntesten die I^ebenszhigkeit der eingekapselten JMuskeltrichinen. IJei Avarmer Witterung gehen sie oft in Avenig Stunden im Darme des getdteten Thieres von selbst zu Grunde , sie mssen trotz der A^ersuche Fiedler's der EiuAvirkung der Arzneimittel erreichbar sein. Wir haben hufig gefunden, dass sie bei Diarrhe auffallend verringert Avaren; EntAvicklung a'ou Blasen fixuliger Gase im Darme tdtete sie sicher. Neben Abfhrmitteln imd speci- fischen Wurmmitteln mchten deshalb Sclnvefelprparate Dienste erAveisen. AVahrscheinlich Avird immer in der Vertreibung der Darmtrichinen der Kern der Behandlung beruhen bleiben. Wenige Tage nacli ihrer Vertilgung Avird berall die Abnahme der Muskelerscheinungen erAvartot Averden drfen. Aus dem geringeren Grade der Erkrankung der Kinder und dem gerin- geren Zerfall innerhalb der Primitivfosern beim Kalbe und einer jungen Feld- maus kann man vielleicht die Combination machen, dass die Muskelentzndiuig A'orzglicli durch die Aufnahme der deletren Stoife ins l)lut den gefhrliche- ren , typhsen Charakter erhalte. Die Befrderung der von der Natur infolge der Stase aus Circidations- beengung angeregten Sclnveisse , soAvie der Harnsecretion und der Stuhlgnge Avrde aus diesem Gesichtspuncte fr die Thera})ie besonders rthlich erschei- nen. Warme Bder mit nachfolgenden Einhlhuigen knnton vortheilhaft sein, aucli Averdcn locale Avarme Ueberscldgc und EinAvicklungen die Stase mindern und den Zerfall in den Muskelfasern beschrnken, soAveit derselbe in den einzel- Die Mittel gegen die 'l'r ichinen. 113 neu ber die ncliste Naehbarschaft der Trichine hiiuuisjrelien oder j^ar nach Fiedlku'r Aiisiclit aucli (li(> iiielit von Trichinen hesct/ten Fasern erj^reifen sollte. Die eij^cnfhiindiche Thatsache, dass einige Sngethierc schAver oiU'r iiiclil IMuskcltricliinen zu ent^vickehi im Stande sind, lsst vms, da sife weder aus tUn- Liluf^e des ])arnicanals , noch der ])icke nnd Festij^keit seiner Wandini<^en, noch, wenigstens nach d(>n bisherigen Erfahrnngen, aus der Art der Ernln-ung mit Sicherheit erklrt Averden kann, denken, dass die Qualitten (h'r (:Je- Avebe derselben und ihres l^lutes den Embryonen nicht zusagen. Danach kn- nen wir immer noch einige Hoffnung haben , dass medicamentse Substanzen gefunden werden, welche, das Blut ohne zu erheblichen anderweitigen Nach- theil durchdringend, das Gedeihen der Trichinen hindern und die Erkrankung abortiv machen. Die oben erwhnten ^'ersuche von Fiedi^er schmlern jedoch die Aussicht, welche in dieser J^eziehung j\I()si>i<;ji auf das Benzin erffnet hatte und welche bei der flilchtigen Natur dieses Stoffes am ehesten versprechend er- schienen, Avieder sehr. Die Illfsmittel, Avelche Avir demnach am Schlsse unserer Arbeit angeben knnen, Avi'den sein : 1) l^elehrung des Landvolks ber die Entstelumg der Trichinenkrankheit beim ScliAveine und der daraus erAvachsenden (n'fahr fr den Men- schen, damit die Erkrankinig bei den SchAveinen seltener Averde. 2) Belehrung der Metzger luid Fleischschauer ber das AYesen der Erkran- kung und ber die Aufsuchung der Trichinen im Schlachtvieh, damit es vermieden Averde, dass trichiniges Fleisch zum Verkaufe oder Selbst- verbrauche gelange. 3) Belehrung an alle Stnde ber die Gefahren, Avelche aus dem Gensse rohen und mangelhaft zubereiteten Fleisches, vor Allem des ScliAveine- fleisches erAvachsen knnen , besonders mit Rcksicht auf die Trichi- nen , damit diesellien , Avenn etAva bersehen , doch in gCAVolinheits- gemsser l^ereitungsAveise der Speisen unschdlich gemacht Averden. 4) Aufnahme der Trichinenkrankheit unter die gesetzlichen GcAvhrsmngel beim A'iehhandcl. 5) Verordnung, dass die Trichinenkrankheit am Fleische dasselbe unter die verdorbenen FleischAvaaren stelle, deren Verkauf verboten ist, nebst Bestimmung, Avie solches Fleisch vernichtet Averden soll, damit es auch fr andere Thiere unzugnglich Averde. Erklrung der Abbildungen. Tafel I. Fig. 1. Ein Stckchen Muskelfleisch vom Kaninchen mit frisch eingekapselten Trichinen, wie es bei Omaliger Vergrsserung das Sehfeld des Mikroskops ausfllt. Fig. 2. Eine einzelne Kapsel mit den zunchst anhngenden Muskelfasern herausgenommen, lOU Mal vergrssert. Unten ist der Sarcolemmaschlauch einfach zusammengefallen und verklebt, oben abgeschnrt und noch von dem zerfallenen Inhalt darin zu erkennen. In der Kapsel viel zerfallener Inhalt mit zahlreiclien Kernen rings die Trichine um- gebend. Eine weibliche Muskeltrichine, 250 ^lal vergrssert. u After, c Zellkorper des Sjjeise- rohrs. i Dai-m. o Eierstock, o' vorderes Ende desselben, s Blindsckchen vor dem Magen, v Magen. Das vordei'e Ende einer jungen Darmlrichine, :i2U Mal vergrssert. vli Chitinrohr des Oesophagus, ce Gehirn, oe. Oesophagus , hinter dem Gehirn anschwellend. / das Lngsband. Das Gehirn frei prparirt mit den anhngenden Nervenfden, 500 Mal vergrssert. Ein Stck aus der Mitte einer weiblichen Muskeltrichine, etwa 400 Mal vergrssert. c Das hintere Ende des Zellkrpers, s Die Blindsckchen. sa Blutkrperchen. V Magen, o Vorderes Ende des Eierstocks. Hinteres Ende einer lteren weiblichen Muskeltrichine , in welcher der FARllE'sche Krnerhaufen / gebildet ist, 300 Mal vergrssert. Bei / das lingsband. Die erste, Anlage zur Bildung der weiblichen Geschlechtsffnung vu in einem Aus- schnitte aus einer jungen Darmtrichine, 400 Mal vergrssert. Das Hinterende einer mnnlichen Muskeltrichine, 240 Mal vergrssert. / Lngs- band, t Die vordere Umbiegung des Hodens zum kus di-ferens. cl die Vereinigung des luis deferens mit dem Darm i zur Cloake. rr deren Hckziehmuskeln. Der Hoden t, der Samenleiter vd, die Cloake rl mit ihren Rckziehern rr und der Darm i aus demselben Thiere frei prparirt. f'in Stck des Lngsbandes ganz vorn aus der Trichine, isolirt im zusammengezoge- nen Zustande, 32( Mal vergi-ssert. Dasselbe in dem Vordertheile der Trichine auf dem Zellkrper des Oesophagus, 320 Mal vergrssert. Dasselbe weiter zurck , wo es ber dem mit Eiern und Samenelementen gefllten Uterus liegt, 320 Mal vergrssert. Fig. 3. Flg. 1. Fig. 5. Fig. 6. Fig. t . Fig. s. Fig. 9. Fig. Kl Fig. 11, Fig. 12 Fig. 13 Erklrung der Abbildungen. 115 Fig. 14. Der Uebergang des von seinem Zellkrper iimlillten Oesq)hagu.s in den Magen sammt den Blindsckchon an der Uebergangsstelle, von einem jungen Darmtrichinen- mnnchen, H20 Mal vergrssert. Fig. 15. Yn Ausschnitt einer etwa vier Tage alten weihliciien Darmlrichine von "2 mm. Jjnge, mit der Eier aber noch keine Embryonen enthaltenden Scheide, vn die Ge- schlechtsffnung. 320 Mal vergr.ssert. Fig. Ki. Aus derselben ein Ausschnitt, der die verengte Stelle enthlt, an welcher der Eier- stock in den Uterus bergeht, o der l'jerstock. u der Uterus, ii der Darm, :V2fl Mal vergrssert. Fig. 17. Das Hinterende desselben Thieres , ;32() Mal \ergi-ssert, das blinde Ende des Eier- stocks, den Darm und das Lngsband zeigend. Fig. 18. Spitze des Hinterleibes einer jungen Darmtrichine, 320 Mal vergrssert, von unten ^^iii^w^fc. gesehen , um die kleinen Zpfchen an der A^^uzel der grossen Haken neben der Afterffnung zu zeigen. Fig. I'.*. Dasselbe mit vorgestlpter Cloake. Fig. 2(t. Die Hodenzellen, 600 Mal vergrssert. Fig. 21. Die Samenkrperchen, 100 Mal vergrssert. Tafel II. Fig. 1. Eine junge weibliche Darm trichine, drei bis vier Tage im Darme verweilend, 200 Mal vergrssert. vn weibliche Geschlechtsffnung, ve Magen, i Darm, ov Hinteres blindes Ende des Eierstocks, ii Grund des Uterus, mit Samen gefllt. Fig. 2. Eine mnnliche Darmtrichine vom selben i\.lter , 200 Mal vergrssert. t Hinteres blindes Ende des Hodens, l- die vordere Umbiegung des Hodens zum Samen- leiter vd. vs die samenblasenartige Erweiterung des Samenleiters, cc die Blind- drmchen vor dem Magen, cl die Cloake. it die Begattungshaken. Fig. 3. Das Hinterende eines jungen ])armtrichinenmnnchens, 320 Mal vergrssert. u die Haken, cl die Cloake. r die Ilckziehmuskeln. vs die Samenblase. / der Darm, t das Blindende des Hodens. Fig. 4. ])ie inneren Geschlechtsorgane einer jungen Darmtrichine, 320 Mal vergrssert. t der Hoden, vd der Samenleiter, i der Darm, cl die Cloake. vs die Samenblase. Fig. 5. Hinterer Theil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane einer vollkommen reifen, entwickelte Embryonen enthaltenden Darmtrichine, 320 Mal vergrssert. Aus dem varium ist in der Mitte ein Stk M'eggeschnitten zu denken, weil die Gesammt- lnge fr die Zeichnung zu bedeutend gcM'esen wre. oj; Der die jungen Eier erzeugende Bandstreifen, oc? der mit abgefallenen Eiern gefllte brige Theil des Eierstocks, den Eileiter darstellend, u der Uterus mit Eiern und bertragenem Samen, i der Darmcanal mit langgestreckten, musculsen (?j Zellen in seiner "Wandung. Fig. G. Mittlerer Theil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane derselben Darmtrichine, 320 Mal vergrssert. oe der mit dem Zellkrper umhllte Theil des Oesophagus. Innerhalb ist das Chitinrohr zu sehen, ve der Magen, i der Ueb ergang des Magens in den dnneren Theil des Darms, u der mit Embryonen gefllte vordere Theil des Uterus, va der mit Embryonen gefllte hintere Theil der Scheide. Fig. 7. Der vordere Theil der Scheide mit deren Mndung in der Haut, ebensovielmal vergrssert. Fig. 8 23. Reihenfolge der verschiedenen Stadien der Entwicklung des Eies und des Em- bryo, 500 Mal vergrssei't. Fig. 24. Das Hinterende eines erwachsenen Embryo, 1000 Mal vergrssert. Fig. 25. Ein Stckchen Muskelfleisch vom Kaninchen mit frischer Trichineninfection mehrere Tage vor der Einkapselung , bei I>oupenvergrsserung und durchfallendem Lichte. Die kranken Muskellindel erscheinen dunkel. 116 Erklrung der Abhildungen. Fig. 2(5. Ein Stckchen inficirten MuskelHeisches etwas nher der Einkapsehmg ^^^ Tri- chinen, 100 3Mal vergrssert. Eine der beiden Trichinen beginnt sich zu krmmen und der Inhalt der Fibrille um dieselbe beginnt sich zu lichten. Fig. 27. Ein Abschnitt von einem gesunden und einem durch eine Trichine erkrankten Muskelbndelchen. ])er zerfallende Inhalt mit in Vermehrung begrift'enen Kernen quillt an i'inem Ende der kranken Fibrille vor. 200 ]SIal vergrssert. Fig. 28. Eine Trichine innerhalb einer Faser bei beginnender Einkapselung. lO Mal ver- grssert. Fig. 20. Injection des Gelassnetzes, welches in mehreren Lagen die angeschwollene Stelle einer durch eine Trichine erkrankten Primitivl'aser umgiebt, zur Zeit der Hhe der Erkran- kung der Faser vor Beginn der Einkajjselung, 150 Mal vergrssert. Druck von Bieitkopf uml Hrtel in Leipzig. /. Taf.L V.Ja lli-1^*'-;^ (1+- z;^ a^tjTt'/tsc/i^L '".f/\ s Jp. //. /(). U. fS. /5. /o\ J7. 26 7h/: // 6\ ve 2.9. 28 fAi4 2A 2/. 20. //> :Vi^ J8. 22. ;#^. f 2.^ '4 xn i. 'S l i ^ er - ' ' V "fi \ i'd a\^ ( t __ Lei 'Mm -- VU i O'^ 25. W i'tJ cl^^^'h f c7 /^a^tr7ijtcr/ii7' i/e/. r.v.iJ ^m > V -^'"#.^. V ^m mV BCr ^ ^ftf' *t^ ,*,,: "''^#3*' ^^- '5' ^'yil, y-jrf ^ I /-^.